Sherry Towers: Geschlechterdiskriminierung in der Teilchenphysik?

Unterschiedliche Geschlechterwahrnehmung und Ausgangspositionen für den wissenschaftlichen Berufsweg hatten wir hier schon mal betrachtet. In den USA wurde derweil eine Vorveröffentlichung publiziert, die sich mit statistischen Methoden der Frage nähern will, inwieweit es in wissenschaftlichen Kollaborationen tatsächlich zu direkter Diskriminierung von Frauen kommt.

Nun ist erst mal Vorsicht angebracht. Eine Vorveröffentlichung bei arXiv.org ist noch keine Veröffentlichung, auch wenn sich eine solche daraus noch ergeben kann. Insbesondere der kritische Begutachtungsprozess ist an der Stelle noch nicht durchlaufen, weshalb man bei der Beurteilung der Ergebnisse wesentlich kritischer zu Werke gehen muss. Dazu kommt noch die persönliche Geschichte der Autorin, die sich offensichtlich gerade in einem Rechtsstreit mit der Stony-Brook-Universität des Staates New York befindet: es geht um Mutterschaftsurlaub, umstrittene Beurteilungen ihrer Leistungen und entsprechende Gehaltseinbußen und Karrierebehinderungen. Den Fall kam man sich hier durchlesen, allerdings auch da mit Vorsicht, weil er dort hauptsächlich aus Sicht der Klagenden wiedergegeben wird. Trotzdem macht das vielleicht noch mal anschaulich, wie schwer es ist, ein grundsätzlich auf Zeitverträgen basierendes Arbeitsverhältnis mittels Antidiskriminierungsmaßnahmen wirklich zu fassen zu kriegen. Dazu kommt, dass die Autorin vorläufige Ergebnisse schon vor anderthalb Jahren benutzt hat, um eine formale Beschwerde gegen das das Experiment betreuende Fermilab in die Wege zu leiten; nachdem diese ihrer Darstellung nach ohne Folgen blieb, legte sie eine weitere, derzeit noch laufende formale Beschwerde beim zuständigen Ministerium ein, ebenfalls im Rahmen geltender Antidiskriminierungsgesetze.

Diese Vorgeschichte ist nicht wesentlich; die mag zwar zu doppelter Vorsicht mahnen, weil auch bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen immer die Person des Autors hereinspielen kann. Aber gerade bei Geschlechterfragen gibt es nun mal keine wirklich neutrale Position. Und das Wesen wissenschaftlicher Argumentation besteht eben gerade darin, dass sie in sich schlüssig sein und für sich selbst sprechen muss. Die persönliche Situation der Autorin belegt weder, noch wiederlegt sie etwas. Insofern ist ein Blick auf die Ergebnisse und die Methodik dringend angebracht.

Die Autorin Sherry Towers [1] wertet dazu die internen Daten einer Hochenergiephysik-Kollaboration aus, dem Run II des D0-Experiments, der seit 2001 Daten am Fermilab aufnimmt, und analysiert diese nach den Beiträgen von 48 männlichen und 9 weiblichen, durchweg „weißen” Postdocs und ihren Karrierewegen nach ihrer Postdoc-Zeit. Zum einen findet sie dabei, dass weibliche Postdocs wesentlich häufiger an internen Vorveröffentlichungen beteiligt sind als ihre männlichen Kollegen, was sie als Zeichen höherer Leistung einschätzt. Das ist insoweit konsistent, als dass die Kollaboration ihre tatsächlichen Veröffentlichungen gemeinsam publiziert und insofern nur über die Beiträge zu den internen Vorveröffentlichungen eine Unterscheidung getroffen werden kann, wer wieviel zu den Ergebnissen der Kollaboration beigetragen hat; was mithin auch der Grund für die D0-Kollaboration ist, über diese Vorveröffentlichungen genau Buch zu führen. Dazu erscheinen die weiblichen Postdocs wesentlich häufiger auf technischen Vorveröffentlichungen; dies nimmt sie als Indiz, dass Frauen vergleichsweise mehr technische Arbeiten am Experiment verrichten müssen als ihre männlichen Kollegen. Technische Arbeiten meint hierbei die Betreuung des Experiments selbst, die von den Nachwuchswissenschaftlern nebenbei geleistet werden muss, während die eigentlich spannende Physik bei der Auswertung der gewonnenen Daten abläuft.

