Der Prozess theologisch-religiöser Wahrheitsfindung
Organisierte Religion, die was auf sich hält und tatsächlich Wahrheit zu beschreiben meint, sieht sich intern immer wieder mit den exotischsten Fragen konfrontiert [1]. Das Verwunderliche ist, dass selbst vernünftige und aufgeklärt wirkenden Religionsanhänger, die ansonsten zumindest eine Ahnung zu haben scheinen von der Begrenztheit ihres Wissen und der Unbeweisbarkeit ihres Gottesbegriffes, den sie zu allem Überfluss auch noch gerne metaphorisch verstanden haben wollen, so es ihnen in den Kram passt: dass eben diese über solche Fragen ins Argumentieren verfallen, Quellen bemühen, Abwägungen fällen. Und all das mit dem wahrlich wundersamen Ergebnis, dass diese bei klarem Menschenverstand sinnlosen oder zumindest unbeantwortbaren Fragen durch die herrschende Theologie korrekt beantwortet werden. Das mag bei Nachwuchstheologen nicht weiter verwundern, werden die doch daraufhin ausgebildet - aber auch Nachwuchstheologen sind im Allgemeinen ja intelligente Menschen, denen irgendwann mal aufgehen sollte, wie wenig sie eigentlich wissen. Und wie wenig die Antworten wert sind, die kirchengeschichtlich erlangt worden sind. Nehmen wir zum Beispiel die herrschenden Dogmen zur Natur und Persönlichkeit Jesu.
Im frühen 5. Jahrhundert, also gut 400 Jahre nach dem vermutlichen Tod Jesu, stellte sich in der Kirche die Frage nach dem Verhältnis zwischen der menschlichen Natur Jesu und seiner Göttlichkeit [2]. Dabei vertraten die einen die Ansicht, Jesu bestünde aus zwei Persönlichkeiten, einer göttlichen und einer menschlichen, weswegen Maria auch nur die Mutter des menschlichen Jesu sei und darum nicht als Gottesmutter verehrt werden sollte; eine Ansicht, die man nach ihrem Begründer Nestorius, Patriarch von Konstantinopel, auch Nestorianimus nennt. Die Gegenposition wurde vom Heiligen Kyrillos vertreten, Patriarch von Alexandrien, der seine Heiligkeit bis dahin schon durch das Entfesseln antisemitischer Progrome und seine (vermutliche) Verstrickung in die barbarische Ermordung der Mathematikerin und Philosophin Hypathia unter Beweis gestellt hatte. Die Meinung der Bischöfe war geteilt; die östlichen hielten in der Mehrheit zu Nestor, die westlichen zu Kyrillos. Um die strittige Frage zu klären, wurde 1431 ein Konzil nach Ephesus einberufen. Dazu Bertrand Russell:
Die westlichen Bischöfe trafen zuerst ein und begannen, die Türen vor den Späterkommenden zu verriegeln, um in höchster Eile für Kyrillos zu stimmen, der den Vorsitz führte.
Russell zitiert Gibbon:
„Dieser bischöfliche Tumult hat sich dann in der Vorstellung der Menschen nach dreizehn Jahrhunderten in das ehrwürdige dritte ökumenische Konzil verwandelt.” [3]
Damit war Nestorianismus Ketzerei und wurde als solche verfolgt. Die Geschichte ist aber nicht vorbei. Nur 18 Jahre später beschloss eine Synode in Ephesus (unter Anwesenheit von Bewaffneten, was der einheitlichen theologischen Wahrheitsfindung zuträglich war), dass Jesu demnach nur eine Natur habe, eine göttlich-menschliche also. Dies fand zwar die Unterstützung des Kaisers, nicht aber die des Papstes, der ein ökumenisches Konzil nach Chalcedon ein. Dazu Russell:
Das Konzil von Ephesus war zu der Entscheidung gekommen, es gäbe nur eine Person Christi, in Chalcedon hingegen wurde festgelegt, dass er in zwei Naturen existiere, einer göttlichen und einer menschlichen. Der Einfluss des Papstes war bei dieser Entscheidung ausschlaggebend.
Damit war auch die Monophysiten Ketzer wie die Nestorianer. Gerade das noch durch den inzwischen toten Kyrillos geprägte Ägypten verfiel fast ganz dem Monophysitismus und vermutlich rettete nur sein früher Tod Kyrillos, vermutlich selbst Monophysit, nicht zu dem Zeitpunkt ebenfalls zum Ketzer zu werden. Stattdessen wurde er heilig gesprochen. Beide Ketzereien überlebten in verschiedenen Punkten der Welt auch noch bis in die Neuzeit.
