Zwei Kulturen (2): Liebe und Menschlichkeit gegen Naturwissenschafts-Unterkühlung

Eigentlich ein Bloghinweis. Aber gleichsam wieder ein Indiz, dass es immer hilft, etwas zumindest hinterfragbares, wenn nicht gar fragwürdiges, zu schreiben, um von hier verlinkt zu werden. Ich entschuldige mich ausdrücklich dafür und kann nur noch mal darauf hinweisen, dass ich nicht aus naturwissenschaftlichem Stolz versuche, mir eine eine Pose sozialen Ungelenks zuzulegen. Das wäre schäbig.

Auf dem noch neuen Brainlog Sichtweisen strebt Christian Wolf einen Brückenschlag zwischen Natur- und Geisteswissenschaften an. Das klingt als Mission Statement erst mal begrüßenswert gut. Und ich nutze die Gelegenheit auch noch mal, um auch aus der Sicht des Radikal-Hardcore-Naturalisten festzustellen, dass nirgendwo im Manifest der naturalistischen Weltverschwörung irgendwas davon steht, dass Geistes- und Kulturwissenschaften entwertet, überflüssig gemacht oder gar abgeschafft werden sollen. Verschiedenerseits scheint dieses Missverständnis immer noch verbreitet oder wird zumindest so propagiert. Knochentrockenster physikalistischer Reduktionismus hat nicht mal Chemie oder Biologie abgeschafft, im Gegenteil: beide Disziplinen florieren in ihrer Anbindung an die Physik und Vernetzung untereinander. [1] Schlimmstenfalls wird die Chemie heute nicht mehr wirklich als Königin der Wissenschaft aufgefasst. So what? Das bezahlt sowieso keine einzige Rechnung. Und es gilt für den Großteil der physikalischer Forschung ebenso.

Aber zum Thema. In seinem ersten richtigen Blogeintrag versucht Wolf den unterschiedlichen Ansatz beider Wissenschaftsarten zu bestimmen:

Ich betrachte die Augen eines geliebten Menschen. Diese Augen bedeuten mir etwas, sie scheinen etwas auszudrücken. Ich kann in diesen Augen lesen. Lese darin Liebe, Zuneigung, Verständnis. Die Augen als Spiegel der Seele zu betrachten, hat eine lange kulturgeschichtliche Tradition. Mit einem Mal beginnen sich die Augen aber zu verändern. Ihre Körperlichkeit wird sichtbar: die Pupille, die Iris, die feinen Äderchen. Nun sind die Augen kein Spiegel des Inneren mehr, sondern Bestandteil eines physischen Organismus.

Das ist wunderschön, sehr poetisch und leider nicht besonders erhellend. Und ein wenig ärgerlich, wenn ein mit dem oben geschilderten Anspruch angetretener Blog so beginnt. Wolf unterscheidet zwischen der personalen und der naturalen Betrachtung des Menschen, was natürlich legitim ist. Es ist aber nicht die Unterscheidung zwischen Kultur- und Naturwissenschaft. Selbst wenn wir zugestehen, dass der naturale Ansatz, Menschen als “psychophysische Objekte” zu betrachten, eine ziemliche Abstraktion der Person Mensch darstellt (und das den naturwissenschaftlichen Ansatz schon voll umschriebe, was ich nicht teile); der personale Ansatz, Menschen als wunderhübsche, einzigartige Schneeflöckchen zu begegnen, ist nicht der kultur- oder geisteswissenschaftliche. Er ist im Grunde überhaupt kein wissenschaftlicher Ansatz.

Jede Wissenschaft lebt von Abstrahierung (und eben Objektivierung) der Objekte, die sie untersucht. Auch wenn das in den Sozial- und Geisteswissenschaften nicht ähnlich radikal aufscheint, wird der Mensch da nicht als geliebt liebendes Individuum besungen, sondern ist mal Ausüber sozialer Funktion, mal Vetreter einer Zivilisation, Kultur, Sprache, Klasse oder (Bildungs-)Schicht. Selbst in ganz personaler Literaturwissenschaft mag man unzählige Bücher über die Person Franz Kafka schreiben; wenn das mehr sein soll als ihrerseits nur akademisch inszenierte Literaturproduktion, in dem Sinne, dass damit über die Person Kafka hinausreichende Erkenntnis gewonnen werden will, muss irgendwann der Abstraktionsschritt folgen, selbst wenn der nur daraus bestehen will, am Einzelbeispiel gesellschaftliche Strömungen oder Veränderungen festzumachen. Leistet eine Wissenschaft das nicht, bestätigt sie damit nur die Vorbehalte, die gegen ihre Wissenschaftlichkeit und damit ihre Legitimation als Wissenschaft bestehen.

