Trotz aller Bedenken und Skandale ist die Tour planungsgemäß auf die Strecke gegangen. Damit dürfte es, wie jedes Jahr, um den letzten Rest meiner Produktivität geschehen sein. Dank der ARD kann man den Livestream zwar auch in Büro und Labor laufen lassen (gibt nichts besseres für ansonsten frustrierende Wochenend-Dunkelmessungen als einen kleinen Laptop mit Lautsprechern, die gerade so den Lärm der Vakuum-Pumpen übertönen können). Gerade beim Schreiben bei erfolgslosen Schreib-Motivationsversuchen ist die Aufmerksamkeit aber doch dahin. Und das ist heute nur der Prolog, der mit am langweiligste Teil der Tour. Ist ja noch nicht mal ne echte Etappe.
Tja, Doping, die ewige Diskussion. Ich kann mich nicht mal richtig entscheiden, ob’s mir einfach egal ist oder ob ich es taktischerweise verdränge, um mir das Interesse (und damit die Möglichkeit zum Faulenzen und Arbeitumgehen) nicht nehmen zu lassen. Vor allem aber sehe ich nicht, wieso der Radsport besonders verseucht sein sollte. Wer sich über die Tour jetzt aufregt, sollte auch jede andere Profisportart konsequenterweise boykottieren. Ich hab auch keine Lösung; der Anreiz, neue Dopingmittel zu erfinden, wird immer größer sein, als der, sich Nachweise zu überlegen. Wer vom Radsport-Doping reden will, darf halt vom Kapitalismus nicht schweigen.
Immerhin sind die interessanteren Etappen fast alle am Wochenende. Und in drei Wochen kann man sich dann verwundert die Augen reiben, wieso man am Nachmittag soviel Zeit hat und auf einmal auch wieder mit der Arbeit weiterkommt.
Wo wir schon beim Radsport sind: Pfizer zieht nach Berlin. Ab jetzt gilt also: Viagra schlucken für die Hauptstadt. Die braucht dringend Arbeitsplätze. Sind gleich zwei neue Ansätze gegen den Single-Überschuss in Berlin. Und ist ja auch irgendwie Doping, aber wohl nicht so schlimm, weil’s nicht im Fernsehen kommt. Im Netz kann man’s natürlich trotzdem sehen.
Und neues aus der Wissenschaft: Durch Versuche mit Ratten (Doktoranden waren zu teuer) wurde jetzt bestätigt, dass sich der Körper von Säugetieren an Schlafentzug anpasst, Schlafmangel also chronisch werden kann. Der Organismus versucht dann nicht mehr, den verpassten Schlaf aufzuholen und ändert auch das Level, ab dem man sich subjektiv müde fühlt. Und als Ergebnis kann man dann irgendwann seine Doktorarbeit abgegeben, allerdings mit leichten Risiken:
Chronic partial sleep loss of even two to three hours per night was found to have detrimental effects on the body, leading to impairments in cognitive performance, as well as cardiovascular, immune and endocrine functions.
Ich hol mir jetzt noch nen Kaffee und schließe damit den Kreis zurück zu Hochleistungen und Doping.
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