Wissenschaftliche Antworten auf die Fragen, die Intelligent Design zu stellen vorgibt

Ich habe mal zwei weitere Links in meine ‘Ressourcen’-Kategorie aufgenommen, da inzwischen von hauptsächlich religiöser Seite auch in Deutschland immer mehr Stimmen laut werden, welche die Kritik der amerikanischen Intelligent-Design-Bewegung zumindest nachvollziehbar finden und entsprechend entgegen der Evolutionstheorie neue Skepsis aufbauen - als bestände die Rolle der Wissenschaft nicht sowieso darin, sich selbst ständig zu hinterfragen und nach Schwachpunkten im Theoriegebäude zu suchen; die schlüssige Darlegung alter Fehlschlüsse ist schließlich der direkteste Weg zu wissenschaftlichem Ruhm. Von amerikanischer Seite, insbesondere vom in Seattle ansässigen Discovery Institute, das sowas wie die Leitzentrale der modernen I.D.-Bewegung geworden ist und spendenfinanziert Unsummen dafür ausgibt, Propaganda zu verbreiten, werden dabei auch bewusst Fehlinformationen gestreut: ganz normale Schwierigkeiten, wie sie in jeder wissenschaftlichen Forschung auftreten, werden zu existenziellen Krisen ganzer Fachrichtungen hochstilisiert; längst belegte Zusammenhänge werden bestritten und als prinzipiell von der evolutionären Biologie nicht beantwortbar postuliert; fehlerhafte Küchenmathematik soll zeigen, dass das alles doch gar nicht auf natürlichem Wege entstanden sein kann. Das Ganze wird mit soviel pseudo-wissenschaftlichem Anstrich versehen, dass der Laie (und hier gerne auch: der Journalist) oder auch der auf anderem Gebiet tätige Wissenschaftler im ersten Moment durchaus den Anschein gewinnen kann, hier würde ein wissenschaftlich begründeter und vielleicht sogar wirkungsvoller Angriff auf die Evolutionslehre stattfinden [1].

An dieser Stelle muss vielleicht erst einmal unterschieden werden, was man mit Intelligent Design überhaupt meint. Der Name ist natürlich geschickt gewählt - und das musste er auch, ging es doch zu aller erst mal darum, einen Begriff zu prägen, der sekular genug erschien, um nicht von vorne herein den religiösen Inhalt preiszugeben: schließlich war eines der Ziele, mögliche übernatürliche Eingriffe bei der Entstehung der Arten auch im schulischen Biologieunterricht behandeln zu können, obwohl es in den USA verboten ist, Religion an staatlichen Schulen zu unterrichten oder auch nur implizit zu propagieren. Vom Begriff her schließt Intelligent Design somit erst mal alles ein, was irgendeine hinter der Schöpfung stehende Intelligenz vermutet (oder auch nur herbeisehnt). Auch aus taktischen Gründen grenzt sich die Bewegung nicht immer klar ab und ist für vieles offen, was einzelnen Anhängern durchaus unangenehm erscheinen mag: das Spektrum reicht von Vertretern einer theistischen Evolution, in denen Gott gerade noch die Startparameter des Unviersums festlegen durfte, um am Ende dann doch zielgerichtet, aber durch natürlich ablaufende Auslese beim Menschen anzukommen, bis zu fundamentalistischen Evangelikalen, die jedes Wort der Bibel wörtlich nehmen wollen, insbesondere das Buch Genesis. Es wäre ja auch dumm für das Discovery Institute, potenzielle Spender zu vergraulen. Man kleidet sich also lieber in Unbestimmtheit, was die Kritik anderer religiöser Gruppe angeht. Tatsächlich kann sich so jeder auf ‘intelligentes Design’ berufen, dem die sinnlos waltenden Kräfte blinder Natur nicht so richtig ins Weltbild passen und der seine Menschlichkeit als etwas anderes begreifen möchte als eine (weitere) fortgeschrittene Stufe natürlicher Anpassung und evolutionärer Weiterentwicklung.