Darum ärgert es mich, wenn sich Geisteswissenschaft als Hüterin eines poetischen Menschenbildes gegen naturwissenschaftliche Nüchternheit geriert. Wenn man Wissenschaft sein will, kommt man um dieselbe Nüchternheit nicht herum, wenn man auch näher am menschlichen Eigenbild operiert. Solange man sich in den liebenden Augen des Geliebten verliert, ist man zwar ganz Mensch, aber auch geisteswissenschaftlich blind. Den gesellschaftswissenschaftlichen Ansatz daher als oder mittels Poesie vorzustellen, ist nette PR, geht aber an der Sache vorbei, die doch eigentlich Erkenntnisgewinn sein will. Oder man glaubt selbst an die PR und die Poesie, hört dann aber auch bitte mit dem Fäusteballen auf, wenn die DFG das nur widerwillig und pfennigweise fördern will.

Womit ich der Poesie nicht ihre Wichtigkeit und Existenzberechtigung absprechen will, was schon in der Vorstellung absurd wäre. Nur wissenschaftlich wird sie damit nicht, und das ist ja unser Thema. Poesie verschwindet im naturalistischen Ansatz nicht, wie auch Aminosäuren und Proteinkomplexe nicht verschwunden sind, da sie nun aus Atomen bestehen. Gleichsam gewinnen Poesie und Menschlichkeit wenig durch eine Gesellschaftswissenschaft, die sie als Legitimation heranziehen will.

Derweil ist der Ansatz der Geisteswissenschaft hoffentlich etwas differenzierter, als sich für Motive zu interessieren und Handschläge als Begrüßung zu verstehen. Das machen ganz naturwissenschaftlich arbeitende Biologen jeden Tag an nur geringfügig weniger komplexen Lebewesen und mit ziemlichen Erfolg, was Herkunft und Erklärung des Verhaltens und der damit mit aller Sicherheit auch einhergehenden Gefühlszustände angeht. Nicht, dass die Vernaturalisierung der Geisteswissenschaft am Ende nur ein ziemlich kleiner Schritt wäre. Wäre schade um die befruchtende Kontroverse und die so oft beschworenen Differenzen.

[1] Ja, Geisteswissenschaftler, wir sind die Borg. Ja, wir werden euch assimilieren. Ja, euer Widerstand ist zwecklos. Er wird aber in einer Mischung aus Amüsement und Genervtsein zur Kenntnis genommen, solange wir euch noch nicht endgültig am Wickel haben.

Add: Wie schon dargestellt, Kritk erscheint mir für gewöhnlich interessanter und fruchtbarer, um Differenzen abzustecken und Positionen darzustellen, als Zustimmung. Das mag in sich auch etwas unfair erscheinen, da Christian Wolf erst einen inhaltlichen Beitrag geschrieben und den in Zukunft weiter ausdifferenzieren will. So dass ich hier noch mal festhalten will, dass ich den Blog mit lebhaften Interesse verfolgen werde — ganz unironisch.

8 Responses to “Zwei Kulturen (2): Liebe und Menschlichkeit gegen Naturwissenschafts-Unterkühlung”

  1. Hmm. Poesie gehört natürlich zu den Geisteswissenschaften. Die entsprechende Sparte heißt Literaturwissenschaft. Außerhalb dieser sollte man sich doch aber lieber um harte Fakten kümmern. Vieles in der Geisteswissenschaft hat letztlich mit Krieg, Massenmord, Kriminalität, etc. zu tun. Romantik hilft da nicht weiter. Man braucht Fakten. Für einen guten Geisteswissenschaftler sind die Naturwissenschaften der wichtigste Gehilfe überhaupt. Er braucht sie.

  2. Die Beschäftigung mit Poesie ist Teil der Geisteswissenschaften, aber auch da kann und muss sie sich abgrenzen von Poesie, um das leisten zu können. Oder um noch mal das Zitat oben aufzugreifen: eine kulturgeschichtliche Tradition ist eben weder eine kultur- noch eine geschichtswissenschaftliche.

    Für einen guten Geisteswissenschaftler sind die Naturwissenschaften der wichtigste Gehilfe überhaupt. Er braucht sie.

