Mal eine schnelle wissenschaftstheoretische Quizfrage: woran erkennt man, dass eine Vermutung trotz wissenschaftlicher Terminologie, total seriösem Aufzug und der Demonstration souveräner Sicherheit in der Darstellung eben doch keine wissenschaftliche ist, sondern nur banales Rumspekulieren, inhaltsleeres Gemurmel und die Kopfgeburt von zuviel Phantasie nach leidenschaftlicher Nacht mit einem Zuwenig an redlicher Skepsis?
Daran, dass man mit ihr nichts erklären kann? — Falsch.
Natürlich daran, dass man mit ihr alles erklären kann. Von der Entstehung des Lebens bis zur Frage, warum Mama immer gerade dann anruft, wenn man ein bisschen mütterliche Zuwendung braucht. [1]
Rolf Froböse erklärt uns wieder das Leben. Und diesmal ganz wirklich.
Und vielleicht wird’s ein schöner Frühling, in dem Wissenschaftsjournalisten und -redaktionen mal recherchieren, bevor sie was dazu abdrucken. Denn verlernt hat er nichts:
Froböse: Weil die Entstehung des Lebens entgegen den Vorstellungen Darwins weniger ein Kampf ums Dasein, sondern vielmehr ein unumgänglicher Schritt in der kosmischen Entwicklung war.
Die Entstehung des Lebens: nach Darwins Vorstellungen ein Kampf ums Dasein… Schön, dass das endlich mal wer richtigstellt.
Ich geh lieber wieder zurück in die Sonne. Jedenfalls bis ich den tatsächlichen Lebenscode des Universums mal über fünf Seiten hinweg in der F.A.Z. abgedruckt finde.
[1] Oder wenn’s grad gar nicht passt. Die Meinungen darüber gehen etwas auseinander. Ist aber auch nur ein Verschränkungseffekt.
Nachtrag: Diesmal übrigens nicht selbst verlegt, sondern erschienen beim angesehenen Lotos-Verlag München. Dessen Motto ist gerade: Östliche Weisheit, Neues Denken. Und da findet man so wissenschaftliche Bücher wie: Der göttliche Plan der Schöpfung — Gottes geheime Gedanken — Vögel fliegen ohne Koffer — Mönche, Magier und Schamanen — Chakra-Energie-Drinks — Geheimnis Schaolin (Das spirituelle Vermächtnis der Kampfmönche) — Heilige Orte schaffen mit Feng Shui — Und, mein Lieblingstitel, Die Kuh, die weinte.
Also wehe jedem fanatischem Fundamentalisten der Skeptiker-Sekten, der das Froböse-Buch hier irgendwie auch nur in die Nähe von Esoterik rücken will!
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Zu dem Typen kann man ja sagen was man will, ich kenne ihn garnicht.
Aber die Methode alle Bücher aufzuzählen die in dem verlag erschienen sind die sein buch veröffentlicht haben ist superunfair und auch mies.
was sagt das bitteschön über das buch aus?
wenn jetzt darwins entstehung der arten im obengenannten verlag erscheinen würde wäre die dann eso?
Zum Vertragsabschluss gehören immer zwei: der Eso-Verlag, der denkt, dass das Buch sich hübsch im eigenen, gezielt esoterischen Programm machen würde. Und der Buchautor, der nichts dagegen hat, dass es gerade in dem Umfeld erscheint — oder der keine Wahl hat, weil sich nur Eso-Verlage dafür interessieren. Was von beidem hier vorliegt, kann ich natürlich nicht sagen. Auch nicht, weshalb der Hinweis darauf total superunfair und bäh sein sollte. Esoterik ist auch nichts furchtbar abartiges an sich, aber dann soll man halt nicht so tun, als dürfte man es nicht Esoterik nennen, weil es ja ganz toll-visionäre Wissenschaft sei.
[...] frau wissen, bevor sie sich mit Froböses Elaboraten beschäftigt oder gar Geld dafür ausgibt. Froböse widerlegt Darwin …; Alice im Quantenland … Tags: Charles Darwin, Evolution, Quantenphysik, [...]
«Das Zufallsprinzip scheidet aus, denn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gen ad hoc aus einfachen Zutaten der Ursuppe entsteht, liegt bei zehn hoch tausend!» Das ist Blödsinn der naivsten Sorte: http://chefarztfrau.de/?p=528
Eine Wahrscheinlichkeit von zehn hoch tausend ist übrigens auch zehn hoch tausend mal höher als hundert Prozent ;-) Aber in dem ganzen Gewurschtel aus Zahlen herbeifantasieren, Einheiten vergessen (pro Sekunde? pro Liter Ursuppe?), ganz alte Kreationistenargumente abschreiben und dazu noch Darwin für Abiogenese in Haft nehmen, muss man über Mathematik auch nicht wirklich sprechen.
Kamenin hat vollkommen recht!
Sage mir mit wem Du gehst, und ich sage Dir, wer du bist!
Das Froböse-Interview ist aus der Readers Edition verschwunden.
http://www.readers-edition.de/2009/04/02/interview-der-lebenscode-des-universums/
Panne? Späte Einsicht? Quantenverschränkung?
@ Ulrich
Da hat sich vermutlich das Universum fremdgeschämt. So ein Quantum hat schon noch Würde. Oder um es in quantenphysikalischen Verschränkungstermini zu sagen: hex-hex.
Tatsächlich: ein sich fremdschämendes Universum ist die plausibelste Erklärung. Aber so ein Universum kann sich ja auch nicht ewig schämen – deshalb ist das Interview jetzt wieder online.
Vor lauter Entropie ist so ein Universum auch nicht mehr das, was es mal war…
„…als ich studierte, also im veralteten Denkrahmen der reduktionistisch-materialistischen Natur- und Formalwissenschaften, waren Wahrscheinlichkeiten noch völlig paternalistisch und willkürlich auf das enge, eindimensionale Intervall [0,1] beschränkt, wo sie weder ihr kreatives Potential noch ihre subversive Kraft voll zur Geltung bringen konnten.“
das war jetzt ein witz, oder? – oder soll das der hinweis für jeden sein der die grundschule abgeschlossen hat daß alles weitere vollkommener schwachsinn ist?
bitte um antwort…
Falscher Kommentarthread, aber um für Ulrich zu antworten:
Ja. Aber auch nicht absurder als das, was manche ernst meinen.