Das Problem, zumindest wenn es um klare Sprache geht, ist dabei, dass die Argumentation der eigentlichen Bewegung bei aller Schwammigkeit eben nicht ein philosophisches Reflektieren oder ein theologisches (gar noch transzendentes) Argumentieren darstellt. Wenn die Vertreter des ID Evolution nicht mehr grundsätzlich in Frage stellen, aber immer wieder einzelne biologische Komponenten als nicht durch Evolution erklärbar postulieren, weil die Forschung noch nicht jeden biochemischen Zwischenschritt nachzeichnen konnte, dann entwerfen sie damit das Bild eines langsam vor sich gehenden natürlichen Prozesses, in dem immer mal wieder ein kreativer Gott eingreift, um das Genom um die eine oder andere interessante Variation zu bereichern. Der Gott, den ID annimmt, ist weder ein transzendenter noch ein Schöpfer; es ist ein unbeschäftigter Hobbybastler, der ab und an nette Ideen hat und diese in den Lauf der Evolution einfügt. Warum er sich das so kompliziert macht, bleibt unbeantwortet - wie die ID-Bewegung sowieso keine Antworten geben will, sondern nur sich immer neue Fragen ausdenkt. Wie sollte aus dem ID auch eine Antwort kommen, wenn es doch nur darum geht, reale wie konstruierte Lücken in der biologischen Forschung auszuwählen und zu verkünden: ‘Das geht wohl kaum ohne Schöpfer kreative Intelligenz…” [2] Die Beweislast liegt bei der Wissenschaft, was unfair schiene, wäre es denn jemals anders herum gewesen. Wenn die Wissenschaft dann in ihrem natürlichen Lauf wieder mal das Auftreten eines vom ID als unerklärbar bewiesenen Phänomens erklärt hat, haben die Leugner und Skeptiker schon wieder drei neue absurde Fragen zur Gretchenfrage hochstilisiert. Und einige Leute glauben denen immer noch; vielleicht weil sie desinformiert sind, vielleicht aber auch, weil sie glauben wollen.

Denen, die unbedingt glauben wollen oder sich im Rahmen postmoderner Beliebigkeit von einer nicht-subjektiven Natuerklärung, zumal einer, die ihren Vorstellungen widerspricht, verabschiedet haben, kann niemand helfen; jedenfalls nicht mit argumentativen Mitteln, die einem Blog zur Verfügung stehen. Denjenigen, die wirklich nach Antworten suchen, weil sie wirklich am Aufbau der Welt interessiert sind oder erstaunen über die Komplexität der Natur, kann dagegen geholfen werden. Zum Beispiel mit Erklärungen über die häufigsten Missverständnisse über Evolution und Widerlegungen der häufigsten Einwände von Skeptikern:

TalkOrigins ist eine Seite, die sich ganz den religiösen Anfeindungen Einwänden gegenüber moderner Wissenschaft und der Entkräftung sachlich falscher Argumente verschrieben hat. Dies bezieht sich hauptsächlich auf Kreationismus, schließt dabei aber immer wieder auch Teile des Intelligent Design ein. Evolution wird erklärt und es wird gezeigt, wodurch die zugrunde liegenden Theorien widerlegt werden könnten (eine Grundvoraussetzung einer wissenschaftlichen Theorie und gleichzeitig eine Erwiderung auf den beliebten Vorwurf: Evolution kann nicht im Labor reproduziert und damit auch nicht falsifiziert werden). Die Texte sind anspruchsvoll [3], aber für den (englischsprachigen) Laien geschrieben. Es werden Beispiele für Makroevolution anhand von Fossilien beleuchtet und die genetischen Implikationen (die Darwin nicht bekannt sein konnten und darum als nachträgliche Bestätigung seiner Theorien umso beeindruckender waren) erläutert. In der Auseinandersetzung mit dem Kreationismus gibt es dann weitere Kapitel über das Alter der Erde oder Flutgeologie - wer Adam und Eva für real hält, hat auch wenig Probleme mit Noah und seiner Arche; steht ja schließlich alles ernsthaft in der Bibel. Für unsere Frage nach ID und Wissenschaft mehr von Bedeutung ist dann schon eher der mit der Seite verwandte Gruppen-Blog The Panda’s Thumb, der sich ebenso mit dieser Kontroverse auf eher tagesaktueller Basis beschäftigt; und die Schwesterseite TalkDesign, die sich in Blogform mit den Behauptungen der Hauptvertreter der ID-Bewegung auseinandersetzt.