    Ich denke auch, dass auf soetwas ähnliches auch die Diskussion bei Sichtweisen hinauslaufen wird. Ich fand nur den Einstieg eher verklärend und am Ziel vorbei.

  3. Nun, in den meisten Fällen ist das Fehlen einer wissenschaftlichen Vorgehensweise auch in den mir bekannten geisteswissenschaftlichen Disziplinen nicht gerne gesehen. Wobei es meiner Erfahrung nach - ohne das jetzt wissenschaftlich fundiert zu belegen ;) - auffällig ist, dass zwar durchaus die Distanz zum Objekt da ist, aber auch seltener über die Grenzen der eigenen Disziplin bzw. der eigenen Perspektive darauf hinausgeschaut wird.

    Ich weiß nicht, ob es in den Naturwissenschaften ebenso ist, da fehlt mir Einblick, denke aber dass es sich Physik, Chemie und Biologie nicht so unmittelbar leisten können, die anderen Bereiche zu ignorieren. Es sei denn es ist am Gegenstand legitimiert.

    Derweil ist der Ansatz der Geisteswissenschaft hoffentlich etwas differenzierter, als sich für Motive zu interessieren und Handschläge als Begrüßung zu verstehen.

    Keine Sorge, Handschläge verstehen wir auch noch als Vertragssabschlüsse, Professionalitätsgesten, institutionalisierte Verhaltensnormen oder inszenierte Formen des Theatralen ;) Und ich wäre der Erste, der sich über definitive biologische Erklärungen von sozialem Verhalten freuen würde.

  4. Nun, in den meisten Fällen ist das Fehlen einer wissenschaftlichen Vorgehensweise auch in den mir bekannten geisteswissenschaftlichen Disziplinen nicht gerne gesehen.

    Eben — dann soll man da auch zu stehen und nicht so tun, als wären Geisteswissenschaften ausgelebte Gefühlsseligkeit.

    Was die Interdisziplinarität in den Naturwissenschaften angeht, kommt es sicher auf den Unterbereich an, in dem man arbeitet. In vielen Sachen arbeitet man halt auf einer vorhanden, interdisziplinär begründeter Basis, muss sich dann aber auch nicht mehr so sehr darum kümmern, wie alles auf subatomarer Ebene abläuft. Auf der anderen Seite gibt’s bis hinauf zur Biochemie/-physik inzwischen auch Ansätze mit Dichtefunktionaltheorie, die einem hoffentlich Einblick geben können, wie sich Proteine verhalten. Und gleichzeitig nutzt man natürlich auch immer in der Physik oder Chemie entwickelte Methoden.

    Und ich wäre der Erste, der sich über definitive biologische Erklärungen von sozialem Verhalten freuen würde.

    So weit würde ich gar nicht gehen. Kultur soll man schon als solche beschreiben dürfen; ich sehe da im Moment nur die Frage nach der Basierung des Ganzen im naturwissenschaftlich beschreibbaren: dass darüber hinaus dann noch andere Regeln emergieren, die man sinnvoll kaum noch reduzierend beschreiben und darum weiter als soziales Verhalten auffassen kann, entzieht sich wohl jeder praktischen Beschreibung durch jetzt vorstellbare Naturwissenschaft. (Mit Ausnahme evolutionspsychologischer Ansätze, die im Moment aber ziemlich zweifelhaft sind)

  5. Wissenschaft, auch die Naturwissenschaft, wird mit was betrieben? Vielleicht mit der Vernunft oder dem Verstand, bestenfalls mit beidem. Und der gehoert zu was? Genau: dem Geist. Nicht umsonst gehoert Wissenschaftstheorie und Epistemologie zur Philosophie, als Grundlage *jeder* Wissenschaft. Viele der Dualismen, die man im Laufe der Zeit herausgearbeitet hat, hindern einen jetzt. Naturwissenchaft? Geisteswissenschaft? Wissenschaft!
    Wenn ich andererseits Aussagen wie “Man braucht Fakten.” lese, dann muss ich doch erschreckenderweise feststellen, dass man hier und da immer noch im naivem Positivismus haengt. Trotz einem Popper oder einem Thomas S. Kuhn.
    Objektivitaet als regulative Idee, nun gut. Aber Fakten ohne Subjekte? Ha! Ich dachte das haetten wir nach Descarts Cogito hinter uns.
    Aber gerade deswegen find ich auch einen synthetischen Ansatz so sinnvoll! Es ist aber offenbar noch ein langer Weg. Im uebrigen finde ich diese Grabenkaempfe immer muehsam. Deutungshoheit ueber die Welt doch wieder nur als “Wille zur Macht”? Langweilg, echt.
    Albert Camus hat einmal in sein Tagebuch notiert: “Recht haben wollen; Kennzeichen eines gewoehnlichen Verstandes.”

