Religiös institutionalisierte Frauenfeindlichkeit: Diplomaten und ihre Haushaltsangestellten
Letzten Samstag wurde der Fall einer Indonesierin bekannt, die mit Tuberkulose und Unterernährungserscheinungen in ein Berliner Hospital eingewiesen worden war. Wie sich herausstellte, handelte es sich um die Hausangestellte eines jemenitischen Diplomaten. Dass ausländische Diplomaten ihre Hausangestellte gleich mit ins Land bringen, ist übliche Praxis, und insbesondere muslimische Diplomaten scheinen vor allem billiges Personal aus Indonesien und von den Philippinen mitzubringen. Dass es dabei immer wieder zu „Unregelmäßigkeiten” kommt, liegt an dem oft besonders ausgeprägten Abhängigkeitsverhältnis, in dem sich diese Hausangestellten, meist sind es Frauen, befinden: ihr Aufenthalt ist nur über ihr Arbeitsverhältnis erlaubt, sie kommen meist aus entsprechend armen Umständen, es gibt keine Kontrolle ihrer Arbeitsbedingungen, oft befinden sie sich nicht mal mehr im Besitz ihrer eigenen Papiere. Dazu kommt die Besonderheit, dass ausländische Diplomaten nicht unter die Gesetze des Gastlandes fallen, für Straftaten also auch nicht nach deutschen Gesetzen belangt werden können. Im aktuellen Fall durfte die Frau das Haus nicht verlassen, wurde geschlagen und erhielt nur das Nötigste an Lebensmitteln. Ihr Monatsgehalt wird mit 120 Euro angegeben. [1,2]
Man soll sich nichts vormachen. Allen anderen Aspekten des Abhängigkeitsverhältnisses zum Trotz, Religion hat etwas damit zu tun: in diesem Fall die in Teilen schon krankhaft zu nennende Misogynie des arabischen Islams. Man soll nicht ins gegenteilige Extrem fallen und behaupten, dass alle muslimischen Diplomaten ihre Haushälterinnen misshandeln oder alle in Deutschland lebenden Muslime die mit ihnen lebenden Frauen. Aber so sehr die Extremität dieses aktuellen Vorfalls auch eine Ausnahme darstellen mag, und es ist nicht der erste um muslimische Diplomaten und ihre Haushälterinnen, so sehr ist er doch auch Symptom für ein tieferliegendes Problem, dass der Islam mit Frauen hat. Wir reden hier immerhin über ausgewählte Diplomaten, die entsprechende Qualifizierungen, was Bildung, Weltgewandtheit und (insbesondere bei islamischen Ländern) religiösen Lebenswandel angeht, erfüllen.
Ich will auch hier nicht auf das ganz Schlimme eingehen: die Steinigungen; die Frauen betreffende Gesetzgebung in Saudi-Arabien, gegen die die Nürnberger Rassegesetze wie ein Emanzipationsfortschritt wirken könnten [3]; die Obsession mit weiblicher Jungfräulichkeit, die noch weit über das Lächerliche herausgeht, was derzeit wieder im amerikanisch-christlichen Fundamentalismus aufkommt. Mir geht es um die Institutionalisierung voraufklärerischer Frauenfeindlichkeit in Religion, so harmlos die auch daherkommen mag: als einfache Annahme, dass Frauen eben nicht gleichwertig sind, besonderen Schutzes bedürften, besonderer Ansprüche an Sittsamkeit unterlägen. Für all das gibt es letztlich Indizien in allen Religionen, und im Islam gibt es dafür auch ein Symbol: das ist das Kopftuch.
(wird fortgesetzt…)
Weiterführende Informationen, auch zum Thema Hausangestellte, finden sich bei der Berliner Menschenrechtsorganisation Ban Ying.
[1] Offiziell mussten sich alles ausländischen Diplomaten dazu verpflichten, ihren Hausangestellten mindestens 750 Euro im Monat zu bezahlen. Aufgrund der diplomatischen Immunität ist aber auch das weder einklag-, noch sanktionierbar.
[2] Würde ich mich für den Namen des betreffenden „hohen” jemenitischen Diplomaten interessieren, der von der Presse nicht genannt wird, wäre ein erster Ausgangspunkt vermutlich die Personalseite der Botschaft und ein Vergleich mit dem Google-Cache [Der Google-Cache wurde derweil aktualisiert, es gibt da also nichts zu sehen. Weitergehen].
[3] Der Vergleich wird dadurch unstatthaft, dass die Nürnberger Gesetze vor allem ein einleitender Teilschritt in den Holocaust waren und eben ein Rückschritt von bestehender Staatsphilosophie.
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