Wissenschaftsrelativismus revisited: Wissenschaft formt Sprache und Kultur

Ich habe gerade schon, eher nebenbei, darauf hingewiesen: als Naturwissenschaftler trifft man immer mal wieder auf Leute, bevorzugt mit sozial- oder kulturwissenschaftlichem Hintergrund, die ihre postmodernistischen Vorlesungen etwas zu ernst genommen haben und naturwissenschaftliche Erkenntnisansprüche wieder unter das (eingebildete oder erträumte) Primat der Kulturwissenschaft zurückholen wollen. Wissenschaftliche Theorien werden da als gesellschafts- wie zeitabhängige Narration verkannt. Im Grunde seien die ja auch nur ein Weltbild, von dem niemand sagen könne, ob es besser oder schlechter als andere, im Widerspruch dazu stehende Weltbilder sei. Das erleichtert den Postmodernisten, weil es einerseits seinen oft arg weit hergeholten Sprachspielen mehr Relevanz verleiht, vielleicht sogar die Möglichkeit bieten zur alles beherrschenden Meta-Theoretisierung [1], die dann mal endgültig die Macht- und Erkenntnisverteilung klarstellen kann — zum anderen bleibt es einem damit erspart, sich überhaupt naturwissenschaftliche Kenntnisse aneignen zu müssen: selbst mit dem wissenschaftlichen Wissen eines Dreijährigen kann man dann Wissenschaft nicht nur kritisieren, sondern ohne Umschweife abtun. Und das aus einer Position erleuchteter Weisheit, nicht ungebildetem Dreijährigentums.

Ein solcher Ausgangspunkt in die Richtung ist zum Beispiel die Behauptung, die westliche Wissenschaft wäre durch unsere Kultur so geformt worden, wie sie heute ist, und dass darum Wissenschaft eben nur kulturelles Konstrukt sei: aus einer anderen Kultur entstanden, hätte sich auch eine ganz andere Begrifflichkeit und damit ein ganz anderes Verständnis wissenschaftlicher Zusammenhänge ergeben. Nun mag es durchaus sein, dass zum Beispiel christlich-aristotelische Irrlehren über das Seelenleben des Menschen eher Ballast waren für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Geist und Gehirn. Aber schon an dem Beispiel kann man sehen, dass die eben nicht auf Dauer die Neurowissenschaften nach ihrem Bild geformt haben, sondern irgendwann durch fortschreitenden Erkenntnisgewinn selbst als überholt betrachtet werden müssen und anschließend auch aus der Kultur verschwinden könnten, zumindest als populäres Konzept.

Sollte sich unsere Kultur irgendwann so verändert haben, dass sie die Bilder zukünftiger Gehirnwissenschaft so radikal in sich verinnerlicht hat; dann würde vermutlich der zukünftige Postmodernist kommen und sagen: “Aha, wer hat’s erfunden…? Die Kultur hat mal wider die Wissenschaft geformt.” Damit würde er dann nur seine eigene Geschichtsvergessenheit beweisen und weiteres Zeugnis darüber ablegen, dass man im faktenfreien Raum alles behaupten kann, um sich damit dann auf die eigene Schulter zu klopfen.

Unmöglich oder viel zu übertrieben?

 

Mark Liberman vom sehr informativen (wenn auch für deutsche Interessen öfter etwas abseitigen) Language Log untersucht heute eine alte, aber vielzitierte Veröffentlichung von Bejamin Lee Whorf (”Science and Linguistics“), in der dieser über Sprache und ihre Auswirkungen auf wissenschaftliche Begrifflichkeiten philosophiert. Der indo-germanische Sprachgebrauch sei praktisch wie geschaffen dafür gewesen, die Newtonsche Mechanik hervorzubringen. Demgegenüber hätten zum Beispiel die Hopi in Arizona (ein offensichtlich sehr mysteriöser Indianerstamm, auf den man an allen Ecken stößt: vom esoterischen Ramschladen an der Ecke mit ihren Traumfängern bis zu Erich von Däniken) wohl eine ganz andere Physik geschaffen, gibt es doch in ihrer Sprache kaum vergleichbare Begrifflichkeiten für Zeit oder Geschwindigkeit. Um fair zu sein, ich habe das Paper nicht gelesen, und es scheint auch nicht zwingend so, als würde Whorf persönlich in den postmodernistischen Fehlschluss verfallen, dass die tatsächliche Physik eine andere wäre: nur deren Beschreibung würde sich deutlich von unserer unterscheiden, vermutlich durch einen anderen mathematischen Formalismus. [2]

Of course V (velocity) would have to go too. The Hopi language has no word really equivalent to our ’speed’ or ‘rapid.’ What translates these terms is usually a word meaning intense or very, accompanying any verb of motion. Here is a clue to the nature of our new physics. We may have to introduce a new term I, intensity. Every thing and event will have an I, whether we regard the thing or event as moving or as just enduring or being.

