ARD/ZDF schmeißen Tour-Übertragung, Sat.1 übernimmt, Eurosport sendet Livestream
Im Moment komm ich kaum hinterher, seitdem gestern durch das Bekanntwerden eines Dopingfalls im Vorfeld der Tour de France ARD und ZDF sich relativ spontan entschlossen haben, ihre Tour-Berichterstattung einzustellen; das beinhaltet auch das Web-Angebot. Es läuft weder der Livestream noch der Live-Ticker. Aber inzwischen ist Ersatz gefunden. Sat.1 hat mit sofortiger Wirkung die Fernseh-Übertragungsrechte und sendet wohl auch schon. Überprüfen kann ich’s nicht, weil ich im Büro festsitze endlich mal wieder arbeiten darf, vollkommen konzentriert, wie man sieht. Gleiches gilt für den heute neu eingerichteten Livestream bei Eurosport, der theoretisch meine Büroübertragung sichern sollte. Aber auch den konnte ich nicht ausprobieren. Nicht nur, weil ich nicht wollte (der Plan war tatsächlich, dass ich zwecks Arbeit mal ein paar Flachetappen ausfallen lass), sondern weil mir zu allem Überfluss gestern Nacht auch noch der Laptop gestohlen wurde. Aus meinem abgeschlossenen Büro. Und sogar noch gesichert mit Schloss. Spacken.
Ich vermute eigentlich, dass es mein Chef war - nett tun und hinten rum dann doch dafür sorgen, dass nicht zuviel Tour geguckt wird in der nichtbezahlten Arbeitszeit. Beweisen kann ich’s allerdings nicht, und sein Alibi scheint dank seines derzeitigen Auslandsaufenthalts auch gesichert. Anstatt der Tour de France hält mich somit fleißiges Backupen meiner Daten (sind glücklicherweise keine verloren gegangen, das war das Wichtigste), lustiges Kriminalanzeige-Ausstellen und Quittungen-Heraussuchen von der Arbeit ab. Man kann’s sich halt nicht aussuchen.
Was hat also der Tour-Ausstieg der öffentlich-rechtlichen Sender gebracht? Am Anfang fand ich das durchaus ambivalent - die zwei schweren Bergetappen nächste Woche will ich mir eh freinehmen und ansonsten nur noch den Ticker nebenher laufen lassen; es hat mich also nicht direkt betroffen, nachdem ich auf meinem Fernseher endlich Eurosport gefunden hatte. Dafür wär’s vielleicht mal ein ernsthaftes Zeichen gewesen, gegen das Doping vorzunehmen, auch wenn der Anlass eher lächerlich war: Testosteron bei einem einzelnen Fahrer (drei andere im selben Training wurden negativ getestet, also wohl kein team-internes organisiertes Doping), der zu dem nicht mal mehr bei der Tour dabei war. Irgendwie war wohl entscheidender, dass der die von unseren Gebühren finanzierte Eins vorne auf dem Trikot trug - war man also bei Nichtempfang von Eurosport auf die ARD angewiesen, war man gleich dreifach verarscht worden: Gebühren bezahlt, Gebühren verschwendet für eine dämliche Marketingaktion und dann von der Übertragung ausgeschlossen für eine symbolische Geste und weil den Herren Sportjournalisten und Programmverantwortlichen ihre eigene Dummheit und Geldverschwendung auf einmal zu peinlich war, was natürlich schwerer wiegt als das Informationsbedürfnise der interessierten Zuschauer. Ganz zu schweigen von den Hardcore-Fans, die vielleicht auch noch vorab Urlaub genommen hatten. Und die symbolische Geste ist inzwischen auch noch verpufft. Es geht also auch ohne ARD und ZDF. Der Zuschauer leidet höchstens an den noch häufigeren Werbepausen und der etwas unprofessionelleren Kommentierung. An dieser Stelle ein Aufruf: Herbert Watterott, meld Dich doch mal bei Sat.1, da geht doch was! Ein paar Seitenhiebe auf die Fahrer die immer noch mit der Gebühren-Eins vorne drauf rumfahren, sind doch bestimmt drin.
Ich warte mal gebannt, ob ARD und ZDF dann auch die Olympiade boykottieren, wenn die erste bulgarische Gewichtheberin oder das erste Dressurpferd positiv getestet werden. Stattdessen füllt sich dann vermutlich Moderatorenzeit mit ausführlichen Darlegungen, wieso man da trotzdem dabei bleibt. Ist für die Sportjournalisten ja auch ne angenehme Art, die Arbeitszeit rumzubringen. Wer sonst soviel über sich und sein journalistisches Selbstverständnis fabulieren will, muss dazu immerhin noch nen Blog anmelden.
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