Sonntags-Predigt für die Dekonvertierten: Die Religion Atheismus
Es ist Zeit, es mal offen zuzugeben: In unserer blinden Verehrung unserer atheistischen Führer, der unkritischen Annahme unüberprüfbarer Theorien wie der über die Nichtexistenz Gottes und auch in unserer fanatisch-militanten Ablehnung von Gebeten (selbst derer, die danach tatsächlich erfüllt werden) haben wir den Atheismus selbst zu einer Religion gemacht. Vielleicht wollten wir das nicht, aber bei nüchterner Betrachtung der Faktenlage erscheint mir dieser Schluss zwingend. Letztendlich überzeugt haben mich aber Edward Currents sehr klugen Worte:
Man muss das akzeptieren: Atheismus ist eine Religion, was viele gläubige Atheismuskritiker ja schon immer gewusst haben. Und da wir nun alle übereinstimmen, Gläubige und Nichtgläubige, sollte es eine leichtes sein, sich über die logisch folgenden Schritte zu verständigen:
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Erweiterung der Grundgesetz-Präambel um den Zusatz “einem möglicherweise nicht wirklich existierenden” in der Formulierung “Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott”, um auch unsere Religion als gleichberechtigt gewürdigt zu finden
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Von staatlicher Seite vollständig zu finanzieren: Atheismus-Unterricht für alle nicht konfessionell gebundenen Schüler, Atheistische Bekenntnischulen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, Atheistische Fakultäten und Lehrstühle an deutschen Universitäten
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Überproportionale Besetzung öffentlicher Gremien mit dezidiert atheistischen Vertretern
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Aussetzung des Betriebsverfassungsgesetzes für Angestellte an Betrieben und Einrichtungen atheistischer Trägerorganisationen
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Bereitsstellung kostenloser Sendezeit im öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk zur Verkündigung der atheistischen Botschaft
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Einen grundsätzlichen Anspruch auf Respekt und Sonderbehandlung im öffentlichen Diskurs, im Falle der Notwendigkeit gesetzlich zu regeln durch ein Gesetz gegen die Verunglimpfung des Atheismus
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Das Aufhängen atheistischer Symbole in Gerichtssälen und bayerischen Schulräumen
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Rund-um-die-Uhr-Übertragung aller Deutschland-Besuche Richard Dawkins und mehrstündige Live-Schaltungen in seinen Vorgarten zu noch festzulegenden alljährlichen Anlässen
Immerhin sind wir Nichtkonfessionelle ja nunmehr die größte Einzelkonfession in Deutschland. Zeit, der religiösen Diskriminierung ein Ende zu setzen. Die Ablehnung atheistischer Privilegien entspringt nur antireligiöser Perversion.
Von Edward Current war hier übrigens schon dieses Video — auf seiner YouTube-Seite gibt es noch 18 mehr.
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klug gedacht. Ich (nicht Atheist) sagte immer schon: mit Agnostikern ist es schwerer zu diskutieren als mit Atheisten. Diese haben ja auch einen klaren Wertekatalog. Diese total-Oppsition ist sicherlich genauso eine moderne Religion wie verschiedene andere Ersatzriten.
[...] Kamenin hat das noch sehr schön umschrieben. Lesenswert. [...]
@saibot
Der klare Wertekatalog muss bei mir in der Post verlorengegangen sein. Und die Opposition ist ja auch eher erkenntnistheoretischer, also in Hinblick auf Gott konsequent agnostischer Natur. Aber ansonsten passt’s schon.
@ Kamenin
Jetzt siehst Du mal, wie es uns Religiösen geht, wenn uns ständig Atheisten missio… ähm, bei Euch heißt es ja “aufklären” wollen. Wir fühlen uns wie Du bei diesem Video und fragen uns “Warum lässt uns der da nicht einfach sein, wie wir sind?”! (-;
PS: Biiiittteeee fangt nicht auch noch an, Leute zum Klingeln an die Haustüren zu schicken, zur gemeinsamen Gotteswahn-Auslegung und dem Verteilen von Ich-bin-Bright-Stickern und “Dawkins rettete mich vor der Unwissenheit”-Broschüren. (-;
@ saibot & Antwort kamenin
Tja, was soll ich sagen. Zusammen stimmts genau…
Ernsthaft: “Atheismus-Unterricht für alle nicht konfessionell gebundenen Schüler, Atheistische Bekenntnischulen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, Atheistische Fakultäten und Lehrstühle an deutschen Universitäten.”