Das ist viel zu lesen und viel, worüber es sich nachzudenken lohnt. Es zeigt auch, wie gut Evolution belegt ist und wieviel Arbeit mit ungewissem Ausgang man investieren müsste, tatsächlich das Werk eines eingreifenden Gottes in der Natur zu finden - eines Gottes, der ansonsten aber alles tut, um uns eine natürliche, ungesteuerte Evolution vorzutäuschen.

Was bliebt ist immer noch der Rückzug auf eine philosophische Alternative, eine, die außerhalb der wissenschaftlichen Untersuchbarkeit angesiedelt ist - die sollte man dann aber nicht Intelligentes Design nennen, will man nicht den amerikanischen Pseudowissenschaftlern mit ihrer fehlerhaften Mathematik, ihren widerlegten Vorwürfen, ihren absurden Verschwörungstheorien gegen die Wissenschaft und ihrem unwürdigen Gottesbild das Wort reden. Auch Theisten müssen erkennen, dass nicht jeder, der sich gleichermaßen auf Gott beruft, ein Freund des eigenen Glaubens ist - ansonsten stellt man taktische Überlegungen über die eigene Redlichkeit. Und um das widerlich zu finden, muss man nun wirklich nicht die Zehn Gebote heranziehen.

[1] Die Mischung aus ernsthaft wissenschaftlichem Anschein und absoluter Selbstsicherheit über die eigenen Ergebnisse ist dabei zwar überzeugend, aber so neu auch nicht: Man möge sich nur an Erich von Däniken erinnern, der mit ähnlichen Methoden eine Menge Bücher verkauft hat. Die Argumentationen des ID sind komplexer und für den Laien schwerer einzuschätzen (insbesondere wenn der religiöse Wunsch hinzukommt, das möge doch bitte wahr sein) - das Modell ist das Gleiche.

[2] Dass Intelligent Design kein Selbstzweck ist und auch nicht getrieben von der heiligen Ehrfurcht, Gottes Schöpfung besser verstehen zu wollen, ist durch interne Strategiepapiere des Discovery Institute belegt, dem so genannten Wedge-Dokument. Die, welche es betrifft, mögen sich selbst befragen, ob diese Ziele auch die ihren sind und ob man diese Ziele am besten durch Lügen und Falschdarstellungen erreicht. Da gab es ja auch mal eine Art Gebot drüber…

[3] Ja, Wissenschaft ist anspruchsvoll. Bisher hat noch niemand einen Weg gefunden, schwierige Wahrheiten einerseits schnell verständlich zu beschreiben, andererseits jemandem, der per se vom Gegenteil überzeugt sein will, damit keine Angriffsfläche für Gegenargumente zu liefern. Die meisten Einwände gegen wissenschaftliche Theorien beruhen auf Unverständnis, oft genug dadurch genährt, dass irgendwer einen runterverblödeten wissenschafts-journalistischen Text gelesen hat und nun meint, die Schwachstellen der Theorie eben darin finden zu können. Tut mir leid, aber entweder ihr glaubt der runterverblödeten Version, weil ihr darauf vertraut, dass dahinter eine Menge Arbeit von Leuten steckt, die sich näher damit auseinandergesetzt haben - oder ihr müsst euch halt selbst ein bisschen mehr Arbeit machen. Im Zweifelsfall ist es eher der Journalist/Blogger, der Unsinn verzapft hat.

