Nochmal zum Erinnern und Gernhaben: Joachim Bublath

Joachim Bublath geht in Rente (oder wird gegangen, man weiß es nicht), und auch wenn ich nach frühkindlichen Knoff-Hoff-Erfahrungen kein besonderer Fan mehr war: die letzte Sendung für das ZDF sollte man sich noch anschauuen (online hier). Atemlos nüchtern wie immer präsentiert Bublath erst Zusammenfassendes über unser derzeitiges Bild des Universums, und dann kommt der große Rückblick auf mehr als zehn Jahre Fernseh-Wissenschafts-Unterhaltung. Wen’s schon immer interessiert hat, wird bestimmt auch hier einiges altbekannte wiederfinden: ich erinnere mich dunkel daran, wie ich als Jungheranwachsender die Nacht vor dem Fernseher verbracht habe, um den Halleyschen Kometen endlich mal aus der Nähe zu sehen, auch wenn ich dann ob der eintreffenden Bilder doch etwas enttäuscht war. Die Computeranimationen waren halt doch schon immer aufregender als das tatsächliche Datenmaterial. Überhaupt kann man den ganzen Rückblick auch ohne Verlegenheit als kurze Historie des Computerdesigns sehen.

Am Ende kommen dann noch zwei, drei Minuten Knoff-Hoff-Erinnerungen dazu — ohne ein einziges Mal Ramona Leiß zu zeigen? Na ja, da muss ich mir jetzt keine Gedanken drüber machen.

Zum wissenschaftlichen Teil eigentlich nur eines: ja, Schwarze Löcher sind schon bemerkenswert. Aber vielleicht könnten wir damit aufhören, die als große Materiestaubsauger zu zeigen, die alles um sich herum in einen Strudel ins Nirgendwo ziehen wollen, so dass uns ganz bange wird? Unabhängig dessen, was jenseits des Schwarzschild-Radius wohl passiert — außerhalb davon sind auch Schwarze Löcher nur Massen. Wäre die Sonne kein Stern sondern ein gleichschweres Schwarzes Loch, hätte das auf die Bahn der Erde (zumindest vorerst) keine Auswirkungen: die würde mitnichten in irgendeinen Strudel gezogen, genau wie sie auch jetzt nicht in den Gravitationsstrudel der Sonne hineingezogen wird, sondern in dem eine stabile Bahn beschreibt. Die Vorstellung mag ja doppelt beängstigend sein, plötzlich mit einem Schwarzen Loch zu kollidieren; aber wo man als Planet oder Raumfahrer ungebremst draufknallt, weil man der Gravitation nichts entgegenzusetzen hat, spielt jenseits der Phantasie eine ziemlich untergeordnete Rolle.

Harald Lesch kann es bald besser machen, wenn er die Sendung übernimmt. Ansonsten alle Gute für Joachim Bublath. Und Danke.

 

(via und weiteres im Fernsehlexikon)

6 Responses to “Nochmal zum Erinnern und Gernhaben: Joachim Bublath”

  1. Bei mir brach spontane Bublath-Sympathie wieder auf, als ich sehen musste, wie er von Nina Hagen als “evil Alien” beschimpft wurde.

    Daraufhin haben wir in Leipzig eine Pro-Contra-Diskussion zur Existenz von UFOs auf die Beine gestellt, in der ich die Skeptiker-Position vertreten und aufzeigen durfte, warum der UFO-Glauben keine empirische Wissenschaft, sondern eine neureligiöse Bewegung ist.

    Nun hat auch eine Zeitschrift um die Abdruckgenehmigung für den Vortrag gebeten. Und ein Belegexemplar geht an Bublath. Aus altem und neuem Respekt.

  2. An die Sendung erinner ich mich sehr gut, weil auch hier auf dem Blog die Diskussion darüber geführt wurde. Das war mit einer der ersten Artikel, die weiter verlinkt worden sind, was das Blog mit bekannt gemacht haben dürfte (unter anderem durch eine Platzierung auf der Yigg-Titelseite). Jedenfalls ist der Beitrag in meinen Statistiken heute noch unter den Top3 der separat abgerufenen Beiträge. Allerdings gings mir damals mehr um die Rolle von von Lucadou als die, der bedingt sich zurechnungsfähig gebenden (persönliche Wertung) der Hagen.

    Welche Zeitschrift ist es denn? Umwäld, die Leipziger Dependance von Nature? ;-)

  3. Wird dann auf dem Blog verraten, wenn es draußen ist! Bin da abergl… ääh… aus Erfahrung vorsichtig. (-:

  4. So, jetzt kann ich mein Versprechen einlösen. Der Artikel, der aus einem Vortrag hervorging, der wiederum wesentlich auch durch Dein Blog ausgelöst wurde, hat es sogar zur Titelstory im “Journal für UFO-Forschung” (Jufof) gebracht! (-:

    http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4833087/

    Ach, und: Du fragtest doch, ob und wann ich mal wieder nach Berlin komme!? Gar zu einem Vortrag, hier:
    http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4828780/

    Hoffe, wir lernen uns auch mal “in echt” kennen! (-:

  5. Durch meinen Blog ausgelöst? Ja, da müssen wir über die Tantiemen-Frage wohl noch mal sprechen.

    Hoffe, wir lernen uns auch mal “in echt” kennen! (-:

    Aah, gerade 16. Juni ist bei mir schon total verpl Das wird sich schon einrichten lassen :) Müssen wir uns noch mal zeitnah drüber absprechen, aber wenn ich Zeit hab, schau ich mir vielleicht sogar den Vortrag an.

  6. Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP) verleiht den Carl-Sagan-Preis 2008 an den Wissenschaftsjournalisten Dr. Joachim Bublath. Mit diesem Preis, benannt nach dem Astronomen Carl Sagan, zeichnen die Skeptiker Journalisten aus, die kritisch und mutig über Esoterik, Para- und Pseudowissenschaften berichten. Joachim Bublath erhält den Carl-Sagan-Preis für sein journalistisches Lebenswerk bei der GWUP-Konferenz am 1. Mai 2008 in Darmstadt. Mehr unter http://blog.gwup.net/2008/04/26/carl-sagan-preis-2008-fur-dr-joachim-bublath/

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