Erst mal zeigen sich beim Linguisten hier schon ein paar Missverständnisse über physikalische Begrifflichkeiten. Der physikalische Begriff Geschwindigkeit beschreibt nämlich im Formalismus eben das, was Whorf als I ausmachen will: die Geschwindigkeit ist da keine zeitliche Veränderung, sondern die Eigenschaft eines Objekts zu einem bestimmten Zeitpunkt; Whorf umschreibt also nur einen vermeintlich indogermanisch geprägten Begriff mit der eben schon geltenden physikalischen Begrifflichkeit, weil ihn sein indogermanisches Englisch über die wahre Bedeutung täuscht. Und dieses Missverständnis soll dann beweisen, wie gut unsere Physik unsere Sprachgewohnheiten widerspiegelt?

Liberman geht das Ganze dagegen aus der anderen Richtung an, eben der des Linguisten. Und als solcher stellt er dann fest, dass die Hopi-Sprache so unterschiedlich von unserer nicht ist, dass sie sehr wohl Ausdrücke für zeitliche Abläufe und Geschwindigkeit hat. Zum anderen aber untersucht er die Sprachgeschichte der englischen Ausdrücke Geschwindigkeit, Schnelligkeit und so fort, die Whorf als Beleg dafür sieht, dass wissenschaftliche Begrifflichkeit nur Sprache widerspiegelt. Dabei sind die englischen Begriffe auch nur aus ihrer langen Entstehungsgeschichte verstehbar, haben mehrmals ihre Bedeutung gewechselt, und mussten sich am Ende so anpassen, dass die Sprache besser die Begebenheiten wiedergeben kann, die Wissenschaft gefunden hatte. Mithin ist das ein starker Hinweis, dass eben nicht Sprache und Kultur Wissenschaft formen, sondern umgekehrt Wissenschaft die Weltwahrnehmung und damit eben auch Sprache und Kultur verändert.

At least in lexicographic terms, the Indo-European languages do not, contrary to what Whorf says, share a linguistic history that predisposes their speakers unconsciously to a particular physics of time, distance, velocity and so on. In particular, the English words for those abstract physical concepts developed rather late, mostly as part of a conscious effort to import or develop explicit physical theories. And the terms used were figurative or metaphorical extensions of much juicier and more concrete words for things like “strength” and “discord” and “being alive”.

Vervollständigt wird das durch entsprechende Zitate, etwa von Hobbes, in denen der mit dem alten Sprachgebrauch rang, um die wissenschaftlichen Begrifflichkeiten verständlich machen zu können, weil über die neu erkannten Zusammenhänge die Sprache selbst fremd geworden war. Den ganzen Post gibt’s noch mal hier: “Poor, arid, and, in appearance, deformed“.

 

[1] das gesellschaftswissenschaftliche Gegenstück zur Weltformel. Während allerdings selbst die ambitioniertesten Physiker nicht davon ausgehen können, mit der Weltformel alle Vielfalt der Welt erklären zu können, weil es da ja noch diese ganzen emergierenden Phänomene gibt, die wir Alltag nennen, scheint das auf Postmodernisten nicht zwangsläufig zuzutreffen, die fortwährend dahinformulieren, als wären sie nur einen Schritt von aller Wahrheit entfernt. Man muss ihnen das nachsehen: mit einem Theoriekonstrukt, aus dem noch nicht ein nachweisbares Phänomen abgeleitet werden, geschweige denn formuliert werden konnte, kann man natürlich auch keine Erfahrungen über Tragweiten und Begrenzungen von Theoriebildung gesammelt haben.

