Begrenzte Wissenschaft goes Lehrstoff… oder so ähnlich
Gut, es ist noch nicht soweit, dass in deutschen Instituten Dissertationen und Abhandlungen über dieses Blog verfasst werden. [1] Deren Inhalt ich dann vielleicht auch gar nicht kennen möchte: Zwischen Arroganz und Larmoyanz — Diskursversagen von Wissenschaftlern im digitalen Raum. Oder: Begrenzte Reichweite — wie man es nun wirklich nicht macht. Egal.
Denn ab heute, erster und notwendiger Schritt, ist dieses Blog in die Riege akademisch qualifizierter Quellen aufgenommen worden (Tusch!) — im Rahmen des Seminars von Volker von Prittwitz zum Thema “Journalistische und künstlerisch-unterhaltende Medien der Politikanalyse” gehört dieses Blog zum Lehrstoff. Am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin (Tusch! Zweimaliges Absingen der Internationale!), der einzigen wirklichen Eliteuniversität, wird es am 29. Mai um “Interaktive Formen der Beschäftigung mit Politik (Blogs, Chats, Rundfunk-Talks)” gehen. Was liegt da näher als ein Verweis auf diesen meinen Beitrag?
Aus diesem Anlass gibt der Zentralblogsvorsitzende bekannt:
‘Nossinnen und ‘Nossen! An diesm — stollsn! Ja? wohl! stollsn — Tahche für dies unseres Blogs kann ich mit pochm’n Herssn und klarm Verstann verkünn’n: der Plan is erfüllt. Übererfüllt, ‘Nossinn’n und ‘Nossn. Die gechischlich fesgeschriebm Verleitmädisierun dies unseres Blogs geht striktn Fuß voran, voran geht sie. Möhchen auch die Ewich-Kestrichn, die Nörchler und Däfetissn weiter nörcheln und däfettiern, möchn sie auch lühchn und trühchn, dass nich dies unseres Blogs im wissnschafflichn Sentrum dies Säminahs stehn solle, sonnern nur der in dies unserem Ährenbeitrach ärwähnteh… Wissnschaffstohlk… die G’chischche wihrsse noch läären, sss ss sss’s, ’s! ‘Nossinnen und ‘Nossen: Dies unsers Blog in sainen Schrieb, is Akadämkern und Studntn lieb! Dies unsers Blog, dies Blog, das hatt immer rech, ‘Nossinn’n und ‘Nossn, und so bleib ihr halt dabei!
Soweit der Zentralblogsvorsitzende. Der wohl nur noch mal sicherstellen wollte, dass ich trotz Verlinkung nicht persönlich zum gegenüber um die Ecke stattfindenden Seminar mit anschließendem Schnittchenempfang eingeladen werde. Aber wenn jemand anderes noch in der Nähe ist: Donnerstag, 29. Mai, 18 Uhr im Raum 21/E. Ich tröste mich solange mit dem Gedanken, dass Studenten jetzt schon gezwungen werden, sich mein Zeug durchzulesen. Also, OSI-Studenten, neues Motto: Murks statt Marx. Weiterlesen.
In diesem Sinne (Bankangestellte beim Bürosurfen: Ton leise drehen!):
Es rettet uns kein hö´hres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun.
Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!
[1] Na, vielleicht eine. Aber die ist auch eher randthematisch mit dem Blog hier verknüpft.
Nachtrag: Die hinter sorgsam vorgehaltener Hand verbreiteten Gerüchte über die politische Ausrichtung des OSI sind übrigens allesamt unwahr!
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Na dann möchte ich doch mal gratulieren. ;-) Als allererste, hier offiziell.
Bis Abhandlungen über Dein Blog geschrieben werden, ist es bestimmt nicht mehr weit. :-) Wenn mir eine passende Verknüpfung zu meinem zukünftigen Fachbereich einfällt, werde ich noch einmal anklopfen.
Aber ich kann Dir noch ein kleines, persönliches Lob aussprechen: Du hast es geschafft, dass ich mir nicht mehr einbilde, mein Scheitern in den Naturwissenschaften läge außschließlich an mir. Nein, mitlerweile mache ich eigentlich nur noch die Unterrichtsgestaltung und die Leerkörper dafür verantwortlich (zu einem kleinen Prozentsatz auch mein pubertätsbedingtes Desinteresse) - ich liebäugle damit, mir ein “Physik für Dummies”-Buch anzulegen (gibt es sowas ?) um meine Defizite in diesem Teil der Allgemeinbildung zu begleichen. Damit auch ich meinen Kindern die Spiegelungen im Wasser ordentlich mittels Lichteinfall etc. erklären kann. Und auch so, für mich eben.
