Astana steigt bei der Tour aus - ich auch
Inzwischen reicht’s mir auch mit der Tour de France. Nach den Ereignissen der letzten Tage - den Dopinggerüchten und -berichten um den Tourführenden Rasmussen und den Zweiten Contador und jetzt dem positiven Dopingbefund Winokurows und dem nachfolgenden Rückzug der Astana-Mannschaft - ist auch meine Albernheits-Toleranzgrenze überschritten. Die beiden Führenden am Montag wie zwei Sprinthäschen den letzten Berg hochradeln zu sehen, bei dem es für beide um gar nichts mehr ging, war schon absurd genug; da muss ja selbst Lance Armstrong mit seiner fragwürdigen medizinischen Geschichte gestaunt haben, und das Konkurrentenfeld bemühte sich schon gar nicht mehr, da noch hinterherzukommen.
Mal abgesehen davon, dass der Wettbewerb endgültig verzerrt ist und dass mit Klöden der letzte Deutsche in aussichtsreicher Position nicht mehr dabei ist, nerven heute vor allem die Kommentare, dass das doch eigentlich ein guter Tag für den Radsport gewesen sei, weil die Kontrollen greifen und Manipulationen jetzt nachgewiesen würden. Nicht wirklich, Leute. Winokurow wurde überführt, weil er mit Fremdblut gedopt hatte. Das ist schon tragisch, wenn einem in der Mitte der Tour die eigenen Blutbeutel ausgehen. Das wäre nämlich mitnichten gefunden worden; von daher sind auch Klödens negative Dopingbefunde eher mit Vorsicht zu genießen. Vielleicht sollte man mal nachgucken, ob man das fremde Blut in Winokurows Venen nicht doch irgendwem anders zuordnen kann… Entscheidender ist sowieso das Trainingsdoping, wenn man sich erst die Form für die Tour aufbaut. Wie lückenhaft die Kontrollen sind, sieht man ja an Michael Rasmussen. Es wäre ein starkes Zeichen gewesen, die Tour heute nicht starten zu lassen und sie endgültig für dieses Jahr abzubrechen. Das erspart einem auch das Bearbeiten der diesjährigen Siegerliste, die wohl kaum Bestand haben dürfte.
Also starte ich heute, an den letzten schweren Bergen, an einem Tag, den ich mir eigentlich frei genommen hatte, meinen privaten Tour-Boykott, auch wenn’s sonst ziemlich sinnlos ist. Stattdessen sitze ich doch wieder im Büro und arbeite, was sowieso in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen ist - darum auch die etwas niedrige Blogfrequenz der letzten Woche: die Arbeit muss halt doch irgendwann fertig werden.
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