Obwohl also die weiblichen Postdocs signifikant mehr leisteten und scheinbar dazu noch mehr technische Arbeiten leisten müssten, zeigt sich das nicht in der Verteilung der Konferenzvorträge, die von der Kollaboration verteilt werden. Die männlichen Postdocs dürfen demnach deutlich häufiger auf Konferenzen vortragen und damit ihre Arbeit und ihren Namen bekannt machen, mit offensichtlichem Vorteil für die Karriere. Und abschließend zeige sich die Andersbehandlung von Frauen darin, welche Faktoren für die spätere wissenschaftliche Karriere, hier also die Aufnahme in Fakultätspositionen, ausschlaggebend seien: für Männer sei dies hauptsächlich die Zahl der internen Vorveröffentlichungen, an denen sie mitgewirkt haben; für Frauen ein von Towers eingeführter Sozialisations-Index, der grob in etwa angibt, mit wie viel anderen Wissenschaftlern man zusammengearbeitet habe, und die Zahl der gehaltenen Konferenzvorträge.

Towers sieht damit eindeutig belegt, dass Frauen in dieser Kollaboration (in der sie selbst mitgearbeitet hat) diskriminiert werden, sieht die Wahrscheinlichkeit, die Daten nur mittels Zufall und ohne Diskriminierung erklären zu können, statistisch bei unter einem Prozent, und schließt, dass von den neun betrachteten weiblichen Postdocs bei Gleichbehandlung sechs eine Fakultätsstelle hätten bekommen sollen, anstelle der vier, die das tatsächlich geschafft haben. Der letzte Punkt ist wohlgemerkt ebenfalls statistisch, um die Auswirkung der Diskriminierung abzuschätzen, und bezieht sich nicht auf zwei bestimmte Postdocs.

Erscheinen die Daten in Towers eigenem Resümee insofern eindeutig, muss man das bei einer kritischen Betrachtung der Untersuchung zumindest einschränken. Als erstes muss man feststellen, dass prozentual tatsächlich mehr Frauen in Fakultätsstellen befördert werden als ihre männlichen Konkurrenten (44% gegenüber 36%). Für überdurchschnittliche Männer, deren Leistung nach Towers immer noch etwas schwächer sei als die der Frauen, beträgt die Zahl derweil 46%. Insofern scheint das einerseits zu belegen, dass weibliche Postdocs tatsächlich mehr leisten; und das ist auch konsistent mit anderen Untersuchungen, die nachzuweisen versuchten, dass man als weibliche Nachwuchswissenschaftlerin überdurchschnittlich gut sein muss, um überhaupt eine Postdoc-Stelle anzustreben. [2] Zum anderen zeigt es aber auch, dass die Geschlechtsdiskriminierung innerhalb der Kollaboration immerhin nicht ausschließt, dass Frauen, die eine Universitätskarriere anstreben, diese zumindest auch verwirklichen können, wenn vielleicht auch schwieriger als die männlichen Kollegen.

Towers Punkt ist damit nicht, dass Frauen grundsätzlich keine Karriere machen können, sondern dass es eigentlich mehr sein sollten, denen dies auch gelänge, wenn es denn gerecht zuginge, nämlich etwa 66%, rein nach den von Towers aufgestellten Leistungskriterien. Jetzt sind diese Leistungskriterien aber nicht dermaßen ergiebig und können statistisch auch sehr wohl in Zweifel gezogen werden.

