Dabeisein macht gar nichts, aber Verlieren wär schön
Heute ist wieder so ein Tag, wo man noch ein bisschen mehr zögert, weiter ins Stadtinnere zu fahren, weil eben nicht nur die normalen Touristen hier rumhängen, alles verstopfen und anstaunen oder annörgeln — worüber man sich als Zugezogener sowieso nur selbstironisch gebrochen echauffieren sollte. Diesmal ist es auch kein Kirchentag mit anschließendem PUR-Konzert vor dem Brandenburger Tor, wobei auch hier gilt, dass ich bezüglich PUR vielleicht besser die Schnauze halten sollte, damit mir nicht irgendwelche debilen, blasphemischen Albumcover in die Kommentare gepostet werden.
Stattdessen ist Pokalendspiel, respektive -endspiele, und während ich letztes Jahr danach noch auf dem Breitscheidplatz war, um mit den Clubberern den wahnsinnig schön anzusehenden Sieg gegen die Schwäbischen Treter zu feiern, wird man mich da heute unter keinen Umständen finden. Bei Bayern gegen Dortmund weiß ich nun wirklich nicht, wem man mehr Demütigung wünschen würde. Die wär vermutlich für die Bayern größer, nach dem was die Schwach-Gelben in letzter Zeit so abliefern, aber dann wären die normalerweise überraschend umgänglichen BVB-Fans den nächsten Monat erst mal nicht mehr zu ertragen. Andererseits ist mein Chef Bayer… Wie man macht’s, es kann nicht richtig enden.
Und so wird’s dann nachher vermutlich etwas gemischt in meiner Schalker Kneipe, wenn man einfach nicht wissen soll, welche Tore man mehr bestöhnen oder gleich doch über welches Gegentor gegen die anderen man sich mehr freuen soll. Ein Versagen der olympiastadionalen Abwasseranlage mit anschließender Spontanverkloakung des Spielfelds wäre wohl das einzige, was da wirklich Stimmung verursacht.
Wie auch immer, auch ohne Club-Fans findet danach hier noch die Europäische Clubnacht statt, und zumindest von den Bayern-Fans weiß ich, dass die selbst nach Pokalsiegen besonders früh ins Bett müssen, man da also vergleichsweise wenig Gefahr läuft, auf solche zu treffen.
Die Gerüchte aus den Foren, dass der BVB gerade jetzt schon gegen Saarbrücken spielt, damit das Hauptspiel nachher zwischen den Bayern und dem FFC Frankfurt stattfinden und somit sportlich interessanter und ergebnisoffener verlaufen kann, haben sich derweils als unwahr herausgestellt.
Selbst die BVG hat versagt. Kein Spontanstreik trotz Tarifrundenabruch. Aber das hält die Schwachmaten und Speziefanten wenigstens von den Straßen.
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