Global Warming… Propaganda?

Bis zu welchem Punkt kann man in der Meinungsmache gehen, ohne selber zum Problem zu werden? Wo endet gerechtfertigte Besorgnis, wo beginnt Panikmache? Wie dramatisch muss man werden, um die Relevanz eines Problems zu beleuchten und überhaupt so etwas wie Öffentlichkeit zu generieren, und an welchem Punkt wird das Propaganda? Ist der Inhalt vielleicht sogar egal, solange man die öffentliche Meinung und damit den politische Willen in die richtige Richtung bewegt?

Klare Antworten hab ich auch nicht. Aber ein Video.

Auf seltsam retrospektive Weise… unterhaltsam. Und natürlich politisch korrekt. Aber im Hintergrund steht die Frage, ob das wirklich ist, was vom aufgeklärten demokratischen Diskurs übriggeblieben ist. Vielleicht ist er über das Stadium aber auch nie hinausgekommen.

 

6 Responses to “Global Warming… Propaganda?”

  1. Der Tag hat halt nur 24 Stunden – sogar wenn man im Sanitärbereich liest. Der atemlose Stil der omnipräsenten Aufmerksamkeitsökonomie bringt es mit sich, dass Nachrichten nur noch als Weltuntergangsszenarien oder eben mit Geschlechtsteilen garniert wahrgenommen werden. Was die professionelle – also für Geld - Meinungsproduktion angeht, ein Zitat von Thomas Jefferson:
    “Ich kenne keinen sichereren Treuhänder der ultimaten Macht der Gesellschaft als das Volk an sich; und wenn wir sie nicht für erleuchtet genug halten, diese Kontrolle mit wohlwollender Umsicht durchzuführen, dann ist die Abhilfe nicht, sie ihnen wegzunehmen, sondern ihre Umsicht zu prägen.”

    Ganz im Gegenteil zu Jefferson meinte der Father of Spin Edward L. Bernays: “Demokratie ist zu gut für das Volk; man muß ihnen sagen, was sie denken sollen, weil sie von sich aus nicht zu rationalem Denken fähig sind.“
    Lesenswert Edward L. Bernays “Propaganda”, erschienen: Liveright, New York 1928.
    Hmm, vielleicht blogge ich dazu mal was am Wochenende …

    Grüße von der Chefarztfrau

  2. Erfreulicherweise hat die Blue Man Group wenigstens auf die Geschlechtsteile verzichtet. Aber im Grunde ist das ja die Frage: Kann man mit Spin und Weltuntergangsszenarien die Umsicht prägen? Oder ist einem das egal, weil notwendig, wenn nur das Thema dahinter stimmt?

    Bis dann, k.

  3. Naja, wenn wir davon ausgehen, dass a) sich unsere Lebenswelt aus der Summe der Kommunikationen manifestiert, an de wir täglich anknüpfen und b) dies hauptsächlich durch massenmediale Kommunikation geschieht, dann sind Spin und Weltuntergangsszenarien hervorragende Mittel, um eben diese Lebenswelt mit Bedeutung zu füllen. Ganz einfach, weil sie in ihrer simplifizierten Spektakelinszenierung sehr attraktive Weltbilder abgeben.

    Bei näherer Betrachtung könnte man auch zum Schluss kommen, dass es gar nicht anders geht. Im globalen Rahmen sind wir eben auf die Komplexitätsreduktion der Medien angewiesen.

    Umsicht bedeutet in diesem Kontext, dass eine gesunde Balance zwischen legitimer Anknüpfung an vorhandene Umstände und angemessener Präsentation von Inhalt gewährleistet ist. Etwas, das beim Thema Klimawandel selten vorkommt: entweder sind es da verstärkte mediale Reflexe, für die der Weltuntergang eben Auflagen- oder Klickzahlsteigerung mit sich bringt, oder auch verneinende Positionen, die sich aber nicht minder denselben Vereinfachungen hingeben.

    Ich würde fast sagen, dass Popularisierung der Tod jeder nachhaltigen Kommunikation ist. Auch wenn das Thema dahinter stimmt (und beim Ausmass der Wandelprozesse in allen gesellschaftlichen Bereichen, die in Folge des Klimawandels notwendig werden) und ich aus Übereinstimmung mit meiner persönlichen Perspektive vielleicht schon eine höhere Toleranz gegenüber Popularisierung aufweise, bei manchen Sachen, die gerade so durch die Medien gehen, fühl ich mich auch nicht mehr ganz wohl. So aus Integritätsgründen ;)

    Und vielleicht auch, weil man neben blindem Katastrophenskeptizismus auch die eigene eingelöste Verantwortung prima medial konstruieren kann, ohne dass es in der Realität Entsprechung finden würde.

  4. Dazu passt auch dein Verweis auf die Wirkung von manipulierten Pressefotos auf die menschliche Erinnerung.

  5. Das ist schon wahr. Vielleicht stört mich nur, dass die wahren Auswirkungen, die ja katastrophal genug sein können, in dem Clip noch mal übertroffen werden sollte bzw. so gar nicht vorkamen, sondern eben nur die Walt-Disney-Version von Amerika in Nöten. Möglicherweise sind ertrinkende Bangladeshis aber auch nicht so ansprechend und damit publikumswirksam wie schnorchelnde Blaumänner.

  6. Der Clip ist ein recht gewitztes Aufgreifen der aktuellen Debatte, aber - da hast Du hundertprozentig recht - eher ein auf Unterhaltung heruntergebrochener Zeitvertreib.

    Generell frage ich mich eh, ob und wie dieses ’social conscious entertainment’ wirken kann. Und ob es überhaupt legitim ist..

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