Tatsächlich scheinen Frauen an wesentlich mehr Vorveröffentlichungen beteiligt als die Männer. Betrachtet man aber nur die wirklich physikalischen, nicht die technischen Veröffentlichungen, und diese sind nun mal für das Fortkommen in der Hochenergie- oder Teilchenphysik ausschlaggebend, ist dieser Vorsprung sehr gering. Und dieser Vorsprung verkehrt sich sogar in das Gegenteil, wenn man sich Towers’ anderen Maßstab, die Sozialisation, ansieht. Eine hohe Sozialisation wird dadurch erreicht, dass man mit vielen anderen Wissenschaftlern auf der Autorenliste steht. Das ist aber gerade nicht ein Zeichen, besonders viel zu der Veröffentlichung beigetragen zu haben, weswegen Alleinveröffentlichungen oder zumindest Veröffentlichungen in kleiner Gruppe eigentlich ein wesentlich besseres Merkmal dafür sind, eigenständige Arbeit eingebracht zu haben. Da nun aber die weiblichen Postdocs einen deutlich höheren Sozialisations-Index aufweisen können als die männlichen, ergibt sich im Schluss daraus, dass Männer, was allein die physikalischen Veröffentlichungen angeht, diesbezüglich sogar mehr leisten. Oder am Beispiel: ein Postdoc, der in seiner Zeit am D0 eine Vorveröffentlichung alleine schreibt und eine andere in einer kleinen Gruppe herausbringt, mag (muss aber nicht) wesentlich mehr geleistet haben als ein anderer, der auf sechs Papern auftaucht, da aber jeweils nur als einer unter 30 anderen Namen. Nach Towers’ Metrik „leistet” aber der zweite Doktorand drei mal soviel und verfügt zudem noch über eine hohe, ebenfalls positiv bewertete Sozialisation.

Gleichermaßen sieht es für die Vergabe von Konferenzbeiträgen aus. Gerade wenn jemand eine Veröffentlichung alleine schreibt, was bei Männern offensichtlich häufiger vorkommt, wird er gute Chancen haben, diese Ergebnisse auch vortragen zu dürfen, vielleicht sogar mehrmals. Nach Towers wäre das ungerecht, weil da mehrere Konferenzbeiträge nur durch eine Veröffentlichung gedeckt sind. Gleichsam kann jemand, der an drei Veröffentlichungen nur am Rande beteiligt ist, vielleicht gar nicht vortragen. Gerade das stellt deshalb aber noch keine Diskriminierung dar, sondern gewichtet die Leistung der Mitautoren vielleicht sogar besser als die reine Mitautorenschaft. Zumindest kann man das aus den Zahlen allein nicht ausschließen.

Zum Abschluss müssen wir zwei Fragen angehen, die Towers selbst nicht erörtert hat und die die Ergebnisse zumindest auch in einem anderen Licht erscheinen lassen können. Zum einen ist die Frage, was die Postdocs eigentlich erreichen wollen. Wenn das zuständige Gremium der Kollaboration zum Beispiel die Konferenzbeiträge vergibt, dann wird es das in Rücksprache mit den Professoren tun, die ihrerseits vermutlich ihre Kandidaten vorschlagen. Bei solchen Empfehlungen wird es aber insbesondere darum gehen, wer solche Vorträge denn nun für seine Karriere braucht. Wenn weibliche Forscher vielleicht zu einem geringeren Teil überhaupt eine Universitätskarriere anstreben, werden diese dann auch weniger berücksichtigt werden. Das mag für sich selbst ebenfalls auf eine biologische oder kulturelle Benachteiligung zurückzuführen sein, wie sie hier schon erörtert wurde, aber es stellt dann eben keine direkte Diskriminierung innerhalb der Physik mehr dar, wie Sherry Towers sie hier untersuchen will.

