‘N Moralischen zum Steiger-Lied: Schalker Folklore und Liedgut

Uh, es ist 15 Uhr am Samstag-Nachmittag, wir haben ein Heimspiel und ich bin nicht da. Und weil ein Abgabetermin immer bedrohlicher entgegenschreitet, kann ich nicht mal in meiner Schalke-Kneipe sitzen stehen und mir schon mal ein Bier auf das bevorstehende, vorauszusehende Unglück genehmigen: Huub Stevens verliert nicht so oft in der Arena, und wenn die Hamburger nicht den Ball selber in ihr Tor reintragen, weiß ich bei unseren momentanen Abschlussfähigkeiten nicht, wer das sonst für uns erledigen soll. Was ich weiß, ist, dass mich gleich trotz aller guten Vorsätze der Live-Ticker und, wenn’s schlimm kommt, die Radio-Reportage doch wieder sehr effektiv vom Arbeiten abhalten werden. Die Vorspannung tut ja jetzt schon das Ihrige. Womit das besonders sinnlos ist, hier rumzusitzen.

Na, alles super. Ein bisschen Stimmung gibt’s immerhin bei Youtube:

Das Steiger-Lied live in der Nordkurve. Man beachte die ruhrgebiets-typische Modernisierung und Einlokalisierung: “helles Licht” statt “Grubenlicht” und “Beerch-werk”. Das wird bei uns vor dem Mannschaftsauftritt gespielt. Alte Bergmannstradition bei den Knappen. Man singt, weil man danach in den Schacht fährt und darauf hofft, dass da nichts allzu schlimmes auf einen zukommt. Glück Auf also deshalb, weil man hofft, im Großen und Ganzen da gut wieder raus zu kommen. Ist also schon von daher ein elementarer Bestandteil des Schalker Liedguts (wird im Ruhrgebiet aber auch oft bei größeren Feiern wie runden Geburtstagen gesungen, jedenfalls bei der älteren Generation mit entsprechendem Hintergrund).

Der zweite Song, hier nicht ausgespielt, ist Status Quos Whatever You Want. Ich hab keine Ahnung, wieso ausgerechnet das gespielt wird, wenn die Mannschaft einläuft. Vermutlich wegen der Zeilen: “whatever you win… whatever you lose… “Also als Treuebekundung an den Verein. Oder um den Druck von der Mannschaft zu nehmen. Wer weiß.

Den Gesang am Anfang (”BVB — Hurensöhne!”) bitte ich zu entschuldigen. Das ist halt von dem letzten Ruhrgebietsderby im August. Das haben wir übrigens 4:1 gewonnen. Da kann man sich da schon mal reinsteigern. Es gibt natürlich noch weit mehr Dortmund-Beschimpfungen und Schlachtgesänge aus der Nordkurve (”Keine Punkte, keine Fahne, BVB”, “Ole-Ole, FC Schalke 04″, “Dortmund, wir hören nichts!”, natürlich “BVB — Hurensöhne”, “Attacke!” und, improvisiert, “Keine Fahne, keine Punkte, BVB”).

“Keine Fahne, keine Punkte, BVB” ist an die weit bekanntere Melodie “Und schon wieder keine Stimmung, BVB” angelehnt (selber eine Abwandlung des noch viel treffenderen und eigentlich immer gültigen “Und schon wieder keine Stimmung, FCB”) und lässt sich etymologisch zurückverfolgen auf dieses Ereignis:

 

Gelbe Wand in Schalker Hand

Aber eigentlich habe ich nichts gegen Dortmunder. Ich hab nur ne Wette laufen gegen einen Schwarz-Gelben (das sind im normalen Leben ja nette, meist umgängliche Leute), der mir vor der Saison vollmundig weismachen wollten, dass sie diese Saison aber garantiert besser als Schalke wären. Im Moment haben sie beim Sich-Peinlich-Blamieren aber noch die Nase vorn. Aber wir arbeiten scheinbar dran…

Und demnächst gibt vielleicht auch mal wieder was anderes hier als Ego-Emo-Posts.

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