[2] was übrigens auch nur mangelndes physikalisches Wissen ist: in Wirklichkeit gibt es in der Physik natürlich verschiedene, mathematisch unterschiedliche aber letztlich äquivalente Formulierungen für die Mechanik. Was man Schülern und (Nebenfach-)Studenten beibringt ist allerdings meistens beschränkt auf einen vereinfachten Newton. Eben weil es erst mal darum geht, wissenschaftliche Konzepte möglichst einfach und nach einem gewissen Standard zu vermitteln.

12 Responses to “Wissenschaftsrelativismus revisited: Wissenschaft formt Sprache und Kultur”

  1. So oft, wie die Hopis in der näheren Vergangenheit zu allen möglichen Themen bei mir aufgetaucht sind kann es sich eigentlich nur um eine Verschwörung handeln. Da stellt sich einem dann doch gleich die Frage: Wer profitiert davon, dass wir über Ansichten eines nordamerikanischen Indianerstammes grübeln? Soll so heidnisches Gedankengut in die Köpfe der frommen Menschen auf der ganzen Welt geschleust werden? Oder vielleicht doch andersrum?

    Und jetzt noch etwas ernster gemeintes: Auch diese Behauptung, Wissenschaft sei nur eine Möglichkeit, die Welt um uns herum zu beschreiben, und sie sei gleichwertig mit allen anderen Weltbildern, ist mir vor kurzem mal wieder in einem Seminar begegnet. Meine Haltung dazu ist eigentlich ziemlich simpel: Ein Weltbild sollte die Welt, in der wir leben, so realitätsnah beschreiben wie es für uns Menschen möglich ist. 100% Realität wird wahrscheinlich nicht praktisch möglich sein, sollte aber zumindest das theoretische Ziel eines Weltbilds sein. Damit fliegen dann auf einen Schlag ne ganze Menge Weltbilder aus dem Rennen. So unscharf und verschwommen wie Wissenschaft im Alltag auch sein mag, baut sie zumindest auf dem richtigen Prinzip auf.
    Als Argument dagegen brachte der Sprecher ein paar Sätze von W. V. Quine, die er an M. J. Cresswell gerichtet hatte: “Might another culture, another species, take a radically different line of scientific development, guided by norms that differ sharply from ours but that are justified by their scientific findings as ours are by ours?”
    Ist das nicht zu einfach gedacht? Meiner Meinung nach sollte auch unsere Wissenschaft, ausreichend Zeit vorausgesetzt, die Wissenschaft der anderen Kultur (Aliens?) finden können und umgekehrt. So funktioniert das nunmal - aus bestehendem Wissen werden in kleinen Schritten die weißen Flecken der Landkarte erschlossen. Wenn die zwei Kulturen an zwei verschiedenen Punkten der wissenschaftlichen Geographie starten, dann schließen sich ihre Wissenschaften deshalb noch lange nicht gegenseitig aus. Vielmehr sollten sie irgendwann, sobald die Wissenschaft ausreichend fortgeschritten ist, verschmelzen.

    Sorry für den langen Kommentar, aber das musste jetzt sein. Und das Thema saß mir eh seit 1-2 Wochen auf der Brust und musste runter.

  2. Die Kritik an den Mythen über die Hopi-Sprache und Whorfs Zuspitzungen findet sich übrigens auch in Steven Pinkers The Language Instinct. Kann man bei der Gelegenheit mal wieder empfehlen.
    Viele Grüße und vielen Dank für den Artikel

  3. Ich fand den Aufsatz von Whorf sehr spannend und lehrreich, allerdings ist er nur ein Aufsatz unter vielen zum Thema wie Sprache Denken und damit Wirklichkeit formt, oder eben umgekehrt. Du nimmst jetzt hier die Position ein, dass beides voneinander unabhängig sei und die wahre Natur der äh, Wirklichkeit erkannt werden könne, gleich welche Sprache man spricht und in deren Konzepten man denkt. Ich hingegen bin unsicher, ob es eine “wahre Wirklichkeit” in diesem Sinne überhaupt gibt und denke schon, dass Sprache da eine Brillenfiunktion hat. Wie weit die geht, kann man natürlich nicht sagen, wenn man nicht über extreme Beispiele wie das der Hopi verfügt, dieses Problem hat auch Humboldt schon ansehlich beschrieben. Es gibt da jedenfalls einen ganzen Batzen linguistischer und philosophischer Schriften und naja, Einigkeit gibt es keine. Ich würde sagen, dass bestimmte sprachliche Konzepte bestimmte Beobachtungen erschweren können, dass man aber dennoch in der Lage ist, diese früher oder später zu machen und die Sprache entsprechend in diese Richtung zu bewegen…

  4. Also ich bin natürlich mit Argent23 einer Meinung, womit ich nicht sagen will, dass ich Whorf nicht spannend finde. Nur hat er vermutlich nicht recht.