Zum anderen kann man sich mal versuchen vorzustellen, wie es aussehen würde, wenn Fakultäten und Professoren ihre weiblichen Postdocs tatsächlich aktiv zu fördern versuchten. Das könnte sich zum Beispiel auch dadurch bemerkbar machen, dass man Mitarbeiterinnen mehr Möglichkeiten eröffnet, an Vorveröffentlichungen mitzuwirken, unter Umständen sogar soweit, dass man eher als sonst geneigt ist, sie als Mitautor aufzunehmen; dazu werden sie möglicherweise auch ermutigt, vielleicht ansonsten weniger wichtige technische Details ebenfalls zu veröffentlichen. Das Ergebnis wäre somit für die weiblichen Postdocs: mehr Veröffentlichungen als ihre männlichen Konkurrenten, davon vermutlich signifikant mehr in der eher unwichtigeren technischen Sparte als in der physikalischen, in der die Autorenschaft besser kontrolliert, weil insgesamt wichtiger ist; korrelierend dazu ein höherer Sozialisations-Index, weil man auf mehr Veröffentlichungen draufsteht und dann eben auch mit mehr anderen. Diese Ergebnisse finden sich so in der Studie, aber das, was damit eigentlich Förderung oder sogar Bevorzugung wäre, würde nach Towers’ Metrik wie eine Diskriminierung wirken.

Jetzt bitte ich das nicht falsch zu verstehen. Die Interpretation als „versteckte Förderung” ist kein ernsthafter Erklärungsversuch für die geschlechtsspezifischen Datenunterschiede. Das soll nur zeigen, dass die Statistik, so wie sie ist, nicht besonders eindeutig ist. Dass es Sherry Towers eher darum ging, etwas zu beweisen als etwas zu untersuchen, kann man an der selektiven Definition ihrer Indizes zeigen, die teilweise bewusst so gewählt sind, dass sie die Eigenheiten der Daten jeweils für die These unterstützend ordnen. So, wie diese gewählt sind, erlauben sie eben wenig Rückschluss, sondern allenfalls Indizien darauf, wo und wie es in der D0-Kollaboration zu Diskriminierungen kommen könnte. Es bleibt zu untersuchen, warum Frauen so signifikant seltener auf Konferenzen vortragen können, warum sie ihre Zeit mit im Vergleich weniger sinnvollen technischen Vorveröffentlichungen verbringen, anstatt sich in die tatsächliche Physik zu hängen. Tatsächlich mag das auf Diskriminierung zurückgehen. Und immerhin hat Sherry Towers gezeigt, dass die wissenschaftliche Laufbahn von Frauen in ihrer Postdoc-Zeit zumindest anders abläuft als die von Männern. Nur der Nachweis, dass dies tatsächlich auf direkte Diskriminierung zurückzuführen ist, ist aufgrund der verschwommenen und so noch nicht aussagekräftigen Kategorisierungen zumindest anzweifelbar.

Was in sich aber auch keinen Gegenbeweis darstellt.

[1] Sherry Towers: A Case Study of Gender Bias at the Postdoctoral Level in Physics, and its Resulting Impact on the Academic Career Advancement of Females, arXiv:0804.2026v3, Physics & Society [pdf]

[2] Auch das kann auf direkte Diskriminierung zurückzuführen sein. Es kann aber auch bedeuten, dass man als Frau eine eher unsichere Karriere wie die wissenschaftliche nur dann anstrebt, wenn man sich seiner Qualitäten selbst schon sicherer ist.

[gefunden via zapperz und Julianne Dalcanton]

10 Responses to “Sherry Towers: Geschlechterdiskriminierung in der Teilchenphysik?”

  1. Dazu kommt noch, dass Frauen in der Physik immer noch Exoten sind, was wir auch wissen. Ich hab schon den Eindruck, dass viele Frauen sehr viel selbstkritischer sind und von daher von sich aus weniger gerne auf Konferenzen sprechen oder weniger Paper schreiben als die männlichen Kollegen. Oder sich weniger trauen, Fragen zu stellen, aus Angst sich zu blamieren.