Ich glaube, Physik und Chemie sind im Grunde garnicht so öde, wie es mir immer vermittelt wurde. Menschen, die sich damit beschäftigen, scheinen schließlich auch ziemlich normal zu sein und finden da was dran.
Danke, danke, viel zu viel der Ehre! Auch wenn mich ein wenig misstrauisch macht, dass Du ausgerechnet unter den Post hier setzt, dass Physiker normal zu sein scheinen ;-)
Eigentlich will ich was längeres darauf antworten, dass Physik und Chemie nicht so öde sind, wie sie dargestellt werden, und die Bücherfrage fließt da mit ein, weil ich die danach beurteile, was für mich Physik eigentlich ausmacht. Ich muss da noch mal drüber nachdenken, vielleicht fass ich das auch als eigenen Post noch mal zusammen oder schreib länger, welche Bücher ich warum empfehlen würde.
Bücher über Alltagsphysik und populärwissenschaftliche Einführungen gibt’s inzwischen eine Menge, aber mir fällt spontan nicht das Buch ein, dass ich Dir allgemein empfehlen könnte. Kommt ja auch auf Dein Vorwissen an und welche Fragen/Untergebiete Dich gerade interessieren. Ich denk mal drüber nach.
Bis dahin können vielleicht ja auch Leser aushelfen? Irgendwelche Empfehlungen?
Es gibt bei pro-physik noch einen Physiktrainer; die interaktiven Aufgaben und Simulationen sehen einigermaßen interessant aus, richten sich vermutlich aber doch eher an den Leistungskursler. Und dann gibt’s natürlich noch wissenschaftliche Blogs, wenn auch nicht so besonders viele naturwissenschaftliche und wohl keine, die das Reflexionsgesetz noch mal aufgreifen. Aber zum Beispiel bei Lars Fischer findest Du öfter witzige oder spektakuläre Phänomene mit wissenschaftlicher Erklärung. Ist vielleicht nicht ganz, was Du suchst, aber wenn Du mitliest, hast Du bestimmt ordentlich was gelernt, bevor das Bratz anfängt, Fragen zu stellen :)
ps. Es gibt genug Physik, die ich auch öde finde. Festkörperphysik ist so ein Beispiel. Und dann erst Chemie, da gibt’s langweilige Sachen… Sag besser Lars nichts davon…
Mir gefällt, dass du in deinen physikalischen Exkursen auch die philosophische Interpretationsebene mitklingen lässt.
Meines Wissens gibt es in Deutschland nur an der Uni Augsburg einen Lehrstuhl für die Verbindung von Philosophie und Wissenschaftstheorie unter Leituung des Physikers Klaus Mainzer. Ich hoffe, er ist auf die “Begrenzte Wissenschaft” auch schon aufmerksam geworden.
*Und dann erst Chemie, da gibt’s langweilige Sachen… Sag besser Lars nichts davon…*
Ich les doch mit. ;-)
Festkörperchemie ist übrigens mindestens so öde wie Festkörperphysik: Rein in den Ofen, zehn Tage warten, raus aus dem Ofen, Röntgenbeugung, Beugungsmuster auswerten. Rinse and repeat.
@ Lars
Beugungsmuster sind theoretisch unheimlich interessant. Solange man sich oberflächlich und grundsätzlich anguckt, wie und wieso die entstehen. Aber noch mal lernen müssen, wie man von tatsächlichen Beugungsmustern auf die Einheitszellen zurückschließt, am besten generalisiert… wenn nach der zweiten Zeile das erste Produktzeichen noch nicht geschlossen ist und die ganze Gleichung kaum auf eine Seite Papier passt… Gnade…
@ oxnzeam
Der Welterklärungsplan ohne Zuhilfenahme von oder zumindest Beschäftigung mit Philosophie scheint derweil halt noch nicht wirklich realistisch ;-)
Mit Mainzers Schaffen bin ich nicht vetraut, aber seine Buchliste sieht zumindest soldie und lesenswert aus. Inzwischen reagier ich schon leicht paranoid, wenn ich ansonsten das Wort Wissenschaftstheorie höre, weil sie dermaßen oft missverstanden und missbraucht wird: die letzte Ausrede der Obskurantisten. Gerade hat noch der Vorzeigereligiöse Manfred Lütz wieder “den Atheisten um Dawkins” vorgeworfen, wissenschaftstheoretisch auf dem Stand des 19. Jahrhunderts zurückgeblieben zu sein. Manche Leute kann man gar nicht so oft öffentlich zurechtweisen, wie man eigentlich müsste, und von dem das Interview führenden Journalisten zu erwarten, dass er mal nachhakt, kann man ja auch nicht mehr.
Okay, das war jetzt ein Off-Topic-Rant. Danke fürs Kompliment! :-)