    Gibt es eine “wahre Wirklichkeit”? Das ist natürlich eine Frage, die man auf ganz verschiedenen philosophischen Leveln betrachten kann. Nur, was uns als Menschen angeht, gibt es diese doch offenbar. Zumindest verhält sich die Umwelt praktisch so — wenn ich nicht auf Metakonstrukte wie Matrix oder Solipsismus ausweichen will, die per se nicht widerlegbar sind.
    Die Wirklichkeit werden wir vermutlich nie 100% erfassen können. Aber unsere Wissenschaft und Technik benötigen das ja auch nicht: unser Wissen liegt offensichtlich so nahe an der Wirklichkeit, dass wir damit alle mögliche Technik realisieren können. Soll heißen: unsere Aerodynamik ist sicher nicht zu 100% vollständig; aber die darin enthaltenen Fehler und Vereinfachungen sind offensichtlich kleiner als das, was für ein Flugzeug tolerabel ist.

    Sprache kann natürlich eine Brillenfunktion haben, und philosophische Konzepte können unserer Erkenntnis auch im Weg stehen. Nur meine ich, dass Wissenschaft offensichtlich ein Weg ist, diese “Kulturbarrieren” zu überschreiten.
    Pack ein paar Hopi (oder von mir aus auch Schimpansen, rein wegen der noch höheren Sprachbarriere) in einen Raum und stell einen Computer dazu. Der Computer wird genau so funktionieren wie für Dich und mich. Ganz egal welche Sprache der Benutzer spricht: die mag ihn zwar einschränken, die Konzepte hinter dem Computer zu erkennen — aber an der Physik ändert das nichts. In den Transistoren herrschen immer noch dieselben Spannungsverhältnisse und Ströme, ganz egal, ob man die Erkenntnis in der Sprache des Benutzers wiedergeben kann oder nicht. Die subjektiven Probleme der Erkenntnis sprechen da nicht gegen eine objektive Wirklichkeit. Eine amerikanische Bombe tötet unabhängig davon, ob die Sprache der afghanischen Dorfbewohner die dahinterliegende Chemie beschreiben oder entwickeln könnte.

    Ich sage ja nicht, dass die wissenschaftliche Beschreibung der Wirklichkeit nicht anders aussehen könnte, wenn sie anders entstanden wäre (obwohl Liberman schon in die Richtung gelesen werden kann). Aber offensichtlich muss doch die Mathematik dahinter, wenn sich der Weg auch unterscheidet, dieselben Ergebnisse liefern.

  5. Naja, ich wollte hier ganz sicher keine Diskussion über die Wirklichkeit der Wirklichkeit anfangen :-) Dass unsere Wissenschaft so wie sie ist gut genug funktioniert, um unsere Welt in entscheidender Hinsicht zu prägen ist ja gar keine Frage und in wieweit sie vollständig beschreibt ist da zwar interessanter aber schwer zu erfassen - das ist ja das, was ich mit Sprachbrille meinte. Ganz interessant in dem Zusammenhang ist ein Buch namens Leben in Metaphern, dass diese Brillengeschichte auf ein ganz neues Level hebt. Aber das führt jetzt zu weit. Zum Thema Mathe muss ich noch sagen, dass ich immer wieder verblüfft bin, wie gut das wirklich funktioniert, wenn man sich die ganzen Kompromisse in der Mathematik ansieht: Definitionen, Übereinkünfte, Vagheiten. Ich hab ja immer gedacht, das wäre alles viel präziser. Da gibts ein tolles Zitat in “Die Verwirrungen des Zöglings Törleß”: “Ist das nicht wie eine Brücke, von der nur Anfangs- und Endpfeiler vorhanden sind und die man dennoch so sicher überschreitet, als ob sie ganz dastünde?”

