Lachen sollte man überhaupt mal wieder öfter. Zum Beispiel über Theorien Hypothesen Spekulationen, dass gewisse Verhaltensweisen evolutionär im Menschen fest angelegt seien: Verhaltensweisen, die gerade dann in Populationen nachlassen, je weitgehender Menschen aus materiell-existenzieller Unsicherheit und sozialen Vorgaben befreit werden und damit mehr Freiheiten gewinnen, nach ihren eigenen Maßstäben (und gemäß ihrer eigenen Anlagen) zu leben. Unterhalb dieser Schwelle besteht die Veranlagung ansonsten vielleicht nur darin, jeden Scheiß mitzumachen, wenn er einem das Leben erleichtert. Aber weil die Art Veranlagung keine Lobby hat und sich nicht besonders nobel im Titel eines Instituts machen würde, wird es wohl noch einige Zeit dauern bis die Phänomen-Wahrsager in den gesellschaftswissenschaftlichen Instituten sowas groß herausstellen wollen — und davon absehen, Evolution weiter als allegorisch und analogisch zu begründende, denn als biologisch-mathematische Wissenschaft zu verstehen.
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Worauf beziehst Du Dich? Oder kennst Du gar meine Kollegen?
Immer noch auf ‘Religiosität als evolutionär festgeschriebene Konstante im Menschen’ oder, noch kenntnisfreier, gar als Ergebnis eines ‘evolutionären Erkenntnisprozesses’. Das kann ich aber beliebig erweitern auf allen Quatsch, etwas sei eine biologisch verankerte Größe, nur weil man einen sprachlichen Begriff prägen kann. Bei sowas fängt meine Wittgenstein-Reliquie das Weinen an.
Ah OK – ich hatte wieder mal nicht ordentlich gelesen. Ja, ja, dieser radikal-banale pan-Adaptationismus ist enervierend (und ich sage das, obwohl ich durchaus daran glaube, dass Evolutionstheorie und Geisteswissenschaften sehr fruchtbar zusammenwirken können).
Ich dachte eigentlich an die in den Geisteswissenschaften ach so beliebte Analogie von Entwicklung und Evolution. Eigentlich meint man Luhmann und System (oder irgendsowas), aber Evolution klingt wohl irgendwie besser. Wehe aber ein richtiger Evoluzzer sagt unter den Scheinevolutionisten mal „Instinkt“: da ist das Jammern und Greinen groß und man zaubert ganz schnell wieder den Mensch als Mängelwesen aus dem Hut.
Gibt es eigentlich eine biologische Veranlagung dafür, die Bedeutung biologischer Veranlagungen überzubewerten?
Mehr zu lachen, das war übrigens auch ein Ratschlag Paul Feyerabends.
In einem aktuellen Beitrag in der Diskussion um meinen Naturalismus-Beitrag zitiere ich nun übrigens zwei Beispiele für eine sehr starke Sicht, die darauf deuten, dass ein starker Naturalismus durchaus auch von angesehenen Intellektuellen vertreten wird; und zumindest einer davon (R. Dawkins) ist kein hauptamtlicher Philosoph. Darauf wollte ich dich aufmerksam machen.