Das Bewusstsein und der Mangel an selbigem

Nicholas Humphrey spekuliert im Seed-Magazin ein wenig über die alten Fragen, die Philosophen heute noch bedrücken und Theologen oft genug als letzte Zuflucht göttlicher Ursprungstheorien sehen: das menschliche Bewusstsein und das Auftreten subjektiver Erlebnisinhalte darin. [1] Nachdem Philosophen und andere in den letzten Jahrhunderten ganze Wälder haben fällen lassen, ohne einer Lösung des Problems wirklich näher zu kommen, ist es vielleicht mal an der Zeit, dass naturalistische Wissenschaft sich die Sache näher betrachtet. Das Murmeln und Stöhnen Interessierter im Hintergrund, die meinen, so was könne Wissenschaft sowieso nicht leisten und es wäre schon physikalistische Unverschämtheit, es überhaupt zu versuchen, ist man ja inzwischen gewöhnt.

Nicht, dass irgendwer schon Antworten hätte; höchstens Skizzen oder Ideen, wie der weitere Forschungsweg verlaufen könnte. Aber wenn man sich dann wieder Robert Spaemann anhört, der aus seiner sehr begrenzten Subjektivität davon ausgeht, sein Innenleben beweise irgendwie Gott oder widerlege vielleicht gar eine rein natürlich ablaufende Evolution: dann möchte man fast Geld an die Gehirn- und Bewusstseinsforscher spenden, damit sie recht bald eine Antwort finden und diesen armen Mann endlich aus seiner selbstverschuldeten Phantasielosigkeit befreien. Wer sich den Spaemann genauer anhört, bemerkt nur, dass er einfach keine Ahnung hat oder haben kann, wo Inneres anfängt und wie es in der Natur begründet sein könnte. Die eigenen engen Vorstellungsgrenzen als Gottesbeweis verkaufen und sich dafür noch als Philosoph bezeichnen lassen — die gute, alte Tugend der Demut in christlich-theologischer Realität.

Aber der Wahrheitsanspruch ist da manchmal ja auch sekundär.

 

[1] via 3QuarksDaily

13 Antworten

  1. Kommt man eigentlich, wenn man so konzentriert und vernünftig denkt wie Du weiter als einer wie ich, der nur chaotisch und hektisch denkt und 99,9% seiner Gedanken niemals zu Papier bringen könnte?
    Hast Du Deinen Kopf irgendwie geordnet und bist zufriedener mit ihm, als wenn Du nicht versuchen würdest, alles aufzuschreiben und einzuordnen und zu regulieren?
    Schreibst Du, weil Du gedacht hast, oder denkst Du während du schreibst?
    Meine Bewunderung hast Du. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich Dich verstehe. Nicht das, was Du schreibst, verstehe ich nicht. Dich verstehe ich nicht.

  2. Och, entspann Dich. Es gibt nicht auf alle Fragen eine Antwort. Ich frage mich ja auch nicht, warum manche meinen Beitrags-Kommentarteil als Aufforderung zu freiem Assoziieren betrachten.
    Aber wenn’s denn hilft.

  3. Tjaja, die Sache mit den Großen Fragen… Ich bin ja durchaus der Meinung, dass man sich als Naturwissenschaftler an sowas versuchen sollte, aber meistens geht’s halt in die Hose.

    Ich hatte meinen Lesern einen Beitrag zum Thema Naturwissenschaft und Sinn versprochen, das ist jetzt schon ein bisschen her.
    Es haut nicht hin, ich hab inzwischen drei Entwürfe in die Tonne getreten. Und das ist auch bei größeren Geistern nicht anders, wenn man sich mal die Legion alternder Physiker anguckt, die irgendwann von guter Wissenschaft zu schlechter Philosophie gewechselt haben…

  4. Ich weiß, ich habe nach der Ankündigung auch schon drauf gewartet :) Das Problem mit der Sinnsuche ist, dass sie meistens in eine Lösungssuche ausartet — aber die Lösung für unsere ganz subjektiv-menschlichen Probleme kann man nur schwer aus der Naturwissenschaft ziehen wollen. Das Dumme an der Philosophie ist nur, dass sie selber nie Lösungen findet und meistens sogar irgendwann von der Wissenschaft in ihren Annahmen überholt wird.

    Sinn und Lösung muss also vermutlich jeder für sich finden (oder einreden, dass er sie gefunden hat). Irgendwelche Annahmen über die Natur der Dinge, mit Gott oder ohne, sind mir jedenfalls nie befriedigend erschienen. Aber bei aller Ich-Bezogenheit halte ich das “Ich” sowieso nur für eine Illusion oder eine objektiv nicht gerechtfertigte Arbeitshypothese des Bewusstseins.

  5. Okay, Notiz an mich selbst: nicht nach bierlaunigem Derbysieg in einem 10-Minuten-Zeitfenster versuchen, Sinnfragen erschöpfend zu beantworten.

  6. Ich glaube, Du solltest mal Gottesbeweise antreten. Also nicht sarkastisch gemeint. Sondern einfach so, dass Du Dich auf den Weg machst. Könnten recht interessante Dinge rauskommen, wenn Du mal davon ausgehst, dass es Gott gibt, und wie man ihn finden könnte. Könnte mir vorstellen, dass das bei Dir irgendwann mal einen Saulus – Paulus – Effekt geben könnte. Keine Sorge: könnte, nicht muss. ;-)

  7. Tja, aber gerade Paulus ist ja ein Beispiel, nicht durch Glaubensübung zu Gott zu finden sondern durch, ähm, persönliche Begegnung mit Jesus (und nicht mal in der albernen evangelikalen Art), gemeinsame Abendgestaltung und Gedankenaustausch. Und darunter wird’s mit meiner Bekehrung auch nichts. Sollte aber für Gott eigentlich kein Problem sein, wenn er mich wirklich von sich überzeugen wollte.

    Ansonsten klingt der Ansatz für mich etwas beliebig und postmodern.

  8. Wer weiß, vielleicht überzeugt er Dich noch… aber wie gesagt, war nur so ein Gedanke…

  9. Mal ehrlich, Theolounge, nur für den Fall, dass ich tatsächlich ein Erweckungserlebnis hätte: wie unterscheide ich Deinen Gott von einem Hirngespinst? Ganz ernst: gibt es einen Unterschied?

  10. Neinneinnein, das ist voll der falsche Ansatz.
    Das hat theolounge dir doch vorhin schon erklärt: Wenn du Gott finden willst, musst du halt einfach mal drauflos glauben. Und wenn du dann Gott gefunden hast, gar nicht erst wieder mit dem Denken anfangen. Da kriegst du nur buyers regret von. Und kommst in die Hölle. :p

  11. Okay. Dann brauch ich jetzt nur noch eine Familienpackung Botox und ein sehr, sehr lange Injektionsnadel…

  12. Dankeschön! Das Bild wird mich jetzt den Rest meines Lebens verfolgen. Uaaaah. *schauder*

  13. Soll ja auch gegen entzündete Mandeln helfen ;) Gute Besserung!

Einen Kommentar schreiben