Eine beliebte Ausrede rechtgläubiger Christen ist, dass Gott es wohl nicht zugelassen hätte, die christliche Botschaft zu verfälschen. So wie Gott auch sichergestellt hat, dass die Botschaft der Bibel trotz Übertragungs- und Übersetzungsfehler immer die gleiche, nämlich wahre geblieben sei [4]. An dieser Stelle müsste man sich dann wohl zuerst den Heiligen Kyrillos als vom Heiligen Geist beseelt vorstellen und später den die fast gegenteilige Meinung vertretenden Papst Leo. Gottes Wege, zu denen offenbar auch Bischofs-Slapstick und Machtpolitik gehören, sind manchmal unergründlich. Ob man etwas so unergründliches an staatlichen Universitäten unterrichten sollte, mag jeder für sich selbst entscheiden.
Im Übrigen sollte man all dies im Hinterkopf behalten, wenn man mal wieder jemanden vermeintlich tiefsinnig behaupten hört, die Wissenschaft könne die grundsätzlichen Fragen gar nicht beantworten, die ständen nur der Religion offen. Die Antworten, die man vortäuscht geben zu können, könnten unter Umständen auf die oben beschriebene Art gefunden worden sein.
[1] Eine Verlinkung erfolgt hier mal nicht. Der werte Leser möge gerne und nur als Beispiel folgende Google-Anfragen für sich selbst auswerten:
Maria Aufnahme Himmel theologisch
[2] Im Folgenden berufe und zitiere ich hauptsächlich: Bertrand Russell, Philosophie des Abendlandes: Ihr Zusammenhang mit der politischen und sozialen Entwicklung; London 1945 (deutsch von Elisabeth Fischer-Wernecke, Ruth Gillischewski und Rudolf Kaspar) Das Buch verdient eine eigene Besprechung an späterer Stelle. Hier sei es allen Interessierten nur allgemein empfohlen. Es ist ohne Ausnahme dem unsäglichen Sophies Welt vorzuziehen; es ist sowohl klarer, witziger als auch intelligenter als der norwegische Erbauungs-Verdummungs-Murks mit langweiliger Pseudo-Roman-Handlung. Oder um es anders zu sagen: wer einen voll ausgereiften, trockenen Rotwein zu schätzen weiß, greife zu Russell; Leute, die Bit Copa für eine Klasse Idee halten, sind vermutlich geistig und moralisch bereits so korrumpiert, dass sie auch an Sophies Welt Gefallen finden werden.
[3] Edward Gibbon, The Decline and Fall of the Roman Empire (Geschichte des Verfalls und Untergangs des römischen Reiches). Zitiert nach Russell.
[4] Der protestantische Fundamentalismus beruft sich dabei bevorzugt auf die Bibel. Die vorherrschende katholische Position ist, dass die Offenbarung christlicher Wahrheit primär nicht in der Bibel, sondern im Wirken und Ergründen der Kirche und damit im kirchlichen Dogma auszumachen ist. Beide Positionen soll ernstnehmen, wem danach verlangt. Beide Konzile und deren Ergebnisse werden sowohl von katholischer, orthodoxer wie auch lutherischer Seite anerkannt.
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Es wird ja schon von Pilatus berichtet, dass er die Frage gestellt hat “Was ist Wahrheit?”.
Und Jesus hat ihm keine Antwort gegeben………..
meint
Christoph
http://erstersein.wordpress.com
Ephesus (Person als der Erfahrung nach erste Natur des Menschen: eine Natur, nicht besessen von einem göttlichen Wesen) wird in Chalcedon dahingehend präzisiert, daß es sich dabei aber nicht um eine Vermischung der göttlichen und menschlichen Natur in der Person Jesu als erste Natur handeln könne. Das wäre vor dem Hintegrund der aristotelischen Vorstellung der Mixtis in den Objekten aus verschiedenen chemischen Stoffen eine vernünftige Entscheidung im diskutierten Fragekreis gewesen.
Die Ausrede angeblich rechtgläubiger Christen will ich auch nicht gelten lassen. Die Art und Weise des historischen Zustandekommens wie die gleich vierfache Gestalt der kanonisierten Evangelien müßten hingegen wohl auch im gläubigen Umgang mit der Botschaft Hermeneutik und Auslegung, insofern eine gewisse Bereitschaft zur Textkritik, unbedingt nahelegen. Außerdem hat Gott die Einheit der christlichen Botschaft eben nicht garantiert, ansonsten die Ökumene nicht so eine große Bedeutung gewonnen hätte.
Glauben Sie aber jetzt nicht, ich wollte die Theoriefähigkeit als »Seelenvermögen« des Menschen aus der Diskussion des Menschenbildes (Naturwesen oder Kulturwesen) mit Theologie begründen!