  6. Aber gerade die Vollständigkeit der Beschreibung ist Teil der Physik. Damit meine ich, dass es natürlich entweder im sehr komplexen noch unverstandene oder gar unbeobachtete emergente Phänomene geben kann; genauso verstehen wir noch nicht, was unterhalb der Elementarteilchen vor sich geht. Aber es wird immer schwieriger, in der schon beschriebenen normalen Physik der Materie noch Lücken zu finden. Die Sache ist ja, dass eine Menge Physiker direkt danach suchen.
    Man kann daher schon ziemlich genaue Grenzen angeben, in welchem Rahmen man zum Beispiel noch neue Grundkräfte finden könnte: sehr schwach und sehr kurzreichweitig müssten die sein.

    Das sagt natürlich nicht, dass es jenseits davon gar nichts gibt. Oder dass es nicht unwahrnehmbare Dimensionen gibt, wie sie die Stringtheorie behauptet. Wir können nur sagen: wenn es da was gibt, hat das auf normale Materie, in Maßstäben, in denen wir sie beobachten, offenbar sehr wenig Einfluss.

    Aber das steht natürlich prinzipiell unter Täuschungsvorbehalt, und wenn die nächste Revolution das Gesagt wegfegt, werd ich es nicht weiter verteidigen ;)

  7. Du sprichst mir hier aus der Seele. Ein schwerer Stein fällt gleich schnell wie ein leichter, der gleichen Größe und Form. Inwiefern ist das jetzt sprach- und gesellschaftsabhängig?

    Mir kommt es so vor, als ob die Menschen sich (wieder mal) allzu wichtig nehmen. Wir krebsen auf einem kleinen unbedeutenden Felsball am Rande unserer Galaxie vor sich her und versuchen einen Sinn in dem Ganzen zu finden. Wissenschaft hat sich da ganz hervorragend bewährt und ich sehe nicht wirklich eine Alternative dazu.

    Zu glauben, dass wir Wirklichkeit “schaffen”, zeugt meiner Meinung nach von einem gehörigen Maß Selbstüberschätzung und Eitelkeit. Nicht, dass das Thema Bewustsein nicht spannend ist und wozu das jetzt wieder gut sein soll.

    Aber was interessiert es den Stein, was wir über ihn denken?

    Er wird doch jedes Mal nach unten fallen, wenn wir ihn anheben und loslassen und nicht nach oben.

  8. Ja, wir hatten gerade noch unter Physikern eine sehr lustige Diskussion mit einem anderen Physiker, der sich nicht so sicher war (oder zumindest nicht festlegen wollte, weil das seinen philosophischen Meinungen etwas entgegenlief), ob es objektiv sowas wie Realität gebe, also zumindest einen Teil Wirklichkeit, der vom Beobachter nicht abhängt. Man kann das natürlich verneinen; einfach weil man die gegenteilige Behauptung nicht widerlegen kann.

    Es macht nur so wenig Sinn. Gerade als Wissenschaftler. Wenn es eine objektive Realität gibt, dann ist die offensichtlich so wichtig, dass wir sie möglichst gut beschreiben sollten. Und wenn ich dann in meiner Arbeit und in meinem Leben immer wieder darauf stoße, dass die Annahme einer objektiven Realität sinnvoll ist und zu Ergebnissen führt; dann erscheint es so irrelevant und arm, die auf einer abstrakt-philosophischen Ebene wieder zu verneinen. Zumal ich damit überhaupt nichts gewinne, außer unbeweisbare Behauptungen aufstellen zu können und mich selber für wichtiger zu halten.

    Aber das ist halt das Schöne, dass Naturalismus funktioniert, unabhängig davon, ob ich den nur als Methode oder tatsächlich als “wirklich” betrachte ;)

  9. Klasse, da ist mir die Autorin zuvor gekommen! Gerade wollte ich auf Ludmilas Post “Was ist Wissenschaft?” verlinken, weil der meiner Meinung nach so gut zu dem Thema hier passt. Und da meldet sie sich selbst zu Wort! Dann liefere ich zumindest den Link nach, ist nämlich wie gewohnt sehr lesenswert.

  10. Allerdings sehr empfehlenswert. Ich hatte den schon nach der Veröffentlichung gelesen, aber es ist schon sehr “interessant” wie sich der Kommentarteil davon inzwischen entwickelt hat…

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