    Dieses auf Nummer sicher gehen wollen, steht doch deutlich im Vordergrund und dann wird lieber einmal zuviel geprüft, anstatt einfach mal schnell was zu schreiben.

  2. Ich bin gerade über diesen Artikel gestolpert, der ganz gut zu dem Thema passt: http://twistedphysics.typepad.com/cocktail_party_physics/2008/04/let-me-explain.html

  3. [...] im Blog “Begrenzte Wissenschaft” hat kamenin allerdings eine interessante Studie kommentiert, die genau die unterschiedlichen Karrierechancen in den Blick nimmt.Und dabei zeigt sich, wie [...]

  4. @ Ludmila

    Ja, das ist ein wichtiger (aber leider auch sehr komplizierter) Punkt. Ich weiß nicht, ob das wirklich erst mal was mit dem Exotenstatus zu tun hat, obwohl das sicher verstärkend hinzukommt. Aber vielleicht ist das dann doch eher ein ganz anderes sozialisiertes Diskursverhalten, andere Ansprüche ans Auftreten etc. Das führt dann schon in den Kern jeder Gender-Diskussion. Und das kann natürlich nur noch sehr begrenzt von Universitäten wieder aufgefangen werden.

    Ein Punkt, der funktionieren kann, ist, Frauen früh Verantwortung über Diplomanden und Studenten zu geben. Aber als Mann (oder männlicher Professor) tut man sich damit auch nicht leicht, weil es ja auch irgendwie patronisierend rüberkommen kann und zusätzliche Arbeitsbelastung für die Mitarbeiterin bedeutet, was dann auch anders ausgelegt werden kann. Klar sollte sein, dass zur Kritik sowieso ermutigt wird bzw. unsachliche Kritik oder eine andere Reaktion auf weibliche Kritik nicht vorkommen darf.

    Aber was sollte man Deiner Meinung nach dagegen tun? Oder sollte das Institut / der Chef überhaupt was tun oder das lieber in der Verantwortung der Frau lassen?

  5. Also ich als Frau in der Wissenschaft habe bisher nicht das Gefühl gehabt, weniger Vorträge zu halten oder Paper zu publizieren als meine Kollegen. Ich möchte allerdings auch nicht besonders gefördert werden, das, was ich erreiche, möchte ich gegen genauso viele (oder wenige) Hindernisse wie Männer erreichen.
    Das einzige, worauf Arbeitgeber besonders achten sollten, ist meiner Meinung nach die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere. Ansonsten halt nur Frauen nicht schlechter behandeln als Männer, dann passt das schon.

  6. Ich glaube die Einstellung des Chefs einer Arbeitsgruppe macht schon viel aus. Er sollte Frauen und Männer jetzt nicht unterschiedlich anpacken, aber..

    ein Chef sollte verstehen, dass wir auch ein Recht auf Freizeit und Familie haben. Aber das sollte für alle gelten, auch für Euch Männer ;-) Diese 60-Stunden-Wochen sind einfach nicht erstrebenswert. Und die Chauvi-Männer gibt es zwar teilweise immer noch, sind aber zum Glück eine aussterbende Spezies.

    Dann ist es bei uns tatsächlich so, dass mein Chef zugibt, dass er bewusst darauf achtet, eine vom Geschlecht her recht ausgewogene Arbeitsgruppe zu haben. Er bietet z.B. von sich aus gerne mal fleissigen Studentinnen einen Job an oder legt die Bewerbungen von Frauen nach ganz oben.

    Auch wenn es erst mal komisch war, zu erfahren, dass das Geschlecht bei meiner Auswahl eine gewisse Rolle spielte.

    Inzwischen ist das ein selbstverstärkender Effekt. Ich hab schon den Eindruck, dass weibliche Studenten sich gerne dort bewerben, wo bereits Frauen tätig sind - und wenn dann das Arbeitsgebiet noch spannend ist… Als ich in Bonn in eine Arbeitsgruppe ging, fing wenige Monate später meine Freundin dort an.

