Beschäftigungs-Therapie: Rassismus, Wissenschaften und ein Ingenieur-Einstellungs-Test
Nachdem vermutlich alle inzwischen den Asperger-Test bestanden haben, hier mal (via m.arschflugkörper) eine Reihe psychologischer Tests zum Thema versteckte Assoziationen und unbewusste Vorurteile. Der Implicit Associations Test (die Herren Psychologen deutschen das ein als: Impliziter Assoziations Test; nun ja, müsste man noch mal drüber nachdenken. Ist das nicht vielleicht doch eher ein Implizite-Assoziationen-Test?) untersucht Einstellungen und Vorurteilte über unbewusste präferierte Verknüpfungen zwischen zwei Kategorien: ob es einem zum Beispiel leichter fällt, weiße Hautfarbe mit positiven Aussagen und schwarze Hautfarbe mit negativen Aussagen zu verbinden als im umgekehrten Fall. Oder ob man Männer eher mit Naturwissenschaft in Zusammenhang bringt, Frauen dagegen eher mit Gesellschaftswissenschaften. Insgesamt gibt es fünf solcher Test auf der verlinkten Harvard-Webseite, nämlich zu Rasse, Geschlecht, Alter, Gewicht und Heimatland. Dabei geht es ganz bewusst um innere, vielleicht nicht mal bewusste Einstellungen — natürlich sind wir hier alle vorurteilsfrei und betonen das im Fall eines Zweifels auch gerne. Aber vielleicht ist unsere erste Reaktion auf andere Menschen halt doch nicht so unvoreingenommen, wie wir denken (oder zuzugeben bereit sind).
Ist also jemand ein Rassist, der in dem Test eine automatische Bevorzugung weißer Hautfarbe attestiert bekommt? Das ist natürlich Interpretationssache, aber ich würde schon einen Unterschied machen zwischen einer politischen Einstellung und nach außen vertretenen Haltung und einer negativen Assoziation, die ja hoffentlich noch durch ein bisschen Reflexion durchmuss, bevor sie zu einer Meinung oder gar Haltung wird. Am Ende kann man auch überlegen, woher man entsprechende Assoziationen vermittelt bekommt. Vielleicht geschieht die Verankerung negativer Assoziationen der Hautfarbe nach ja auch über die amerikanischen Krimiserien, die man guckt, oder die Boulevardzeitung, die man liest. Der Test kann somit, und ich gebrauche das Wort nicht gerne, sensibilisieren. Einige Diskussion darüber und über das Fehlen eines Nulltests (wenn es zum Beispiel für das Gehirn ökonomischer wäre, eindeutig sich beinhaltende Gruppen und damit eben sich selbst mit positiven Eigenschaften zu belegen) auch im Kommentarteil vom m.arschflugkörper.
Auch eindeutige Assoziationen finde ich manchmal nicht besorgniserregend. Zum Beispiel scheint der IAT über Geschlecht und Wissenschaft auf Vorurteile abzuzielen, die Frauen unterstellen, für Mathematik und Naturwissenschaften grundsätzlich wenig begabt zu sein und dafür eher sprachlich talentiert oder gesellschaftswissenschaftlich interessiert. So eine Denkensweise soll’s ja geben. Und tatsächlich habe ich bei dem Thema eindeutige Assoziationen. Das bei mir der Test dann keine Bevorzugung einer Kombination ergab, liegt daran, dass die Assoziationen nicht entlang dieser Linie Natur- und Gesellschaftswissenschaften verlaufen. Ich hatte im Studium halt mit beidem zu tun, und meine Assoziationen hängen dann schon eher davon ab, wem ich in den verschiedenen Fächern begegnet bin. Zum Beispiel assoziiere ich die Biologie, obwohl sie eine Naturwissenschaft ist, eindeutig weiblich. Wie kann man auch nicht, wenn das Fach heute überwiegend von Frauen studiert wird? Gerade als hormongeplagter Naturwissenschafts-Student in immer noch männlich dominierten Fächern stellt sich da schnell eine solche Grundannahme heraus, und keineswegs unbewusst, im Ergebnis eher noch stärker als in Philosophie oder Geschichte. Im Übrigen arbeite ich auch mit einer Menge Frauen in der Physik und Chemie, so dass mein Geschlechtsbild der Naturwissenschaften ein ganz anderes ist, als man es vielleicht noch aus der Ferne mit- bzw. von den Medien vermittelt bekommt.