  6. Nun, wenn Du schon die Debatte aus einer Position gelangweilter Überlegenheit führen willst, wäre es natürlich spannender, wenn Du nicht zu demselben Fehler neigen würdest, den ich hier angesprochen habe: die wissenschaftliche Betrachtung mit ihrem Objekt zu verwechseln.

    Wissenschaftliches Denken beruht auf dem Geist, richtig, aber das sagt über das Verhältnis zwischen Geistes- und Naturwissenschaft noch gar nichts aus, weil beide demselben Manko unterliegen — die Geisteswissenschaft eher noch mehr, sofern ihr wie in der Philosophie die Verankerung in Empirie fehlt oder schwerfällt, und sie hat insofern über den Geist an sich so wenig zu sagen wie Naturwissenschaft. Die Grundlage von Wissenschaft sind nicht Wissenschaftstheorie und Philosophie; die Grundlagen und grundlegenden Abläufe der Wissenschaft sind Untersuchungsgegenstand von Wissenschaftstheorie und Philosophie. Das ist auch wichtig, weil es zum Beispiel korrektiv wirken kann, wenn etwas schiefläuft; es ist aber nicht dasselbe.
    Auch wenn’s kränkend wirken sollte, aber wenn morgen alle Wissenschaftstheoretiker in unbefristeten Streik träten, würden es die Naturwissenschaften vermutlich als letzte merken. Die Ratte Wissenschaft frisst auch noch, wenn kein Verhaltensforscher da ist, um sie durchs Labyrinth zu jagen; notfalls sucht sie sich ihren Weg alleine. Hat sie ja auch vor Popper und Kuhn schon getan.

    Wenn ich andererseits Aussagen wie “Man braucht Fakten.” lese, dann muss ich doch erschreckenderweise feststellen, dass man hier und da immer noch im naivem Positivismus haengt. Trotz einem Popper oder einem Thomas S. Kuhn.

    Ersetzen wir doch califax’ Ausdruck “Fakten” durch das treffendere “Daten”, dann hat sich der Hinweis auf Popper und Kuhn hoffentlich auch für Dich erledigt.

    Aber gerade deswegen find ich auch einen synthetischen Ansatz so sinnvoll!

    Würd ich an Deiner Stelle auch. Dass sich die Welt noch mal rein aus Geisteswissenschaft oder Philosophie erklären ließe, würde Dir auch keiner abnehmen. Auf den synthetischen Ansatz bin ich allerdings gespannt. Aus meiner Perspektive ist es so, dass Naturwissenschaften und Naturwissenschaftler einen immer größeren Anteil zur Synthese beitragen — weil bestimmte Geisteswissenschaften, die noch sowas wie Deutungshoheit beanspruchen, nicht in die Pötte kommen, ihren Beitrag auch wirklich zu leisten, stattdessen immer weiter um sich selbst kreisen, um sich die Wichtigkeit ihres Beitrags und ihre eigene Überlegenheit zu versichern.

  7. Wenn sich durch meine Kommentar der Verdacht aufdraengt, dass ich die Diskussion hier aus irgendeiner “gelangweilter Überlegenheit” fuehren will, dann bitte ich das bitte zu entschuldigen.
    Dieses Medium ist offenbar zu begrenzt um hier eine wirklich gute Diskussion zu fuehren (auch weil ich gerade doch zu faul bin mir die Finger wund zu tippen ;-))

    “Wir fuehlen, dass selbst wenn all moeglichen Wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht beruehrt sind. Freilich bleibt dann eben keine Frage mehr; und eben dies ist die Antwort.” LW, LTP 6.52

    Nur noch soviel, die scharfe Trennung, zwischen Gegenstand und Untersuchendem, zwischen Subjekt und Objekt, genau das war meine Kritik an dem Wort “Fakt”.
    Dazu Heinz von Foerster: “Objectivity is a subject’s delusion that observing can be done without him.” Gerhard Roth, alsBiologe und Neurowissenschaftler, schlaegt auch heute noch in die gleiche Kerbe, und macht sich damit bei gerade den Philosophen unbeliebt. Ironischerweise. ;-)