10 Responses to “Wissenschaftliche Antworten auf die Fragen, die Intelligent Design zu stellen vorgibt”

  1. Tja, die lieben Kreationisten. Das Problem ist, dass durch solche völlig überzogenen pseudo-theologischen (weil ja auch Theologie richtig verstanden eine Wissenschaft ist und sich den entsprechenden wissenschaftlichen Spielregeln unterwirft) auch gute Ansätze diskreditiert werden. Wenn ich von “Schöpfungsverantwortung” rede und damit die Tatsache meine, dass nach christlicher Vorstellung sowohl der Mensch als auch die ihm umgebende Schöpfung von Gott geschaffen wurde (es sich z.B. bei Tieren also um Mitgeschöpfe handelt) und der Mensch von Gott Verantwortung für die Schöpfung übertragen bekommen hat (wohlgemerkt keinen Herrschaftsauftrag!), dann werde ich nicht selten gleich in eine Schublade mit Intelligent Design - Vertretern gesteckt. Die Differenzierungen sind dann nicht immer einfach zu vermitteln.
    Und ja - ich halte das von Kreationisten vertretene Gottesbild gerade als überzeugter Christ nicht nur für unwürdig sondern auch für unredlich und christlichen Vorstellungen eigentlich sogar widersprechend.

  2. Na ja, zumindest der moderne Katholizismus hatte ja auch immer schon ein eher abgeklärtes Verhältnis zu wörtlicher Bibelauslegung. Wenn Du natürlich den Begriff Schöpfung vor allem als Metapher verwendest, damit dann aber implizit Deine konkrete (Nachhaltigkeits-)Ethik begründest, kann das schon missverstanden werden. Aus der Sprachverwirrung heraus ist es dann nur logisch, dass Du Dich theologisch rechtfertigen musst, um verstanden zu werden :-)

    ps. Wenn Du in Deinem Profil Deine Blog-Adresse angibst, kann man Dein Blog einfacher von Deinen Kommentaren finden. Du bist doch der “blogmal”-Sebastian Zink, oder?

  3. Danke für den Hinweis mit der Blogadresse - hab ich heute schon versucht zu beheben (werde jetzt gleich feststellen, ob erfolgreich :-) ).

    Tja, in Bezug auf die Sprachverwirrung hast du natürlich recht: Hier muss man wohl stärker zwischen dem Sprechen innerhalb des Kontextes einer Glaubensgemeinschaft (hier Christentum) und dem nach außen (innerhalb einer pluralen Gesellschaft) unterscheiden. Eine systeminterne Logik ist für all diejenigen nicht nachvollziehbar, die die (Letzt-)Begründung der entsprechenden Logik nicht teilen können - was als Konsequenz dann nur heißen kann, dass im Dialog mit anderen gesellschaftlichen Gruppierungen nach einer anderen gemeinsamen argumentativen Basis gesucht werden muss. Von daher würde ich bei der Grundlegung einer (Nachhaltigkeits-)Ethik nie allein auf ein metaphorisches Verständnis der biblischen Schöpfungserzählung rekurieren. Schwierigkeiten habe ich nur dann, wenn ich mich innerhalb meines Systems zu bewegen glaube und eine entsprechende Logik dann von Christen in Frage gestellt wird. Aber vermutlich wird hier nur deutlich, dass die Unsicherheit (auch die über die eigene Identität) ein Kennzeichen unserer Zeit ist - Thesen, wie diese der Kreationisten tragen in diesem Bereich aber eindeutig zu einer Unsicherheitssteigerung bei.

  4. Da ich ja Ihrer Auffassung von beschränkter Wissenschaft in Fragen der angeblichen Unwissenschaftlichkeit der Philosophie nicht zustimmen kann, möchte Ihnen auch gerne bei dieser Gelegenheit mitteilen, daß ich Ihre skeptische Haltung gegenüber ID teile und auch die Art und Weise, wie Sie mit diesen Fragen umgehen, als angemessen betrachte. Auch Ihre Diskussion mit Hansens vermeintlichen Gottesbeweis, insbesondere zu Hansens Aufsatz »Wie genau ist Gott beweisbar« hat mir gezeigt, daß Sie doch nicht ganz so einseitig vorgehen, wie ich bislang gedacht habe. Auch ich bezweifle, daß Hansens Argumentation mit der Cusanischen Koinzidenz das leisten kann, was er glaubt, und vor allem gebe ich Ihnen darin recht, daß, selbst wenn, keinesfalls damit auch nur irgendein Gottesbegriff damit erreicht ist. Bestenfalls wird damit gezeigt, daß es doch nicht-relativistische Momente in der Physik gibt (vgl. Minkovski 1908, der meinte, daß man wegen der Lichtgeschwindigkeitsgrenze ebenso Absolutitätstheorie zur Relativitätstheorie sagen könne).