Wer dem ganzen Psychogedöns nicht traut und lieber einen handfesten naturwissenschaftlichen Test für ganz echte Männer braucht [1], den verweise ich auf den Mechanical Aptitude Test der Diesel Technician Society (via Uncertain Principles). Testosteron- und motorenölhaltiger kommen solche Internet-Tests höchstens noch auf hier unverlinkbaren Erwachsenen-Seiten, die sowieso nicht Thema dieses Blogs sind. Es geht um Zahnräder, Hebelgesetze und Maschinen, insgesamt ein Abriss mechanisch-technischer Wissenschaften. Allerdings ist der Test in Englisch, und spätestens bei der letzten Frage hat mich dann auch meine Sprachkenntnis verlassen. Wer kennt schon die Unterscheidung zwischen einem crank shaft und einem sector shaft — die sprachliche, nicht die technische? Und wer sich nicht so genau merken kann, was leichter entflammbar ist, Diesel oder Benzin, der sei hier an den Spitznamen amerikanischer Tanks im Zweiten Weltkrieg erinnert, die im Gegensatz zu den Diesel-angetriebenen deutschen Panzern mit Benzin fuhren: Ronson.
Womit hier in einem Blogeintrag geschafft worden ist, den Bogen von Rassendiskriminierung über Sexismus zu Motoren und Weltkriegs-II-Trivia zu schlagen — kein Wunder, dass die auf meinen Blog führenden Suchanfragen sich manchmal etwas freakig-kurios lesen.
[1] Hat das Selbstbild des emanzipationsfreundlichen Wissenschaftlers tatsächlich einen halben Absatz überdauert… Aber, ja, auch Frauen können gute Ingenieure, Maschinenbauer und Mechaniker sein. Sie entscheiden sich allerdings nur zum allergeringsten Teil dazu, das auch zu wollen. Solange der Weg ins Ingenieursstudium also offenbar schwanzgesteuert verläuft, brauch ich auch nichts an meiner Anmoderation hier zu ändern. Auch wenn das natürlich hauptsächlich kulturell, nicht biologisch bedingt ist.
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* (die Herren Psychologen deutschen das ein als: Impliziter Assoziations Test; nun ja, müsste man noch mal drüber nachdenken. Ist das nicht vielleicht doch eher ein Implizite-Assoziationen-Test?)*
Klar.
Aber hast du mal die Titel der Exzellenzcluster und Graduiertenschulen bei der sogenannten Exzellenzinitiative angeguckt? Einige lesen sich, als hätte jemand einfach die deutsche Bezeichnung durch Babelfish gejagt.
Es ist doch immer wieder schön, das gute alte Gastvorlesungs-Theorem bestätigt zu sehen: Einige Leute sprechen Englisch, einige versuchen es immerhin…
P.S. Ich weiß nicht wo ich das genau gelesen hab, aber laut einer deutschen Zeitung wurde der Wirtschaftsnobelpreis ja auch für die “Mechanische Design-Theorie” (mechanism design theory) vergeben…
Kann peinlich werden, wenn man das später auf ‘echte’ Bewerbungen drucken will. Mein Sonderforschungsbereich hat Gott sei dank noch einen respekteinflößenden, ordentlich deutschen Titel bekommen.
[...] in der Teilchenphysik? Veröffentlicht in 21. April 2008 von kamenin Unterschiedliche Geschlechterwahrnehmung und unterschiedliche Ausgangspositionen für den wissenschaftlichen Berufsweg hatten wir hier schon [...]