Christoph, der Du willst “erstersein”, was Du da von Dir gibst ist unwahr, denn Christus hat dem Pilatus schon vorher geantwortet auf seine Fragen.
Lese die Aussagen und deute die Zusammenhänge Recht, und dichte Christus nicht etwas zu, was nicht stimmt.
Ich antworte Dir und allen den lieben Freunden, nach meiner 45-ig jährigen Leben-Jesu -Forschung in der freiwilligen Diaspora
Was ist Wahrheit?
Einst stellte Pilatus, Vertreter des römischen Staates und Besatzungsmacht in Israel und Jerusalem, der Christus verhörte dieselbe Frage:
Was ist Wahrheit?
Römische Staatskunst, freilich, wusste mit Wahrheit, Wahrhaftigkeit so wenig anzufangen wie die Staats -kunst aller Zeiten und Generationen.
Nachdem Pilatus auf seine Frage an Christus:
“So bist du dennoch ein König?
Die Antwort Christi empfangen hat: “Du sagst es,
ICH bin ein König.
“Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, Dass ich für die Wahrheit zeugen soll.
Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme”.
Jetzt spricht Pilatus zu Christus:Was ist Wahrheit und geht hinaus…
Die Römische Staatskunst freilich, wusste mit Wahrheit, Wahrhaftigkeit so wenig anzufangen wie die Staatskunst aller Zeiten, Epochen und Generationen.
Indem der römische Richter sich die Hände wusch, suchte er die Verantwortung für seinen Richterspruch abzuwälzen auf die Ankläger - hätten je religiöse An-Kläger auf Freispruch bei Jesus Christus plädiert?
Weder damals noch heute, können wir das erwarten.
Bei allem Geschehen, dass die Zeit sprengen würde, die uns hier im Internet zur Verfügung steht, graut es uns vor der Gebärde des Pilatus,doch noch mehr der damaligen”frommen” Sünder und Heuchler wie Christus sie nannte, und wissen durch die Geschichte zu berichten, dass der gleiche Richter Pilatus, sich wenige Jahre später im Bade die Pulsader öffnete vor der kaiserlichen Ungnade, wegen eines anderen von ihm gefällten Fehlurteil.
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Auf der Erde regiert und herrscht der Geist der Welt, der vom Widersacher Gottes und Fürsten dieser Welt ausgeht, welcher ist der “Geist des Fürsten dieser Welt”, der Geist der Lüge und des Irrtums.
Wäre es nicht so, dann brauchten wir keine Wissenschaft, die da forscht nach der Wahrheit aller Dinge und ihre Kräfte und Abläufe.
DIe einzige Wahrheit unter dem Himmel ist gebunden, an den Geist der Wahrheit, der von Gott kommt und dem gegeben wird, der Gott und dem Heiligen Geist gehorsam wird, ist und bleibt sagt Petrus auch nachdem er die Geistestaufe erfahren hat, welche ist die Geistgeburt für Gott.
Allein die Geistgeburt macht uns zu Inhaber und Träger, von dem göttlichen Geist der Wahrheit.
Wer darum durch Christus erlöst, gerecht, geheiligt und mit Weisheit Gottes erfüllt sein will, um JETZT und in EWIGKEIT, in dem Reich Gottes und der Wahrheit zu leben, muss bereit sein, sich durch den Geist der Wahrheit in Verbindung mit dem wahren Wort Gottes, welches ist zusammen der Samen Gottes im Menschen, zeugen und gebären lassen für das geistige Reich Gottes.
Soweit für heute und wünsche Euch, das Heil durch Jesus Christus dem Wahrhaftigen und Lebendigen, der vor der Herzenstür aller Menschen steht und bittet , als der Weg die Wahrheit und das Leben, um Euer Herz und Gewissen in eurem erlösten Leib, zu einem Tempel des Heiligen Geistes zu erneuern durch den Geist der Wahrheit und der, mit Ihm erschienenen heilsamen Gnade Gottes. Autor Peter Semenczuk
@petersemenczuk
Bei dem Namen “erstersein” geht es um die Zifferngeschichte, in welcher das Spiel “Erster sein” eine wichtige Rolle spielt, weiters um Skizzen für ein Drehbuch mit dem Arbeitstitel “Erster sein”, beides auf meinem Blog http://erstersein.wordpress.com bzw. http://erstersein.wordpress.com/about verfügbar.
Aber natürlich möchte jeder “Erster sein”, das erkennt man zum Beispiel daran, dass jeder recht haben möchte……..
Im weiteren möchte ich die fruchtbare Diskussion auf diesem Blog nicht stören.
meint
Christoph