    MfG

  5. Danke für die Zustimmung. Auf Ihre längeren Kommentare zu dem anderen Artikel werde ich auch noch zurückkommen. Aber insgesamt denke ich, dass unsere Differenzen hauptsächlich auf unterschiedlichem Sprachgebrauch beruhen. Ich kann dabei wohl nachvollziehen, dass mein etwas eingeschränkter Wissenschaftsbegriff Ihnen wie Philosophiefeindlichkeit vorkommen muss; nur ist das keineswegs so gemeint. Aber das werde ich an entsprechender Stelle noch ausführlicher darstellen.

    Beste Grüße aus Berlin.

  6. Hallo,

    Das Problem der Evolutionstheorie ist ihr Anspruch, die alleinig Wahrheit über die Entstehung und Entwicklung von Leben auf unseren Planeten zu besitzen.
    Die präbiotische Chemie untersucht den Übergang von anorganischem Material zu funktionsfähigen Zellstrukturen durch Simulation von präbiotischen Umweltbedingungen im Labor, der Anfang der Biologie beginnt bei der Untersuchung bereits vorhandener komplexer Organismen.
    Im Jahre 1953 konstruierte Miller seine bekannte Apparatur, deren Ergebnis folgendermaßen aussah: Teer 85%, Carbonsaüren 13%, Glycin 1,05%, Alanin 0,85% sowie Spuren von Leucin, Serin, Prolin und Valin. Millers Versuch ist vielfach kopiert worden, doch konnten in den einzelnen Versuchsansätzen von den 20 nötigen Aminosäuren nur maximal 13 synthetisiert werden, womit nun überhaupt nicht bewiesen werden konnte.In späteren Versuchen bewies ebenfalls Miller, dass in einem redox-neutralen oder nur leicht reduzierten Gasgemisch so gut wie keine Aminosäuren nachgewiesen werden konnten.
    Untersuchungen von Dose (1974:74) sowie weiterer namhafter Wissenschaftler wie Rauchfuß, Abelson, Crick, Cairns-Smith, erbrachten den Nachweis, dass die mittlere Konzentration an freien Aminosäuren im Urozean nicht viel höher als heute gewesen ist. Die vermutete stark reduzierende Uratmosphäre hat es nie gegeben, sie bestand im wesentlichen aus Stickstoff, Kohlendioxid und Wasser.
    Einige Anmerkungen bekannter Wissenschaftler zur Ursuppentheorie:
    Michael Denten: Eine Zelle per Zufall zu erhalten, würde voraussetzen, dass sich mindestens einhundert funktionsfähige Proteine gleichzeitig an einen Ort einfinden. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass auch nur eines dieser funktionsfähigen Proteine erscheint, liegt wohl nicht über 10 hoch -20 ; die Wahrscheinlichkeit für das Erscheinen von einhundert funktionsfähigen Proteinen gleichzeitig an einem bestimmten Ort beträgt also 10 hoch -2000 .
    Vollmert: Das Medium (gemeint ist das Urmeer) enthielt einen großen Überschuss an kettenabbrechenden Molekülen und die Kettenmoleküle waren dem Angriff von Wasser bzw. einer wässrigen Ammoniumformiatlösung schutzlos ausgeliefert.
    Sein Fazit: Dass in einem sich selbst überlassenen wässrigen Medium nach Art einer Ursuppe langkettige Makromoleküle wie DNA und Proteine nicht spontan (von selbst) entstehen.
    Ein weiteres Problem: Bei der weiteren Kettenverlängerung wird Energie benötigt, die nicht innerhalb des Systems vorhanden ist, wodurch eine Kopplung an eine zuverlässige Energiequelle unabdingbar wird, weil das chemische Gleichgewicht auf der monomeren Seite liegt,so dass die thermodynamischen Reaktionen irreversibel nur in einer Richtung und zwar der einer Polymerhydrolyse verlaufen. Fazit: Keine lebenden Zellen ohne eine äußere Zufuhr von Energie!