    Ich zitiere ja recht selten Hegel, deswegen ist mir das ja fast schon eine wahre Freude:
    “Denn ist das Erkennen das Werkzeug, sich des absoluten Wesens zu bemächtigen, so fällt sogleich auf, daß die
    Anwendung eines Werkzeugs auf eine Sache sie vielmehr nicht läßt, wie sie für sich ist, sondern eine Formierung und Veränderung mit ihr vornimmt. Oder ist das Erkennen nicht Werkzeug unserer Tätigkeit, sondern gewissermaßen ein passives Medium, durch welches hindurch das
    Licht der Wahrheit an uns gelangt, so erhalten wir auch so sie nicht, wie sie an sich, sondern wie sie durch und in diesem Medium ist. Wir gebrauchen in beiden Fällen ein Mittel, welches unmittelbar das Gegenteil seines Zwecks hervorbringt; oder das Widersinnige ist vielmehr, daß wir uns überhaupt eines Mittels bedienen. Es scheint zwar, daß diesem Übelstande durch die Kenntnis der Wirkungsweise des _Werkzeugs_ abzuhelfen steht, denn sie macht es möglich, den Teil, welcher in der Vorstellung, die wir durch es vom Absoluten erhalten, dem Werkzeuge angehört, im Resultate abzuziehen, und so das Wahre rein zu erhalten. Allein, diese Verbesserung würde uns in der Tat nur dahin zurückbringen, wo wir vorher waren.”, (G.W.F. Hegel, PhG, Einleitung)

    Und keine Angst, gekraenkt bin ich sicherlich nicht.

  8. Dieses Medium ist offenbar zu begrenzt um hier eine wirklich gute Diskussion zu fuehren (auch weil ich gerade doch zu faul bin mir die Finger wund zu tippen ;-))

    Ja, ich kenn das Problem, von wegen Klarheit und Missverständlichkeit und dem ganzen Rest. Was soll’s.

    Aber wenn man Wittgenstein-Zitate hier schon abgekürzt belegegt, dann doch bitte richtig ;)

    Nur noch soviel, die scharfe Trennung, zwischen Gegenstand und Untersuchendem, zwischen Subjekt und Objekt, genau das war meine Kritik an dem Wort “Fakt”.

    Darum halte ich da auch “Datum” für treffender. Und um auf den eigentlichen Einwand zurückzukommen: Ich habe nicht den Eindruck, als wäre die Verwechslung der Datenlage mit den Fakten eine, die bevorzugt bei Naturwissenschaftlern auftaucht, jedenfalls nicht auf elementarer Ebene. Dazu ist die Distanz zwischen Instrumentenanzeige und Natur meist schon zu groß, um sich des Unterschieds nicht mehr bewusst zu werden — der schwindet vielleicht, je besser man sein Instrument beherrscht oder je solider einem diese Daten vorkommen (vielleicht auch, wie anschaulich die Bilder aussehen). Im schlimmsten Fall verrennt man sich und muss wieder eingefangen werden. Aber das Schließen von den Messwerten auf belastbare Abstraktion ist eigentlich das Kernstück naturwissenschaftlicher Forschung und erfolgt gerade bei neuen Methoden umso reflektierter.
    Ob dieselbe Vorsicht im Umgang mit Daten und Fakten in der Geisteswissenschaft so auch geübt wird, kann ich nicht abschließend beurteilen. Aber manche Studie lässt da manchmal Zweifel aufkommen. Ob das an der Kompliziertheit des zu betrachtenden Objekts liegt oder an vermeintlich offensichtlicher Anschaulichkeit oder an möglicherweise falsch gelehrter Methodik, ist eine andere Frage.

    Von der Personalisierung auf Roth halte ich derweil nicht viel. Die Daten und Methoden liegen offen. Auch für Geisteswissenschaftler und Philosophen. Die sollen dann nicht lamentieren, sondern selber interpretieren. Bisher tun viele so, als gäbe es die Daten gar nicht oder als könnten sie prinzipiell gar nichts aussagen.

    Auf den alten Hegel würde ich ja gerne mit einem seiner speziellen Freunde kontern, aber da ich gerade keine Lust zur Recherche habe, muss ich ihm wohl selber widersprechen. Nicht, dass er nicht recht hätte; nur dass es auf die Wissenschaft falsch angewandt wäre, die sich nicht um unerreichbare Erkenntnis des Absoluten schert, sondern um die reproduzierbar fassbaren Eigenschaften desselben. Nur in dieser vermeintlichen Verknappung kann Wissenschaft betrieben werden, da aber überaus erfolgreich.

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