Der U-Bahn-Rattenschwanz des Berlin-Marathons
Sonntags zur Arbeit ins Institut zu fahren ist ja eher schon… leicht fragwürdiges Verhalten. Auch wenn man dann erstaunlicherweise doch wieder mehr Leute trifft, als man hätte annehmen können. Heute war dann zudem noch Berlin-Marathon. Normalerweise verpasse ich aufgrund des frühen Starts den fast komplett, bis ich mich dann doch, durch die über mir kreisenden Hubschrauber aufmerksam gemacht, auf den Balkon bequeme und mir bei einer Tasse Kaffee die noch bei Kilometer 30 durchtrudelnden Läufer anguck. Je später ich das schaff, umso größer und langsamer sind die Gruppen, während im Fernseher bereits der Sieger seinen Weltrekord feiert oder halt auch schon nicht mehr. Aber bitte. Da an mir die Laufwelle absolut vorbeigegangen ist, bin ich keines Kommentars berechtigt.
Heute war’s aber das erste Mal, dass ich in der U-Bahn die Heerscharen mit- und hinterherreisenden Anhangs begucken konnte, die in Großgruppen und Freundeskreisen ihre Läufer an möglichst vielen Streckenpunkten anfeuern wollen. Da sind dann die Frauen, die ihre das noch nicht alles begreifenden Kinder herumtragen oder hinter sich herschleppen; Freundinnen, die halbe Bananenstauden mit sich herumzutragen scheinen, um als mobiler Verpflegungspunkt ihren Dienst zu erfüllen; Gruppen, die sich die letzten internationalen Erfahrungen um die Köppe hauen (’Beim letzten Mal in Boston…’); und zwischen den Fahrrädern und Kinderwagen, die sowieso immer die U-Bahn-Gänge verstopfen zwängen die sich alle mit ihren selbstgebauten Pappschildern und Anfeuerungszeichen, Streckenkarte mit U-Bahn-Plan vor dem Gesicht, und über allem dann die entscheidende Fragen: “Hoffentlich kommen wir nicht zu spät” und “wie kommen wir von da am besten weiter zur nächsten Station”. Worauf die Antworten natürlich sind: nein, auch dieses Mal wird ihr Schatz nicht in der Führungsgruppe sein und darum werden sie auch nicht zu spät kommen, bzw.: gleicher Weg zurück.
In dem Gedränge meinte dann eine, umgeben von mehreren Freundinnnen und ihre zwei kleinen etwa 4-jährigen Töchterchen am Arm, von denen eine immer wieder meinte, dass es auf meinen Fuß bequemer stände als anderswo: “Sie stehen hier gefährlich.” Nein, Madame, gefährlich in der Berliner U-Bahn geht wirklich anders.
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