Amerikanische Präsidenten vs. Europas Stockholm-Syndrom

Noch so ein Preis, und ich bin erledigt.
– Alfred Obama Pyrrhus, 1870

Was viele über die Vergabe des diesjährigen Literatur-Nobelpreis nicht wissen: eigentlich sollte ich den bekommen. Tatsache.

Geehrt werden sollte ich für mein erfolgreiches Bemühen, weniger zu bloggen und schon allein dadurch die Qualität meines Geschreibes um das Imposanteste gesteigert zu haben. Ausgedrückt auf dem nach unten offenen Bloggo-Mass-Index praktisch von -45 (gedanklich schwerst verfettet) auf Plus-Minus-Null. Außer eben an den paar Tagen, wo ich das Netzbefüllen doch nicht sein lassen konnte. Der Preis sei aber als Ermutigung zu verstehen, auch weiter konsequent mein Schreiben herunterzufahren und dadurch das Niveau internationaler Literatur weiter zu heben. Manchmal sei gar nichts tun eben doch besser, als nur das falsche immer weiter zu tun. Wie zum Beispiel nur für einen billigen Kalauer gewisse Preise von Oslo nach Stockholm zu verlegen. Schämen solle ich mich. Aber nichtsdestotrotz…

Gescheitert ist es dann einerseits daran, dass ich sehr unwillig auf unerbetene frühmorgendliche Telefonanrufe reagiere, fast schon rüde. Das versteht man dann auch auf Norwegisch.

Andererseits ließ man mir dann mitteilen, dass man mir den Preis doch nicht geben könne. Die Preisbegründung würde noch für den Friedens-Nobelpreis gebraucht, nur leicht abgewandelt. Außerdem habe man eine Autorin mit noch weniger Lesern gefunden.

Ich find’s in Ordnung. Kann gut damit leben. Auch mit den jetzt tatsächlich ausgezeichneten Preisträgern. Den Friedenspreis schon dieses Jahr an Westerwelle zu geben, der noch niemals nie einen Krieg angefangen hat und sich ganz stets vorbildlich um die Verständigung zwischen den Völkern bemüht (solange sie deutsch sprechen)… ja, das wäre vielleicht auch etwas verfrüht gewesen. Vielleicht auch mehr Bürde als Auszeichnung. Man weiß es ja nicht.

Das ist so etwa gerade die Resonanz des deutschen Online-Journalismus auf die Verleihung an Barack Obama. Wenn man dafür bezahlt wird, über sowas zu schreiben, tippt es sich vermutlich auch nicht so einfach ins Netz, dass einzelne Damen und Herren in Skandinavien möglicherweise nicht mehr alle Latten am Zaun haben. Die fürwahr tragischen Auswirkungen extensiver Alkoholbesteuerung, nehme ich an.

Das wäre dann mal ein schönes Thema für Obamas Dankesrede in Oslo.  Oder für seine offizielle Reaktion heute, also die, die er abgibt, nachdem er das Fremdschämen für das Nobelpreis-Komitee hinter sich gebracht hat und bevor er daran geht, einfach irgendwen zu bombardieren, nur um noch den letzten Rest innenpolitischer Glaubwürdigkeit zu retten.

Was jeder Blogger weiß, das Nobelpreis-Komitee aber anscheinend noch nicht: niemand kann einen so schnell lächerlich machen wie man sich selbst.

4 Antworten

  1. Ich habe dich eben dem Nobelpreiskomitee als Hauptredner bei der diesjährigen Verleihung der Nobelpreise im Dezember vorgeschlagen.

    Keiner hat die den popstargleichen Status der Literaturnobelpreisträgerin und die nur kaum verhohlene Schadenfreude des amerikanischen Präsidentschaftsstabs darüber, das Achmadinejad dieses Jahr leer ausging (sonst schreckt das Komitee vor Terroristen auch nicht zurück) besser in Worte gefasst.

  2. Hauptredner bei der Preisverleihung… Muss man da nicht als Teil des Deals vorher was mit dieser schwedischen Prinzessin anfangen? Oder ist die inzwischen auch schon verheiratet? Muss mal wieder zum Friseur, Fakten checken.

  3. Ich kann dir den Weg zum Friseur sparen. Die hübsche (Madeleine) ist verlobt. Sie interessiert sich sehr für den Reitsport.
    Die Kronprinzessin Victoria ist ebenfalls verlobt. Beide übrigens erst seit diesem Jahr.

  4. Ah, ist doch in Oslo, dann würd’s wohl eher auf was Norwegisches rauslaufen. Da gibt’s aber auch nur die Blonde und die geistheilende Engelstusse. Die schwere Entscheidung bleibt mir aber erspart, weil in Oslo der König bei der Preisverleihung eh nichts zu sagen hat.

    So schnell kann’s übrigens gehen: gerade noch Begrenzte Wissenschaft, jetzt fast schon Emser Depesche.

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