    Prof. Eigen (2007): Das Universum sei nicht alt genug für die Darstellung von lebenden Makromolekülen, er berechnet 10 hoch 130 Möglichkeiten für das Aneinanderreihen von 100 Aminosäuren, sein Fazit: Leben konnte nicht durch Zufall entstehen.

    Mit einem Auszug aus meiner Webseite möchte ich die Ursuppentheorie beenden und die RNA-Welt behandeln.

    Die Bereitstellung von optisch aktiver D-(+)-Ribosebausteine ist aufgrund fehlender Selektion in einem präbiotischem Modell unmöglich, weil bei der chemischen Synthese stets Racemate, also Gemische von spiegelbildlich gebauten Molekülen im Verhältnis 1:1 entstehen. Gemische führen aber unweigerlich zu Kettenabbrüchen, weil die Konformere wahllos, das heißt, auch in die verkehrte Richtung, eingebaut werden, Leben hängt aber davon ab, dass aus den beiden Formen nur die linkshändig gebauten Moleküle verwendet werden.

    Um eine RNA-Welt als Vorstufe der Entwicklung von Leben zu postulieren, muss der Ablauf der Synthese der dazu benötigten Bausteine (Pentosezucker, Phosphorsäure sowie der Basen) unter präbiotischen Bedingungen konkret definiert werden. Diese Hypothesen gipfeln letztendlich in der Feststellung, sie waren einfach vorhanden.
    Mit jeden weiteren Schritt, den wir unter angenommenen präbiotischen Bedingungen nachvollziehen, wachsen die Probleme exponentiell an. Nach der Bereitstellung der Bausteine erfolgt deren Zusammenbau zu Polynukleotiden. Dazu ist die Herstellung einer Vorrichtung nötig, die unser System befähigt, die Selbstorganisation in Gang zu setzen und die korrekte Anordnung der Bausteine sowie ihren razematfreien Einbau zu ermöglichen.
    Ein weiteres Prolem,was gern unterschlagen wird,besteht darin, dass der Zusammenbau von Nukleinsäurebasen, Phosphor und Ribosezucker zu Polynukleotiden in präbiotischen Systemen weit außerhalb des chemischen Gleichgewichts stattfinden muß.
    Ich erinnere an den 2. Hauptsatz der Thermodynamik, in dem es heißt, dass alle ungesteuerten, richtungsgebundenen Prozesse in einem außerhalb des chemischen Gleichgewichts befindlichen Systems schnellstmöglich den Zustand der größten Unordnung anstreben.
    Ohne den erneuten Einsatz eines Regelmechanismusses besteht hier ein nicht auflösbarer Widerspruch.
    Noch grotesker wird die weitere Vorstellung der Evolutionsbiologen mit der Annahme, dass in einer weiteren Entwicklungsstufe aus der RNA die DNA hervorgegangen ist. Unsere sich selbst replizierende RNA müsste nach den Vorstellungen der Evolutionsbiologen die DNA sowie den genetischen Code aus sich selbst heraus synthetisieren.Wenn man dieser Annahme zustimmt, was die meisten sicher tun, dann dürfen sie ebenfalls der nun folgende Annahme ihre Zustimmung nicht verweigern, dass ihr Computer sich sein Betriebssystem selbst erschaffen hat.
    Der Satz von Louis Pasteur, Leben kommt nur aus Leben, ist nicht widerlegbar.

    H.W. Spice

  7. Das Problem der Evolutionstheorie ist ihr Anspruch, die alleinig Wahrheit über die Entstehung und Entwicklung von Leben auf unseren Planeten zu besitzen.

    Es ist meistens kein gutes Zeichen, gleich im ersten Absatz zu beweisen, dass einem wissenschaftliche Begrifflichkeiten egal sind. Evolution beschäftigt sich genau so wenig mit der Entstehung von Leben wie mit dem Urknall. Und die “alleinige Wahrheit”… Ach komm, ein bisschen ne andere Wahrheit geht immer, wenn man fest dran glaubt.

