Zur Verleihung des Literatur-Nobelpreises an Doris Lessing
Man kann Doris Lessing natürlich einen Nobelpreis geben, und wenn man schon dabei ist, dann von mir aus auch den für Literatur. Vielleicht ist es auch mein patriarchal geprägter Androzentrismus, der die Autorin weitgehend an mir hat vorbeigehen lassen, und der bei der Frage des Literatur-Nobelpreises hauptsächlich an Männer denken lässt: gar nicht mal so sehr an Updike und Roth, die dank der Vorlieben Marcel Reich-Ranickis durch alle Nachrichtenkanäle geistern. Meiner Meinung nach sollte der Nobelpreis an Louis Begley gehen und zwar möglichst schnell, da posthume Verleihungen nicht mehr vorgesehen sind und das inzwischen schon knapp werden könnte. Das wäre dann keine Verleihung für ein etwas schwammig definiertes, unbestimmtes Lebenswerk, was wohl doch nur heißt, dass man kein Einzelwerk jemals der Auszeichnung für würdig befunden hat und die konstruktive Periode des jeweils Ausgezeichneten nun mit großer Sicherheit vorüber ist, sondern eben nur das: die Anerkennung einiger herausragender Romane in den letzten zwei Jahrzehnten.
Zum Glück muss ich mich hinsichtlich Doris Lessing nicht allein auf meine nicht vorhandene, weil auf keiner Basis beruhenden Meinung berufen. Aus verlässlicher Quelle im direkten feminin-feministischen Umfeld kann ich immerhin die durchaus detailträchtige Rezension eines Titels beisteuern, nämlich von: Das fünfte Kind (The Fifth Child), erschienen 1988. Die hier nicht weiter genannt werden wollende Kritikerin hierzu: “Das war grauenhaft… Ich habe soo gelitten.” So schlecht sei das gewesen. Besondere Erwähnung fand der Umstand, das im Urlaub gelesen zu haben, was durchaus als Beeinträchtigung des ganzen Auslandsaufenthalts zu sehen sei. Zum manchmal vorgenommenen Vergleich mit der durchaus geschätzten Virginia Woolf: “absolut unhaltbar — durch nichts gerechtfertigt.” Dem Einvernehmen nach werden diese Urteile auch durch das direkte familiäre bildungsbürgerlich Umfeld der Rezensentin geteilt.
Persönlich maße ich mir kein Urteil an über eine Autorin, die ich nicht gelesen habe und die zu lesen mich im Moment auch nichts drängt. Verdienen kann man sich einen Literatur-Nobelpreis in dem Sinne eh nicht. Aber da Doris Lessing den Preis jetzt schon hat, könnte ja nächstes Jahr Louis Begley bedacht werden. Oder von mir aus auch John Updike, dessen Hasenherz-Roman (Rabbit, Run) allein schon preiswürdig ist.
Nachtrag, 05.12.2007: für diejenigen, die hierhin gekommen sind, um sich über Virginia Woolf und den Nobelpreis zu informieren: die Frau hat ihn nie gekriegt. Bitte sehr, ein kostenloser Service von Begrenzte Wissenschaft!
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Updike wird wohl zu denjenigen gehören, die den Nobelpreis nie bekommen werden. Begley ist sicher ein Kandidat, allerdings sind die Chancen für ihn im nächsten Jahr eher schlecht, da auch Frau Lessing eine englischsprachige Autorin ist und zweimal hintereinander einen Preis für einen Autor derselben Sprache ist unwahrscheinlich. Mein Tipp für 2008: Harry Mulisch.