Ausgangssperre wird noch diskutiert
Berlin legt sich mal gerade wieder selbst lahm. Nur diesmal nicht nur metaphorisch, sondern ganz real verkehrstechnisch. Als hätte es nicht schon gereicht, auf meinem Arbeitsweg eine Baustelle einzurichten, damit ich jetzt doppelt so lange für den brauche. Ab morgen fährt ganz konsequent gar keine U-Bahn und kein Bus [1] mehr. Und Montag kommen die Jungs von der GDL dazu und legen den S-Bahn-Verkehr ebenfalls lahm. Ab dann findet ÖPNV in Berlin praktisch nicht mehr statt, und der umwelt- und finanzbewusste Großstädter, der ansonsten ein Auto nicht vermisst, steht halt da. Buchstäblich. Wenn er noch darf.
Wenn man noch davor fliehen will, wird’s auch Zeit. Ein einzelner Fall einer Diplomarbeit, die unvorhergesehen nun schon einen Tag früher, am Sonntag, fertig werden muss, ist mir schon bekannt, weil derjenige dienstags eigentlich schon im Süden Deutschlands sein muss. Nur fährt von den schwer erreichbaren Bahnhöfen ab Montag wohl auch kein Zug mehr. Verlassen kann man sich jedenfalls nicht drauf. Und Flüge… Tja…
Das ist wie im Krieg. Nur ohne Russe. Aber dafür kann man nicht mal mehr auf den Wenck hoffen — unser Schicksal liegt in den Händen der Mehdorns dieser Republik.
Und was ist der eigentliche Skandal?
Ich kann auch zu Hause arbeiten.
Spacken.
[1] es gibt netterweise einen fluffigen Bus-”Notverkehr” mit einer Taktung, die man aus Berliner Sicht vermutlich sonst eher auf bayerischen Alpenpässen erwarten würde. Die BVG spricht von Kapazitäten in der Größenordnung von 5% des normalen Fahrgastaufkommens. Und zu meiner Arbeit fahren die sowieso nur höchst indirekt. Als wär nicht das Wort “Notverkehr” bei mir so schon mit negativen frühen Erfahrungen assoziiert.
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Meine Berliner Freundin hat sich rechtzeitig zu mir ins Erzgebirge geflüchtet. :-) Als nunmehr mehrjähriger Teilzeit-Berliner (eben der Liebe wegen) fand ich es am Anfang sehr befremdlich, wie sich die Einheimischen geärgert haben, wenn ihnen ein Bus vor der Nase wegfuhr, der doch schon 10 Minuten später wieder kommt. Bei uns sollte man im vergleichbaren Fall lieber einen Schlafsack dabeihaben…
Ich bin auch mit ner 15-Minuten-Bus-Taktung aufgewachsen. Heute wohn ich an einer U-Bahn-Linie, die am Wochenende auch nur alle 10 Minuten kommt, und fühle mich latent genötigt, wenn ich dann länger als 5 warten muss — all die verlorene Zeit, und der Freundin muss man dann erklären, warum man wieder zu spät ist :)