In Berlin gibt es inzwischen humanistische Lebenskunde, die -obwohl dort außerhalb der Kernschulzeit gelegen und mit vielfach größerer Konkurrenz auch mit islamischem, buddhistischem u.a. RU- sehr gut angenommen wird. Und in NRW läuft, wenn ich mich recht entsinne, ebenfalls bereits eine Klage, die die Einführung fordert. Das GG und schon davor die WRV sprechen nämlich nicht nur von Religions-, sondern von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften.
Das ist was für Anfänger. Das überlassen wir den Zeugen Jehovas und den Evangelikalen, die, wie Du bestimmt gewusst hast, Werkezeuge unsere Logen sind, um die Menschen von der Hirnverbranntheit von Religion zu überzeugen.
Die atheistische Kernmission läuft heute tatsächlich über das Schwängern christlicher Ehefrauen. Aber das weißt Du ja ;)
Aber sobald dann der christliche Religionsunterricht dazu in Konkurrenz treten muss, am besten ebenfalls außerhalb der Kernschulzeit, schon ist das Geschreie groß. Darf man Geschreie sagen bei Bischöfen und Kirchenverbänden? Ich meinte natürlich die argumentativ-diskursive Nichtübereinstimmung.
Ja, und ihr solltet Euch einen Wachtturm zulegen ;-), also so eine Zeitschrift, mit der ihr in allen möglichen Ubahnhöfen rumsteht und von Haus zu Haus zieht. Und solltet die Argumente des Gurus Dawkins so auswendig können, dass der überraschte Bewohner eines Hauses beim Hausbesuch kein Land sieht … dann solltet ihr Königreichssäle gründen, in denen King Dawkins seine Botschaft unters Volk raunt….
vielleicht ganz interessant zum Thema:
http://www.fluter.de/de/67/buecher/6713/?tpl=162
Bisher besuchen die doch mein Haus / meinen Blog. Ob die dabei Land sehen, kann ich nicht beurteilen.
Nennen wir Universitäten und Bibliotheken. Funktioniert auch ganz gut.
Eine Kritik, die sich zusammenfassen lässt in den Sätzen: “Mir gefällt’s so nicht. Kein gutes Buch.” Na, da wird Dawkins aber was dran zu kauen haben.
“Die atheistische Kernmission läuft heute tatsächlich über das Schwängern christlicher Ehefrauen.”
Woher weisst Du (männlich, Rationalist, Atheist und damit weniger Intelligenz bei gläubigen Frauen erwartend? (-; ), dass es nicht die frommen Frauen sind, die sich als klug erweisen?
Siehe hier:
http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/natur-des-glaubens/gretchenfrage/2008-04-04/gretchenfrage-sind-religi-se-frauen-dumm
Hehe…
Hab ich doch schon gelesen (und das Argument wohl auch nicht zum ersten mal ;-)
Ganz im Gegenteil, ich halte die Frauen da sogar für sehr clever. Es wäre evolutionär nämlich nur gescheit, den Partner auf ein Regelwerk zu verpflichten, das selbst aber im Zweifel zu brechen. Gerade wenn man Religion als Genwettbewerb mit anderen Mitteln begreift, sollte man auch die spieltheoretischen Ansätze dazu sehr ernst prüfen: und da hat Gretchen dieselbe Veranlagung zur Täuschung wie Faust, gerade durch die Berufung auf Religion.
Das muss übrigens gar nicht mit Vorsatz geschehen, kognitive Dissonanz bei solchen Sachen ist nicht ungewöhnlich: man glaubt wirklich an die Regeln, aber ach, man ist ja sündhaft und wird schwach :) Eben wie Gretchen.
Also halte ich Frauen sowieso nicht für dumm, eher für hinterlistig und durchtrieben ;) Paradoxerweise gerade dann, wenn sie mit einem Gott hinter sich handeln.