Weltanschauliche Abschätzigkeiten, als Bildungstermini getarnt
Da ich hier eh gerade ÖPNV-los und arbeitsunwillig leicht grippal angeschlagen vor dem Rechner sitze und sublim fiebernd vor mich hindenke, überlass ich euch mal das Forum. Anlass ist die (von skipo bemerkte) hübsche Abschätzigkeit Nichtgläubigen gegenüber im Begriff Neoatheisten von Alexander Kissler. Ist auch total neo, dass man denkt, wo der andere glaubt, und verbindet schön eine Unwahrheit mit dem konservativen Ressentiment gegenüber Veränderung: wer dem Atheismus eine lange Tradition gönnt, kann sich schließlich schwerlich aufregen, wie bedrohlich radikal, fundamentalistisch und unbekannt unverschämt das Infragestellen von Glaubenssätzen sei. Auf einfache Art kann man so Worte negativ belegen. Bezeichnet man einen Mathematiker erst mal als Neomathematiker, spricht man ihm damit zumindest unterschwellig sein Mathematikersein ab, und der Neosoziologe hat wohl die bewährten Grundlagen seiner Disziplin vergessen; selbst eigentlich wertfreie Fachbegriffe wie Neologismus sind inzwischen in der Öffentlichkeit eher negativ besetzt.
Das ist noch nicht besonders kreativ und sowieso nur geklaut. Wenn wir schon neue Begriffe prägen, die auf wissenschaftlich-gebildete Art abschätzende Bedeutungen transportieren, dann doch bitte richtig. Sprache muss Spaß machen! Und das ist jetzt euer Job: prägt neue Begriffe — von feingeistig abschätzig bis milde beleidigend. Also zum Beispiel, aus dem letzten Kommentarteil:
Palaötheist (skipos Antwort zu Neoatheist)
Vulgärtheismus
Credalsymptomat
Das Ganze natürlich im Rahmen. Zum Beispiel fände ich Analdogmatiker (als freudsche Bezeichnung für das Amt des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre) schon eher zu grenzwertig.
Wenn das gut genug läuft (schließlich ist es das erste Mitmach-Experiment hier), dann verlobe ich nach dem Ende den
3sat-Kulturzeit-Preis
Zu gewinnen gibts nichts außer zweifelhafte Ehre und vielleicht einen Link bei der Siegerehrung. Aber, wie gesagt, nur bei genügender Teilnahme, ansonsten lasse ich den Thread verschämt in den Weiten meines Blogs hinfortziehen! :-)
Und mitlesende Theisten, die sich ärgern, sollen sich nicht beleidigt fühlen, sondern mir stattdessen ihren Vorschlag für die schönste Anti-Atheisten-Abschätzigkeit in die Kommentare posten. Besser als Neoatheist bekommt ihr doch wohl hin. Bierernst ist später.
Abgelegt unter : Atheismus, Blasphemie, Interna, Kulturkampf, Polemik, Religion, Unsachliches

Dekalogiker: Ein Vertreter des Ohne-Gott-keine-Moral-Arguments.
Nasendekret: Kirchliche Verfügung ohne Realitätsbezug.
Psalmdudler: Abwertende Bezeichnung für Personen, die ein Zuviel an missionarischem Eifer aufweisen. Findet hauptsächlich Anwendung bei notorischen Bibelnachschlagern wie den Zeugen Jehovas, ist aber nicht auf diese Personengruppe beschränkt.
Der war jetzt nicht ganz wissenschaftlich, dafür blubberts ;)
Ah, die Wortspielfraktion :) Ich hätte noch
Reliquiöser (für Leichenteil-Pilger) und
Klerotiker (Anbetungsüberschwängler mit verhärtetem Herzen)
Über das Letzte muss ich noch mal nachdenken ;)
Theonanie: “Ich war unten, ganz unten, richtig unten. Nicht nur Alkohol-, Drogen-, Sex- und Tabletten-süchtig, sondern auch gemein zu Kindern, unhöflich zu alten Leuten und gehässig zu allen anderen. Dann aber habe ich Jesus als meinen Retter anerkannt. Am nächsten Tag war ich clean, verheiratet, fuhr einen Kombi und duftete nach Veilchen. Das tue ich auch heute noch. Komm Du auch zu Jesus und Du bekommst auch einen Kombi!” (so oder so ähnlich)
Profantheist: Leute, die nur zu Weihnachten in die Kirche gehen und ihr eigenes Verhalten insgesamt nicht von Religion oder Kirche beeinflussen lassen, aber anfangen von christlichen Werten zu schwafeln, wenn andere Menschen was machen, das ihnen nicht passt.
:) War klar, wir nähern uns sexuell konnotierten Themen. Für das Evangelikale Christival in Bremen möchte ich dann die Bezeichnung
Sackrahmenveranstaltung
einführen :)
[...] die dem entgegenlaufen. Sagt die Wikipedia zum Confirmation bias, und Kamenin weitet das noch auf religiöse Verhaltensweisen und die Rezeption von vermeintlich begründeten Zufälle [...]
Sorry, falscher Trackback, den kannst Du getrost löschen. Es sei denn Du stehst auf Zufälle ;)
On topic: Ich hätte noch Kateschismus zu bieten, bin mir aber nicht sicher, was ich daraus machen soll.
“Zufälliger” Trackback-Spam, schon klar ;-) Verkappter Kathoholiker, Du :)
Wenn’s “Moralapostel” nicht schon gäbe, müsste man es erfinden.
“Vater, Sohn und scheinheiliger Geist” oder wahlweise auch
“Vater, Sohn und heiliger Sch…” fällt mir gerade spontan zu dem neuesten Kommentar ein, den ich auf mein Stammzellpost erhalten habe.
Und aus dem “Moralapostel” wird dann, wenn er im Namen der Religion übles fordert, wohl ein “Amoralpfosten”.