Wissenschaft zum Selbermachen: Galaxien-Raten für Millionen

Spiral Galaxie M101

Es gibt ja diese Tage, an denen es einem im Büro langweilig wird, immer nur Solitaire zu spielen, im Netz Kreuzworträtsel oder Sudokus zu lösen. Oder das Gehirn braucht beim Schauen von langen flachen Tour-Etappen etwas Abwechslung. Oder man sitzt zu Hause und muss seinen Steißbein-Haarriss auskurieren und hat sonst eh nicht zu tun. Wenn man dann mit seiner Arbeitszeitverschwendung noch jemandem helfen will, in diesem Fall ehrgeizigen Astronomen, die Hilfe dringend brauchen, kann man dies jetzt sinnvoll tun. Damit erlaubt man dann jungen Nachwuchsastronomen, in ihrer Arbeitszeit mehr Solitaires, Kreuzworträtsel und Sudokus zu lösen oder auch etwas entspannter die Tour de France im Büro-Livestream zu verfolgen. Moralisch also einwandfreie Ziele. Anders ausgedrückt: Caroline Zunckel braucht eure Hilfe, damit sie nicht endgültig vor ihrem Rechner vernerdet.

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Und hier ist was ihr tun könnt: Die Sloan Digital Sky Survey hat Bilder von mehreren hunderttausend Galaxien, die kategorisiert werden müssen und hat diese jetzt online gestellt auf GalaxyZoo. Es gibt eine Anleitung mit Einführung, einen Test, den ihr bestehen müsst und dann praktisch beliebig viele Aufnahmen von Galaxien, die außerhalb dieser Untersuchung noch nie veröffentlicht wurden. Ihr müsst dann entscheiden, ob die Galaxien elliptisch oder spiralförmig sind (mit Bewegungssinn im letzteren Fall), ob gar mehrere Galaxien miteinander kollidieren oder ob es sich gar nicht um eine Galaxie handelt: die Vorauswertung der digital aufgenommenen Daten erfolgt automatisiert, es können sich also durchaus mal einzelne Sterne oder Satellitenspuren dazwischen verirren.

Zu gewinnen gibt’s nichts, aber das Ganze macht auf jeden Fall mehr Spaß als zum zwanzigsten Mal die Spiegel-Online-Seite aufzurufen; ist also praktisch Arbeitsverschleppung auf höchstem Niveau. Vielleicht findet man ja sogar etwas ganz und gar außergewöhnliches, schließlich sind die meisten der Daten bisher nicht gesichtet worden. Auf jeden Fall tut man was Gutes, auch wenn man am Ende nicht als Autor auf einer der Veröffentlichungen stehen wird.

Gegen Missbrauch des Systems, also das vorsätzliche Produzieren falscher Ergebnisse, wird wohl hoffentlich besser vorgegangen als wirklich nur durch Aussortierens ambivalenter Zuordnungen: da reichten dann ja schon einige hundert Spinner, um das System scheitern zu lassen - vielleicht ist das Sabotieren wissenschaftlicher Untersuchungen aber auch nicht ganz so spannend, wie bei Wikipedia führenden Regierungsmitgliedern enge sexuelle Kontakte zu Ziegen zu unterstellen, auch wenn letzteres nur Sekunden online wäre. Wenn doch, dann kann man immer noch eine Soziologe-Publikation draus machen. Hat man auch gleich die Interdisziplinarität der Wissenschaften gefördert.

(via SpiegelOnline und Bad Astronomy Blog)

2 Responses to “Wissenschaft zum Selbermachen: Galaxien-Raten für Millionen”

  1. Lieber Kamenin

    Nicht wundern über die vielen Anfragen zu Virginia Woolf - lieber mal den Spiegel lesen. Aktuelles Preisausschreiben zum Nobelpreis - Frage 6.

    mfg

    Stefan Böckermann

    Ps. auch ich musste nachschauen, um die Frage zu beantworten.

  2. [...] ich schon mal auf das Galaxy-Zoo-Projekt hingewiesen, das Interessierte daran teilhaben lässt, Galaxien zu katalogisieren - ganz Web-2.0-mäßig ohne Bezahlung oder eigenen Nutzen - und dabei auch drüber spekuliert, ob [...]

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