    Im Weiteren liest sich der Kommentar recht belesen, aber sachfremd. Wer heute noch damit argumentiert, dass eine Zelle zufällig entstanden sein soll, hat von Biologie keine Ahnung, da kann er noch so große Zahlen in den Exponent schreiben: das Resultat hat keine Entsprechung in der tatsächlichen Welt. Die Blindheit, ein vollkommen unzutreffendes Argument als solches zu erkennen, oder die Unredlichkeit, es trotzdem(!) zu verwenden, gründet wohl in dem verzweifelten Wunsch irgendwas zu Glauben zu haben. Schade.

    Fast schon beleidigend ist das Ganze als Erwiderung auf einen Beitrag, in dem ich ausdrücklich auf wissenschaftliche Antworten auf solch pseudowissenschaftlichen Dreck eingehe. Aber es soll sowieso wohl eher eine Predigt sein als eine Auseinandersetzung mit dem, was ich geschrieben habe. Für der Sachdiskussion nicht ganz so abgeneigte Leser, die vielleicht mangels Erfahrung Schwierigkeiten mit dem inhaltsleeren Wissenschaftsjargon gerade hatten, hier der direkte Link zur Abiogenesis-Abteilung von TalkOrigins, der mit zwei Klicks oben auch erreichbar gewesen wäre. Wenn man denn wissen und nicht nur glauben wollte.

    Aber, Mr. Spice, das betrifft Dich nicht unbedingt. Du möchtest zuhause sitzen und Dir vorstellen, dass auf ehemals wüster Erde die Hand des Schöpfers heruntergefahren ist und, puff, puff, Atom um Atom Molkeülketten zusammengesetzt hat? Bitte sehr, mach das. Ich muss das nicht ernst nehmen; ich finde das Weltbild inzwischen so abstoßend naiv und verdummend, dass ich Dir das lassen kann.
    Aber bevor Du hier noch mal Quatsch verbreiten willst, empfehle ich Dir, Dich etwas weiter zu bilden. Vielleicht lernst Du irgendwann mal den Unterschied zwischen einer wissenschaftlichen und einer nur wissenschaftlich klingenden Argumentation. Für die ist aber leider wirkliches Interesse an den wahren Begebenheiten nötig, und schon da scheiterst Du, weil Du meinst, schon Antworten zu besitzen, die Du nur noch beweisen müsstest.

    H.-E. Kamenin

  8. [...] 10:12:28 nachmittags on Februar 22, 2008 | # | Tags: Darwin, Evolution, Wie meinen? Mit einem Auszug aus meiner Webseite möchte ich die Ursuppentheorie beenden und die RNA-Welt behandeln.o [...]

  9. @spice

    habs nur mal überflogen, glaube, ich weiß, worum es Dir geht. Finde Kamenins Antwort doch etwas polemisch, ohne, dass sie irgendwelche Antworten geben würde.
    Schau mal auch hier rein:
    http://theolounge.wordpress.com/2008/02/07/wie-haltst-dus-mit-der-evolution-spaermann-et-al/

  10. Th.
    Wenn Du’s mal vor dem Kommentieren mehr als nur überflogen hättest, hättest Du vielleicht bemerkt, dass derjenige klare Argumente bringt, die direkt durch meinen zweimal hier gesetzten Link beantwortet werden, aber bestimmt nicht durch Spaemann. Du musst das nicht zur Kenntnis nehmen, aber bitte. Das da oben ist nichts als von seiner Webseite kopiertes Machwerk, das ich eigentlich als Spam hätte löschen sollen, weil es a) auf den Beitrag nicht nur nicht eingeht, sondern den b) auch bewusst ignoriert.

    Jemanden, der sich so in kreationistische Literatur eingelebt hat, wird man weder mit meinen noch mit Deinen Argumenten erreichen können, zumal er keinerlei Zeichen von Diskussionsbereitschaft gezeigt hat, sondern nur seine Beherrschung von strg-c-strg-v. Du unterschätzt mal wieder Fanatismus und Dummheit des Glaubens.

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