    Das mit der gezielten Frauenförderung ist natürlich ein zweischneidiges Schwert … Aber es kann funktionieren.

    Und wenn der Frauenanteil hoch genug ist, dann wird beim Kaffee eben auch über die typischen Probleme weiblicher Wissenschaftler gesprochen. Ein weiblicher Postdoc als Ansprechpartner ist auch ganz nett.

    Zur Not kann ich mit meinen Freundinnen aus Studienzeiten quatschen. Die eine ist in der Wirtschaft und kennt die Probleme dort und die andere hat während ihrer Promotion ein Kind bekommen (Respekt!) und weiß, wie schwierig das ist mit Familie und Forschung.

    Damit kommt der nächste Punkt, der wichtig ist. Frauen in der Forschung sollten miteinander reden und sich austauschen und unterstützen.

    Dann wäre da noch die gezielte Förderung von Mädchen für technische Fächer. Dann würde hoffentlich die Frauenquote ansteigen und dann erledigen sich viele Probleme von selbst.

  7. @ Dejah

    Also ich als Frau in der Wissenschaft habe bisher nicht das Gefühl gehabt, weniger Vorträge zu halten oder Paper zu publizieren als meine Kollegen.

    Das Gefühl hab ich in meinem Umfeld auch nicht, aber die persönliche Sicht kann da ja auch täuschen. Dass Towers’ halbwegs belastbare Statistik rauskriegt, ist ja immerhin schon mal ein Zeichen.

    @ Ludmila

    Inzwischen ist das ein selbstverstärkender Effekt. Ich hab schon den Eindruck, dass weibliche Studenten sich gerne dort bewerben, wo bereits Frauen tätig sind - und wenn dann das Arbeitsgebiet noch spannend ist… Als ich in Bonn in eine Arbeitsgruppe ging, fing wenige Monate später meine Freundin dort an.

    Das habe ich so auch erlebt, und verständlich ist es ja auch. Aber sobald man eine Doktorandin oder Diplomandin dabei hat, ist die Schwelle wesentlich geringer für andere. Und dann bringen Diplomandinnen noch Freundinnen mit usw.

    Damit kommt der nächste Punkt, der wichtig ist. Frauen in der Forschung sollten miteinander reden und sich austauschen und unterstützen.

    Auf jeden Fall. Zumindest bei uns am Institut gibt es auch solche Gruppen, wobei das institutionalisierte wohl auch immer etwas abschreckt.

  8. [...] Sherry Towers: Geschlechterdiskriminierung in der Teilchenphysik? [...]

  9. warum hast du dir eigentlich gerade diese studie angeschaut - und nicht eine x-beliebige andere? statistische fehler lassen sich in nahezu jeder (natur)wissenschaftlichen studie nachweisen. das liegt schon daran, dass die stichproben meist sehr klein sind, “störgrößen” nicht beachtet werden und signifikanz als wichtiges kriterium eingestuft wird, deren berechnung kaum jemand überschaut. das frauen in wissenschaften noch immer diskriminiert werden und schlechtere aufstiegschancen haben, dürfte ja außer frage stehen (das zeigst du ja auch in deinem anderen artikel in diesem blog). selbstverständlich kannst du dir auch diese studie ansehen, aber ich frage mich: das erkenntnisinteresse? eine auseinandersetzung mit biologistischen geschlechtsunterscheidungen finde ich persönlich derzeit drängender. s. schmitz zeigt bspw. auch schlicht methodische fehler am beispiel der hirnforschung auf: http://www.linksnet.de/artikel.php?id=1693

  10. warum hast du dir eigentlich gerade diese studie angeschaut - und nicht eine x-beliebige andere?

    Vermutlich weil ich neugierig war, ob ich etwas draus lernen kann, schließlich betrifft es mittelbar auch meinen eigenen Arbeitsbereich, und in der Teilchenphysik habe ich früher auch gearbeitet.

    das liegt schon daran, dass die stichproben meist sehr klein sind, “störgrößen” nicht beachtet werden und signifikanz als wichtiges kriterium eingestuft wird, deren berechnung kaum jemand überschaut.

