Kulturpessimismus: Bildung und ihr Gegenteil

Anlässlich des Erscheinens von Susan Jacobys Buch The Age of American Unreason, kontempliert die New York Times (“Dumb and Dumber: Are Americans Hostile to Knowledge) ein wenig anektodalen Kulturpessimismus:

“This is just like Pearl Harbor,” one of the men said.
The other asked, “What is Pearl Harbor?”
“That was when the Vietnamese dropped bombs in a harbor, and it started the Vietnam War,” the first man replied.
At that moment, Ms. Jacoby said, “I decided to write this book.”

Man kann natürlich darüber lächeln, dass die NYT es für nötig erachtet, in der Einleitung des kleinen Dialogs noch mal darzustellen, was in Pearl Habor wirklich passiert ist, damit keiner ihrer Leser in die Peinlichkeit kommt, den Witz nicht zu verstehen oder, Gott behüte, irgendwo sich informieren zu müssen. Etwas nachzuschlagen ist schließlich nerdig. Vielleicht, könnte man mutmaßen, ist es ja auch die selbstgenügsame Häppchenberichterstattung in den Medien, die eben kaum noch Vorwissen für die Teilnahme am öffentlichen Diskurs voraussetzt, die das Begreifen von Hintergründen als lässlich und darum unlässig erscheinen lässt.

Es gibt natürlich auch andere kulturelle Strömungen, die für sich in Anspruch nehmen, Wissen nach Nützlichkeit und Zweck zu ordnen, und für die Aberglauben im Zweifel auf eine Stufe mit Wissenschaft zu stellen ist:

Ms. Jacoby also blames religious fundamentalism’s antipathy toward science, as she grieves over surveys that show that nearly two-thirds of Americans want creationism to be taught along with evolution.

Aber, nein, Religion ist kein Problem. Es gibt hier nichts zu sehen. Bitte weitergehen.

(via 3QuarksDaily)

 

2 Responses to “Kulturpessimismus: Bildung und ihr Gegenteil”

  1. Dass man sich hierzulande öffentlich mit seiner Ahnungslosigkeit in Mathe oder den Naturwissenschaften brüsten kann, hat mit Religion allerdings nichts zu tun. Nicht jedes Hohlbratztum ist gottgewollt. ;)

  2. [...] gelesen hatte. Aufgefallen war’s mir vor allem deshalb, weil ich fast denselben Einstieg für einen meiner Artikel gewählt hatte. Nur war das bei mir noch als Zitat gekennzeichnet; in dem NZZ-Artikel von Andrea Köhler [...]

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