    Keine Studie kann alle Wechselwirkungen und Zusatzkorrelationen untersuchen, und jede ist an ihre Stichprobengröße gebunden, die gerade hier auch vorgegeben und nicht beliebig erweiterbar war. Wäre das meine einzige Kritik an der Auswertung gewesen, wäre es nur ein banaler Hinweis gewesen; die Ergebnisse hätte ich wohl anders bewertet. Hier habe ich aber einige Zweifel an der Eignung der untersuchten Parameter und zusammengestellten Verknüpfungen, um daraus die von der Autorin getroffenen Folgerungen zu belegen.

    das frauen in wissenschaften noch immer diskriminiert werden und schlechtere aufstiegschancen haben, dürfte ja außer frage stehen (das zeigst du ja auch in deinem anderen artikel in diesem blog).

    In meinem anderen Artikel, wenn Du den hier meinst, zeige ich eben nicht direkte Diskriminierung in der Physik, wie Towers sie hier untersucht, sondern die Auswirkungen gesellschaftlich ungleicher Setzungen auf eine an sich “neutrale” Physik. Das ist ein Unterschied.

    selbstverständlich kannst du dir auch diese studie ansehen, aber ich frage mich: das erkenntnisinteresse?

    Introspektiv hatte es zumindest den Anschein. Darüber zu spekulieren, was für unbewusste Vorurteile und Wünsche an das Ergebnis schließlich in die Bewertung reinspielen, ist müßig, weil per Definition unbeantwortbar. Das ist aber für die kritische Auseinandersetzung, so sie auf der sachlich statistischen Ebene der von der Autorin gewählten Argumentation stattfindet und nicht ein rein obskurierendes “Signifikanz/Statistik könnte größer sein” darstellt, eine geringere Rolle.
    Gleichsam die Gegenfrage: Warum sollte es kein Erkenntnisinteresse sein? Wenn man sich mit einer Studie, die mehr Probleme hat als nur geringe Stichprobengröße, nicht mehr kritisch genug auseinandersetzt, weil einem die Ergebnisse gefallen, hat man sich damit auch aus der wissenschaftlichen Auseinandersetzung verabschiedet. Und der Hinweis auf eventuell unbewusst vorhandene Motivation ist auch nur obskurant, weil er sich um die hier geführte Sachdebatte drückt.[**]
    Zumal ich gar nicht bestreite, dass Towers einige interessante Unterschiede in den Daten aufgezeigt hat; nur die als zwingend behauptete Beweisführung halte ich für methodisch fragwürdig.

    eine auseinandersetzung mit biologistischen geschlechtsunterscheidungen finde ich persönlich derzeit drängender.

    Dann hast Du dieselben Möglichkeiten wie ich, Dich damit auseinanderzusetzen und Deine Ansichten zu publizieren. Das hier ist nun mal kein Gender-Blog, sondern erst mal mein privater, mit eh schon weit überzogenem Zeitbudget. Es ist durchaus interessant, wie Geschlechtskonstruktionen auch in die Deutung von Ergebnissen in dem Bereich reinspielt — das ist allerdings auch kein inhärenter Nachteil der Methoden von Hirnforschung, sondern zieht sich so durch einen Großteil der medizinisch-psychologischen und EvPsy-Forschung, damit also auch durch die, die sich auf Hirnforschung beruft. Durchaus interessant, aber ob und wann ich hier mehr dazu schreibe (frühe Versuche über die bei solchen Studien vorherrschende Naivität hier und hier), kann ich nicht sagen. Und Auftragsarbeiten nehme ich zumindest derzeit nicht an ;-)

    [**] Die Sachdebatte dreht sich dabei um die Methodik und Aussagekraft der Veröffentlichung, nicht um die Frage nach Diskriminierung und Frauenbenachteiligung im Allgemeinen.

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